In Österreich nimmt die Sorge vor Störungen bei der Kraftstoffversorgung zu. Branchenexperten erklären, dass erste Engpässe an Tankstellen bereits in den kommenden Wochen sichtbar werden könnten, falls sich die Lage auf dem globalen Ölmarkt nicht entspannt. Als Hauptursache gilt die anhaltende Blockade der Straße von Hormus, über die ein bedeutender Teil der weltweiten Öllieferungen läuft. Dadurch geraten jene Importwege unter Druck, von denen Österreich in hohem Maß abhängig ist. Website Imowell.de berichtet unter Berufung auf Merkur.
Wann es in Österreich zu Problemen bei der Kraftstoffversorgung kommen könnte
Der österreichische Ölexperte Johannes Benigni erklärte, dass der Kraftstoffmangel im Land spätestens bis Ende April spürbar werden könnte. Nach seiner Einschätzung könnten die Probleme bei einem ungünstigen Verlauf sogar rund zwei Wochen früher beginnen. Das Risiko hängt vor allem damit zusammen, dass Österreich einen großen Teil seines Dieselbedarfs durch Importe deckt. Genau diese externen Lieferketten gelten derzeit als besonders anfällig.
Nach Einschätzung von Experten stammen rund zwei Drittel des Diesels aus dem Ausland. Ähnlich ist die Lage beim Heizöl, bei dem der Anteil importierter Rohstoffe ebenfalls hoch bleibt. Zusätzlichen Druck erzeugen Einschränkungen auf wichtigen Versorgungsrouten über die Slowakei und Ungarn. In der Branche ist bereits von wachsender Anspannung die Rede, und einzelne Unternehmen haben nach Angaben von Marktteilnehmern Schwierigkeiten, bestehende Verträge zu erfüllen.
Blockade der Straße von Hormus gilt als zentrales Risiko
Als zentraler Auslöser der neuen Sorgen gilt die faktische Blockade der Straße von Hormus. Diese Route zählt zu den wichtigsten Transportwegen für Öl weltweit. Sollten die Einschränkungen anhalten, könnten sich die Folgen für den europäischen Kraftstoffmarkt schon in naher Zukunft deutlich verschärfen.
Hinzu kommen weitere Probleme in Asien. China hat nach Angaben von Experten bereits auf die globale Knappheit reagiert und den Export bestimmter Rohstoffe gestoppt. Auch in Indien drohen neue Einschränkungen in Raffinerien. Das verschärft die Lage für europäische Käufer zusätzlich, weil sie um begrenzte Liefermengen mit asiatischen Abnehmern konkurrieren müssen.
Die Internationale Energieagentur warnte in ihrem Bericht vom März 2026, dass der Weltmarkt bei ausbleibender Wiederaufnahme des Transports mit einer der größten Lieferstörungen in der Geschichte des Ölhandels konfrontiert sein könnte.
Auch in Deutschland wird über möglichen Mangel gesprochen
Die Sorge vor Kraftstoffengpässen beschränkt sich nicht auf Österreich. Die deutsche Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche erklärte auf der Energiekonferenz Ceraweek in Houston, derzeit sei noch kein Volumenmangel zu beobachten. Sollte der Konflikt jedoch andauern, sei ein solcher Mangel wahrscheinlich Ende April oder im Mai zu erwarten.
Diese Einschätzung wird auch vom Energietrader Jürgen Roth geteilt, der dem Fachverband der Energiehändler in der Wirtschaftskammer Österreich vorsteht. Nach seinen Angaben fehlen dem Weltmarkt faktisch rund 20 Prozent des Volumens, während asiatische Käufer derzeit deutlich höhere Preise zahlten als europäische. Dadurch könnten sogar Lieferungen, die bereits europäische Häfen erreicht haben, später noch nach Asien umgeleitet werden.
Warum die österreichische Regierung unter Druck gerät
Verschärft wird die Debatte durch Pläne der österreichischen Regierung, in den Markt einzugreifen. Vorgesehen ist, die Mineralölbranche ab April zu einem Zuschlag von fünf Cent entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu verpflichten. Nach Darstellung der Regierung soll dies Preisschwankungen bremsen und den Markt stabilisieren.
Vertreter der Branche reagieren jedoch kritisch auf diesen Vorstoß. Sie halten die Umsetzung technisch für kaum machbar und bezeichnen den Gesetzentwurf als unausgereift. Auch Johannes Benigni äußerte Zweifel an dieser Maßnahme. Aus seiner Sicht wäre es sinnvoller, Mittel über Dividenden des staatlichen Unternehmens OMV aufzubringen.
Was derzeit auf dem Kraftstoffmarkt passiert
Für Verbraucher zeigt sich die Krise bislang vor allem in steigenden Preisen und wachsender Unsicherheit über die Stabilität der Versorgung. Marktexperten sprechen offen von dem Risiko, dass einzelne Tankstellen bei einer weiteren Verschärfung der Lage tatsächlich ohne Kraftstoff dastehen könnten. Für Österreich wäre das besonders problematisch, weil das Land stark auf Importe angewiesen ist und Ausfälle nur begrenzt kurzfristig ausgleichen kann.
Parallel dazu wird auch in Deutschland intensiver über staatliche Eingriffe in den Kraftstoffmarkt diskutiert. Ein Teil der Branche warnt bereits davor, ein österreichisches Szenario zu wiederholen, und verweist darauf, dass administrative Preisbegrenzungen in einer Mangellage den Druck auf Lieferketten weiter erhöhen könnten.
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