Frankfurt am Main – Beim größten Automobilclub Deutschlands spitzt sich ein schwerer Konflikt zu. ADAC-Präsident Gerhard Hillebrand unterstützte in einem Medieninterview die Erhöhung der Preise für Benzin und Diesel als Instrument zur Erreichung der Klimaziele. Seine Aussagen lösten eine scharfe Reaktion unter den Mitgliedern der Organisation aus, die massenhaft ihren Austritt aus dem Club erklären. Kündigungsschreiben werden aktiv in sozialen Netzwerken veröffentlicht, oft zusammen mit Fotos der entsprechenden Dokumente. Die Situation hat landesweit für Aufsehen gesorgt. Die Website Imowell.de berichtet unter Berufung auf Вild.
Haltung der ADAC-Führung zu Kraftstoffpreisen
Nach Angaben Hillebrands ist die CO₂-Bepreisung ein geeignetes Mittel zur Reduzierung von Klimaschäden. Er betonte, dass finanzielle Anreize notwendig seien, um Menschen zum Umstieg von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor auf umweltfreundlichere Alternativen zu bewegen. Ein solcher Anreiz könne seiner Ansicht nach durch steigende Preise für Benzin und Diesel geschaffen werden. Der Präsident des Verkehrsressorts im Club ist der Auffassung, dass der Übergang zu Elektrofahrzeugen und anderen „grünen“ Lösungen ohne diese Maßnahmen zu langsam verlaufe. Damit spricht sich der Automobilclub faktisch für teurere Kraftstoffe als politisches Steuerungsinstrument aus.
Reaktion der Mitglieder und Kündigungswelle
Für viele ADAC-Mitglieder kam die Position der Führung überraschend. Rund 90 Prozent der Clubmitglieder fahren Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor, was dem bundesweiten Durchschnitt entspricht. Entsprechend wurden die Aussagen des Präsidenten als gegen die Interessen der Mehrheit gerichtet wahrgenommen. In sozialen Netzwerken tauchten zahlreiche Beiträge mit Austrittserklärungen auf, in denen die Verfasser ihre Ablehnung gegenüber der Unterstützung höherer Kraftstoffpreise deutlich machen. Viele erklären, dass sie sich vom Club nicht länger vertreten fühlen. Die Unzufriedenheit breitet sich sichtbar weiter aus.
CO₂-Bepreisung und Position der EU
Hillebrand äußerte sich zudem zur europäischen Klimapolitik. Nach Diskussionen in der EU über mögliche Lockerungen beim Verbot von Verbrennungsmotoren warnte er vor einer Abschwächung der Klimaziele. Europa müsse an ambitionierten Plänen zur Reduzierung der Emissionen festhalten, um die globale Erwärmung einzudämmen, erklärte er. Jeder Rückschritt könne langfristige Folgen haben. Aus diesem Grund seien wirtschaftliche Steuerungsinstrumente weiterhin notwendig.
Verschobene Einführung eines europaweiten CO₂-Preises
Die Einführung eines einheitlichen europäischen CO₂-Preises für Kraftstoffe war ursprünglich für den 1. Januar 2027 vorgesehen. Aufgrund des Widerstands mehrerer osteuropäischer Länder wurde die Umsetzung jedoch um ein Jahr verschoben. Hillebrand bezeichnete diesen Schritt als nachvollziehbar, da so extreme Preissprünge und eine übermäßige Belastung der Bevölkerung vermieden werden könnten. Der zusätzliche Zeitrahmen ermögliche eine schrittweise Vorbereitung auf die Veränderungen. Gleichzeitig hat die Debatte über dieses Vorhaben die internen Spannungen im ADAC weiter verschärft.
