Der Automobilkonzern Stellantis, zu dem Marken wie Peugeot, Fiat, Opel und Jeep gehören, hat eine umfassende Überarbeitung seiner Elektromobilitätsstrategie angekündigt. Die Entscheidung führt zu Abschreibungen in Höhe von rund 22 Milliarden Euro und zu einem massiven Kursverfall der Aktie. Für die zweite Jahreshälfte 2025 rechnet der Konzern mit einem Verlust von bis zu 21 Milliarden Euro. Die Dividendenzahlungen an Aktionäre wurden gestrichen. Website Imowell.de berichtet unter Berufung auf Вild.
Nach Bekanntgabe der Pläne fielen die Stellantis-Aktien zeitweise um mehr als 14 Prozent. Seit Jahresbeginn summiert sich der Kursverlust auf über 40 Prozent. Die Marktreaktion blieb nicht auf den Konzern beschränkt: In Frankreich gerieten Renault, Valeo und Forvia unter Druck, in Deutschland verloren Volkswagen, BMW und Porsche deutlich an Börsenwert.
Verkäufe von Elektroautos bleiben hinter Erwartungen zurück
Hauptursache der finanziellen Belastungen ist eine Fehleinschätzung der Geschwindigkeit des Übergangs zur Elektromobilität. Die Verkaufszahlen von Elektrofahrzeugen blieben deutlich unter den Prognosen, während Entwicklung, Batterietechnologie und Produktion weiterhin hohe Kosten verursachen. Stellantis-CEO Antonio Filosa räumte ein, dass das Unternehmen das Tempo der Markttransformation überschätzt habe und nun gezwungen sei, seine Strategie anzupassen.
Im Zuge der Neuausrichtung werden mehrere Projekte gestrichen oder verschoben. In den USA wurde die vollständig elektrische Version des RAM 1500 aufgegeben, in Europa verschiebt sich der geplante komplette Umstieg von Alfa Romeo auf Elektroantriebe. Besonders symbolträchtig ist der Verkauf der Stellantis-Beteiligung an einem kanadischen Batteriewerk an den Partner LG Energy Solutions für lediglich 100 US-Dollar, obwohl zuvor Investitionen in Milliardenhöhe vorgesehen waren.
Branchentrend zur Reduzierung von Elektroprojekten
Die Entwicklung bei Stellantis steht im Einklang mit einem breiteren Trend in der Automobilindustrie. Ford und General Motors haben ihre Elektroprogramme ebenfalls zurückgefahren und Abschreibungen in zweistelliger Milliardenhöhe vorgenommen. Auch Porsche hat seine Ziele für den Anteil von Elektrofahrzeugen im Modellportfolio mehrfach angepasst. Marktdaten deuten auf eine Abschwächung der Nachfrage und auf steigenden finanziellen Druck für die Hersteller hin.
Für Stellantis kommt der Strategiewechsel zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Der Konzern kämpft bereits mit Marktanteilsverlusten, Qualitätsproblemen bei einzelnen Modellen und hohen Verkaufspreisen. In einer Gewinnwarnung teilte das Unternehmen mit, dass das Elektromobilitätsgeschäft weiterhin Milliardenbeträge verschlinge und die zweite Jahreshälfte deutlich verlustreich ausfallen werde. Zur Stabilisierung der Bilanz erwägt Stellantis die Aufnahme neuer Schulden in Milliardenhöhe. Die vollständigen Jahreszahlen will der Konzern am 26. Februar veröffentlichen.
