Die Bundesregierung prüft eine mögliche Reform der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Hintergrund sind steigende Ausgaben im Gesundheitssystem und der Druck, Kosten zu begrenzen. Diskutierte Maßnahmen könnten direkte Auswirkungen auf Arbeitnehmer und Arbeitgeber haben. Website Imowell.de berichtet unter Berufung auf Spiegel.
Mögliche Kürzung der Lohnfortzahlung
Medienberichten zufolge erwägen Vertreter der Koalition aus CDU/CSU und SPD verschiedene Optionen zur Entlastung des Systems. Im Zentrum steht die derzeitige Regelung, nach der Arbeitgeber bis zu sechs Wochen lang den Lohn im Krankheitsfall weiterzahlen.
Zur Debatte steht eine Verkürzung dieses Zeitraums. Zudem wird ein Modell geprüft, bei dem Arbeitgeber die Lohnfortzahlung nur einmal pro Jahr leisten. Bei einer erneuten Erkrankung könnte dann die Krankenkasse früher einspringen – allerdings mit geringeren Leistungen.
Diskussion über die Wiedereinführung eines „Karenztages“
Ein weiterer Vorschlag ist die Wiedereinführung eines sogenannten Karenztages. In diesem Fall würde der erste Krankheitstag nicht vergütet. Ziel dieser Maßnahme wäre es, Unternehmen finanziell zu entlasten.
Regierungskreise betonen jedoch, dass endgültige Entscheidungen erst nach einer Einigung innerhalb der Koalition getroffen werden.
Widerstand innerhalb der SPD
Innerhalb der SPD stoßen diese Vorschläge auf Kritik. Vertreter der Partei stellen klar, dass eine Kürzung der Lohnfortzahlung nicht zu ihren politischen Zielen gehört. Stattdessen setzen sich die Sozialdemokraten für den Erhalt der bestehenden Regelungen ein.
Aus der Fraktion heißt es, man wolle soziale Sicherheiten stärken und keine zusätzlichen Belastungen für Versicherte schaffen.
Hintergrund: steigende Kosten und hohe Krankenstände
Die Reformdebatte steht im Zusammenhang mit wachsenden Gesundheitsausgaben und einem im europäischen Vergleich hohen Krankenstand in Deutschland. Diese Entwicklung erhöht den finanziellen Druck auf das System der gesetzlichen Krankenversicherung.
Die Gespräche der Koalitionsspitze am Wochenende befassten sich neben Gesundheitsfragen auch mit Energiepreisen und weiteren Reformprojekten. Konkrete Ergebnisse wurden bislang nicht öffentlich gemacht.
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