Die Bundesnetzagentur hat ein Konzept vorgestellt, das den Übergang Deutschlands von veralteten Kupfernetzen hin zu Glasfaserinternet beschleunigen soll. Der Regulierer veröffentlichte einen Zeitplan und Vorschläge für eine schrittweise Abschaltung von DSL-Anschlüssen. Nach Einschätzung der Behörde entspricht die bestehende Infrastruktur nicht mehr den Anforderungen der Zukunft, während der Ausbau von Glasfasernetzen zu langsam voranschreitet. Das Papier wurde vor dem Hintergrund jahrelanger Debatten zwischen Staat, ehemaligem Monopolisten und alternativen Anbietern präsentiert. Ziel der Initiative ist es, Voraussetzungen für einen schnelleren und flächendeckenderen Ausbau leistungsfähiger Netze zu schaffen. Die Website Imowell.de berichtet unter Berufung auf sueddeutsche.
Alte Regeln und Interessenkonflikte im Markt
Die Situation auf dem deutschen Festnetzmarkt ist weiterhin von Spannungen zwischen großen und kleinen Akteuren geprägt. Auf der einen Seite steht die Deutsche Telekom, an der der Staat direkt und indirekt rund 30 Prozent der Anteile hält. Auf der anderen Seite agieren zahlreiche Wettbewerber, darunter kommunale Unternehmen und private Investoren, die eigene Netze aufbauen. Nach Auffassung der Bundesnetzagentur spiegelt das geltende Telekommunikationsrecht die aktuellen Marktverhältnisse nicht mehr ausreichend wider. So räumt es der Telekom unter anderem ein exklusives Recht ein, in bestimmten Gebieten den Wechsel von Kupferleitungen zu Glasfaser zu initiieren.
Risiken für Wettbewerber und gebremste Modernisierung
Nach Ansicht der Regulierungsbehörde führt das bestehende Modell zu Verzerrungen beim Infrastrukturausbau. Die Telekom kann den Umstieg dort anstoßen, wo es für sie wirtschaftlich sinnvoll ist, und gleichzeitig die Modernisierung in Regionen verzögern, in denen Wettbewerber bereits erhebliche Investitionen getätigt haben. Für alternative Anbieter bedeutet dies finanzielle Risiken und Planungsunsicherheit. In der Folge verlangsamt sich der gesamte Ausbau von Glasfasernetzen in Deutschland. Ohne eine Anpassung der Regeln drohe dem Land ein weiteres Zurückfallen bei der digitalen Entwicklung.
Neues Modell für den Glasfaserumstieg
In dem vorgelegten Dokument schlägt die Bundesnetzagentur einen veränderten Ansatz für die Abschaltung von DSL und den Ausbau von Glasfaser vor. Künftig sollen nicht nur marktbeherrschende Unternehmen, sondern auch Wettbewerber oder die Behörde selbst den Übergang einleiten können. Dafür müssen zwei zentrale Voraussetzungen erfüllt sein. Erstens müssen mindestens 80 Prozent des jeweiligen Gebiets mit Glasfaseranschlüssen bis ins Haus versorgt sein. Zweitens ist die Einführung einer verpflichtenden Open-Access-Regelung vorgesehen.
Offener Netzzugang und mehr Wahlfreiheit für Kunden
Das Prinzip des offenen Netzzugangs bedeutet, dass der Betreiber eines Glasfasernetzes anderen Anbietern gegen Entgelt Zugang zu seiner Infrastruktur gewähren muss. Auf diese Weise kann ein Unternehmen die Netze eines anderen nutzen, um Endkunden Dienste anzubieten. Nach Vorstellung der Bundesnetzagentur soll dies den Wettbewerb stärken und die Auswahl für Verbraucher vergrößern. Kunden könnten zwischen mehreren Anbietern wählen, auch wenn das physische Netz nur einem Betreiber gehört. Der Regulierer geht davon aus, dass dieser Ansatz Investitionen planbarer macht und Marktrisiken reduziert.
Warum sich der Umstieg über Jahre hinzieht
Trotz hoher Investitionen in den vergangenen Jahren verläuft der Ausbau der Glasfasernetze in Deutschland schleppend. Ein Grund dafür ist die vergleichsweise hohe Leistungsfähigkeit modernisierter Kupferleitungen, die Geschwindigkeiten von bis zu 250 Mbit/s ermöglichen und für viele Nutzer ausreichend sind. Zudem ist der Internetzugang über Kabelnetze möglich, theoretisch mit bis zu 1000 Mbit/s. Anders als in Ländern mit deutlich schlechterer Altinfrastruktur verspüren viele deutsche Haushalte keinen unmittelbaren Druck, auf Glasfaser umzusteigen.
Einschätzungen von Experten und langfristige Perspektiven
Beratungsunternehmen warnen vor den Folgen eines zu langsamen Ausbaus der digitalen Infrastruktur. In einer veränderten geopolitischen Lage gelten leistungsfähige Netze als zentrale Voraussetzung für wirtschaftliches Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit. Branchenstudien zufolge liegt Deutschland im europäischen Vergleich der digitalen Konnektivität nur im Mittelfeld. Die Bundesnetzagentur rechnet damit, dass der vollständige Übergang zu Glasfasernetzen mindestens zehn Jahre in Anspruch nehmen wird. Zusätzliche Impulse sollen von europäischen Gesetzesinitiativen und den Plänen des zuständigen Ministeriums zur Beschleunigung der Digitalisierung ausgehen.
