Seit dem frühen Samstagmorgen ist ein großer Teil des Südwestens von Berlin ohne Strom. Besonders betroffen sind Nikolassee, Wannsee, Zehlendorf und Lichterfelde, wo Straßen und Wohnhäuser im Dunkeln liegen. Nach aktuellen Angaben sind rund 45.000 Haushalte sowie mehr als 2.000 Betriebe von der Unterbrechung betroffen. Viele Anwohner bewegen sich mit dem Licht ihrer Mobiltelefone durch Bahnhöfe und Wohnviertel und versuchen, den Akku zu schonen, da der Mobilfunk teils eingeschränkt ist. Der Netzbetreiber warnt, dass sich die Wiederherstellung für zahlreiche Betroffene bis Donnerstag hinziehen könnte. Die Website Imowell.de berichtet unter Berufung auf rbb24.
Was passiert ist und warum der stromausfall bis donnerstag dauern kann
Auslöser des Blackouts war ein Brand an einem Kabelübergang (Kabelsteg) über den Teltowkanal in der Nähe des Kraftwerks Lichterfelde. Nach bisherigen Erkenntnissen geriet zunächst ein Baucontainer unter dem Steg in Brand, von dort griff das Feuer auf die Kabeltrasse über und beschädigte mehrere Leitungen. Die Feuerwehr löschte den Brand, doch die Folgen für die Stromversorgung sind erheblich. Stromnetz Berlin erklärte, die Reparaturarbeiten seien äußerst komplex, da neue Leitungen verlegt werden müssten. Hinzu kommen erschwerende Witterungsbedingungen wie Schneefall und gefrorener Boden.
Verdacht auf brandstiftung und prüfung eines bekenntnisschreibens
Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts auf Brandstiftung und prüft zugleich die Echtheit eines Schreibens, in dem sich jemand zu der Tat bekennt. Nach Angaben eines Polizeisprechers gibt es Hinweise darauf, dass das Schreiben authentisch sein könnte, eine abschließende Bewertung liege jedoch noch nicht vor. Das Schreiben sei am Samstagnachmittag auch bei der Redaktion von rbb|24 eingegangen. Die Ermittler betonen, dass sich das Verfahren noch in einem sehr frühen Stadium befindet. Je nach Ergebnis könnte der Staatsschutz eingeschaltet werden.
Wie viele haushalte und betriebe betroffen sind und was der netzbetreiber ankündigt
In den Berichten ist von rund 45.000 bis etwa 50.000 betroffenen Haushalten sowie von mehr als 2.000 gewerblichen Abnehmern die Rede. Stromnetz Berlin teilte mit, dass die Stromversorgung für die Mehrheit der Betroffenen voraussichtlich bis Donnerstagmittag unterbrochen bleibt. Grund seien die umfangreichen Arbeiten nach den schweren Schäden am Kabelübergang. Gleichzeitig hofft der Netzbetreiber, bereits ab dem späten Samstagabend etwa 10.000 Haushalte im Bereich Lichterfelde wieder versorgen zu können. In einzelnen Straßen laufen Arbeiten zur Verlegung provisorischer Leitungen, unter anderem an der Osdorfer Straße. Der Zugang zum beschädigten Übergang über den Kanal ist inzwischen weiträumig abgesperrt.
Folgen für die bewohner: kalte wohnungen, warmwasser und alltag
Durch den Stromausfall funktionieren in vielen Häusern weder Heizung noch Warmwasserversorgung. Da Heizsysteme häufig auf elektrische Komponenten wie Pumpen oder Thermostate angewiesen sind, droht sich die Lage bei Temperaturen um den Gefrierpunkt weiter zu verschärfen. Auch Kühlschränke, Gefriertruhen und Herde sind außer Betrieb, was den Alltag zusätzlich erschwert. Mehrere Geschäfte mussten schließen, darunter ein Edeka-Supermarkt nahe der S-Bahn-Station Sundgauer Straße, ebenso weitere Läden, Apotheken und Cafés. Die Polizei weist auf mögliche Heizungsprobleme hin und rät den Menschen, wenn möglich bei Freunden oder Verwandten außerhalb der betroffenen Gebiete unterzukommen. Zudem sollen Mobiltelefone sparsam genutzt und Taschenlampen für die Abendstunden bereitgehalten werden.
Notunterkünfte und hilfsangebote für menschen ohne heizmöglichkeit
Der Bezirk Steglitz-Zehlendorf hat erste Hilfsmaßnahmen für Betroffene organisiert, deren Wohnungen stark auskühlen. Eine erste Notunterkunft wurde in einer Sporthalle am Hüttenweg eingerichtet, wo Menschen vorübergehend unterkommen können. Die Bezirksverwaltung bittet die Bevölkerung dennoch, vorrangig bei Angehörigen, Freunden oder Bekannten Zuflucht zu suchen, da die Dauer des Stromausfalls noch unklar ist. Weitere Notunterkünfte sind in Planung, konkrete Standorte sollen zeitnah bekanntgegeben werden. Auch die Feuerwehr und Hilfsorganisationen bereiten zusätzliche Unterbringungsmöglichkeiten vor. Angesichts von Frost und Schneefall gewinnt die Frage der vorübergehenden Unterbringung zunehmend an Bedeutung.
auswirkungen auf verkehr, mobilfunk und infrastruktur
Der Blackout betrifft nicht nur Privathaushalte, sondern auch Teile der städtischen Infrastruktur. Auf der S-Bahn-Linie S7 ist der Verkehr zwischen Westkreuz und Potsdam Hauptbahnhof eingestellt, Ursache ist der Ausfall eines Stellwerks. Auf der Linie S1 werden mehrere südliche Stationen derzeit nicht bedient, darunter Zehlendorf, Mexikoplatz, Schlachtensee, Nikolassee und Wannsee. Zudem kommt es in einigen Gebieten zu Störungen im Mobilfunknetz, unter anderem im Raum Schlachtensee. Die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung funktionieren nach Angaben der zuständigen Stellen weiterhin, da Anlagen über Notstrom versorgt werden. In höheren Gebäuden kann es jedoch zu Druckschwankungen kommen.
Reaktionen der politik und informationen für die bevölkerung
Die Berliner Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey sprach von einem besonders schweren Stromausfall, dessen Ausmaß sogar über dem Blackout in Adlershof im September 2025 liege. Sie verwies auf den hohen Reparaturaufwand und die zusätzlichen Probleme durch Wetter und gefrorenen Boden und riet den Betroffenen, möglichst außerhalb der betroffenen Stadtteile zu bleiben. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner forderte eine schnelle Aufklärung der Brandursache und betonte den Schutz kritischer Infrastruktur als oberste Priorität. Der Senat setze alle verfügbaren Mittel ein, um die Stromversorgung so rasch wie möglich wiederherzustellen, die Behörden arbeiteten eng in einer Krisenrunde zusammen. Um die Bevölkerung zu informieren, ist die Polizei mit Lautsprecherfahrzeugen in den Wohngebieten unterwegs und ruft dazu auf, besonders älteren und hilfsbedürftigen Menschen Unterstützung anzubieten. Zudem kündigte der Sender rbb eine Sondersendung zum Stromausfall am Abend an.
