Stand: 23. Februar 2026. Der Vorsitzende der Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, hat sich für die vollständige Streichung freiwilliger Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen ausgesprochen. Nach seiner Einschätzung könnten dadurch jährlich nahezu eine Milliarde Euro eingespart werden. Website Imowell.de berichtet unter Berufung auf tagesschau.
Betroffen wären sogenannte Zusatzleistungen, die über den gesetzlich festgelegten Leistungskatalog hinausgehen und je nach Krankenkasse variieren. Dazu zählen unter anderem die professionelle Zahnreinigung sowie alternative Behandlungsmethoden wie Homöopathie, anthroposophische Medizin und Phytotherapie.
Gassen erklärte gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, in Zeiten finanzieller Engpässe müssten zunächst Leistungen reduziert werden, die nicht zum Kernbereich der gesetzlichen Versorgung zählen und eher als „wünschenswert“ gelten. Wenn die Mittel für den regulären Leistungskatalog nicht ausreichten, habe die Sicherstellung der Basisversorgung Vorrang.
Zugleich wandte sich der KBV-Chef gegen Forderungen der Krankenkassen, die ärztlichen Honorare zu senken. Es sei nicht vertretbar, die vom Gemeinsamen Bundesausschuss festgelegten Vergütungen infrage zu stellen und gleichzeitig erhebliche Mittel für Marketingmaßnahmen und Zusatzangebote aufzuwenden.
Die freiwilligen Leistungen stehen seit Längerem in der Kritik. Zahlreiche Krankenkassen bezuschussen Gesundheitskurse oder die Anschaffung von Fitness-Trackern. Kritiker bemängeln den teils unklaren medizinischen Nutzen solcher Programme und werfen den Kassen vor, Beitragsmittel für Wettbewerbszwecke einzusetzen.
Die Reform der gesetzlichen Krankenversicherung ist angesichts erheblicher Defizite erneut in den Mittelpunkt der politischen Debatte gerückt. Zu Jahresbeginn waren die Zusatzbeiträge deutlich gestiegen, wie der GKV-Spitzenverband mitteilte.
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) kündigte ein milliardenschweres Sparpaket an, das im Sommer vorgestellt werden soll. Parallel dazu wird über strukturelle Änderungen auf der Einnahmen- und Ausgabenseite diskutiert, darunter eine Ausweitung der Beitragsbasis sowie mögliche Leistungskürzungen.
