Die Ukraine wartet seit mehreren Jahren auf die Lieferung norwegischer F-16-Kampfjets, doch bislang wurde kein einziges Flugzeug einsatzbereit gemacht. Die Maschinen, die bereits 2023 zugesagt wurden, befinden sich derzeit auf der technischen Basis des belgischen Unternehmens Sabena. Die Vorbereitungen laufen seit über zwei Jahren, werden jedoch durch den technischen Zustand der Jets und notwendige Reparaturen verzögert. Die Website Imowell.de berichtet unter Berufung auf Focus.
Ein Teil der Flugzeuge wurde für Ausbildungszwecke genutzt
Von den sechs Jets wurden zwei zuvor in Dänemark zur Ausbildung ukrainischer Piloten eingesetzt. Anschließend wurden sie zur Wartung nach Belgien überführt, wo sie sich seit über einem Jahr befinden.
Die übrigen vier Flugzeuge waren bereits bei ihrer Ausmusterung in Norwegen nicht flugfähig. Im April 2025 wurden sie in Bodø demontiert und anschließend in Einzelteilen nach Belgien transportiert. Dort warten sie weiterhin auf umfassende Instandsetzungsarbeiten.
Zahlreiche Komponenten fehlen
Nach Angaben von Quellen, die mit der ukrainischen Luftwaffe zusammenarbeiten, fehlen bei jedem der vier zerlegten Flugzeuge zahlreiche Bauteile – etwa 100 pro Maschine.
Die Montage und Wiederherstellung könnte rund ein Jahr in Anspruch nehmen, sobald die Arbeiten beginnen. Dies verzögert den möglichen Einsatz der Jets erheblich.
Vertreter, die mit der ukrainischen Seite kooperieren, betonen, dass der Bedarf an zusätzlichen Kampfflugzeugen weiterhin hoch ist, die vorhandenen Einheiten jedoch derzeit nicht verfügbar sind.
Bedeutung für die Luftverteidigung
Militärischen Einschätzungen zufolge könnten diese Jets die Luftverteidigung der Ukraine insbesondere in den Wintermonaten verstärken. Sie sind in der Lage, Raketen und Drohnen effektiv abzufangen, die kritische Infrastruktur angreifen.
Gleichzeitig werden bereits gelieferte F-16 aus Dänemark und den Niederlanden eingesetzt und tragen wesentlich zur Sicherung des Luftraums bei.
Reaktionen in Norwegen
In Norwegen hat die Situation politische Kritik ausgelöst. Der Vorsitzende des parlamentarischen Ausschusses für Außen- und Sicherheitspolitik, Peter Frølich, bezeichnete die Verzögerung als ernstes Problem, das Aufklärung erfordert.
Ein Teil der Öffentlichkeit ging bislang davon aus, dass die norwegischen Jets bereits im Einsatz sind, was die Kritik nach Bekanntwerden der tatsächlichen Lage verstärkte.
Position des Verteidigungsministeriums
Der norwegische Verteidigungsminister Tore O. Sandvik bestätigte, dass sich die Flugzeuge weiterhin bei Sabena in Belgien befinden. Nach seinen Angaben legen die Ukraine und die Partnerländer gemeinsam Prioritäten fest – ob zunächst neue Jets vorbereitet oder bestehende instandgesetzt werden sollen.
Das Eigentum an den norwegischen F-16 wurde der Ukraine in den Jahren 2024 und 2025 übertragen.
Technische Hintergründe der Verzögerung
Ein erheblicher Teil der technisch besser erhaltenen norwegischen F-16 wurde zuvor an Rumänien verkauft – einschließlich Ersatzteilen und Wartungsausrüstung.
Die Ukraine erhielt daher Maschinen, die umfangreiche Reparaturen und Modernisierungen benötigen. Die Entscheidung zur Lieferung basierte laut Berichten darauf, dass auch begrenzte Unterstützung als sinnvoll angesehen wurde.
Lesen Sie auch: Rekordgefecht an der Front: Leopard 2A6 trifft T-72 auf 5,5 km
