Der Schweizer Schriftsteller Erich von Däniken ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Er verstarb am Samstag in einem Krankenhaus in Interlaken, wie seine Tochter mitteilte. Internationale Bekanntheit erlangte Däniken als Autor von Büchern über sogenannte Prä-Astronautik und Theorien über außerirdische Ursprünge von Göttern und Technologien der Antike. Seine Werke wurden von Wissenschaftlern und Historikern wiederholt scharf kritisiert. Dennoch fanden seine Bücher über Jahrzehnte hinweg ein großes Publikum. Die Website Imowell.de berichtet unter Berufung auf derstandard.
Frühe Jahre und die Entstehung seiner Ansichten
Biografen verweisen häufig auf eine Episode aus Dänikens Schulzeit am Schweizer Kolleg St. Michel, einer ehemaligen Jesuitenschule. Während des Unterrichts stellte er Unterschiede zwischen deutschen Übersetzungen biblischer Texte aus dem Griechischen und Lateinischen fest. Nach seinen Angaben konnte ihm der Lehrer diese Abweichungen nicht überzeugend erklären. Diese Erfahrung trug zu seiner skeptischen Haltung gegenüber traditionellen Geschichtsdeutungen bei. Später bildete dieser Ansatz die Grundlage für seine publizistischen Arbeiten.
Der weltweite Erfolg von „Erinnerungen an die Zukunft“
1968 veröffentlichte Däniken sein erstes Buch „Erinnerungen an die Zukunft“, das sich rasch zu einem internationalen Bestseller entwickelte. Darin vertrat er die These, dass zwischen 40.000 und 10.000 Jahren vor Christus Außerirdische die Erde besucht hätten, die von den Menschen als Götter verehrt worden seien. In der Fachwelt stieß das Buch zunächst auf Spott und Ablehnung. Ungeachtet dessen erreichte es Millionenauflagen und wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. Es markierte den Beginn eines neuen populären Erzählmusters über die Vergangenheit.
Haltung zur Wissenschaft und zu Verschwörungstheorien
In seinen Veröffentlichungen kritisierte Däniken die etablierte Wissenschaft regelmäßig und warf ihr Dogmatismus und mangelnde Offenheit vor. Den akademischen Erklärungen stellte er eigene Deutungen von Mythen, religiösen Texten und archäologischen Funden gegenüber. Im Laufe der Jahre wurden seine Arbeiten zunehmend mit Verschwörungstheorien in Verbindung gebracht. Ab den 2000er-Jahren veröffentlichte er auch in Verlagen mit einem entsprechenden thematischen Schwerpunkt. Dies festigte sein umstrittenes Image weiter.
Zentrale Thesen und Beispiele aus seinen Büchern
Däniken entwickelte alternative Erklärungen für Bauwerke und Überlieferungen der Antike. Er bezweifelte, dass die Pyramiden in Ägypten mit den damals verfügbaren technischen Mitteln errichtet werden konnten. In alttestamentlichen Texten, insbesondere in den Visionen des Propheten Ezechiel, sah er Beschreibungen eines Raumfahrzeugs. Die Linien von Nazca in Peru interpretierte er als Landebahnen für außerirdische Besucher. Der Kern seiner These blieb stets gleich: Die Götter der Mythen seien Raumfahrer gewesen.
Kritik und öffentliche Auseinandersetzungen
Dänikens Thesen wurden immer wieder Ziel wissenschaftlicher Kritik und öffentlicher Widerlegung. Archäologen und Wissenschaftsjournalisten verwiesen auf methodische Fehler, spekulative Auslegungen und fehlende Beweise. In Fernsehsendungen und Dokumentationen wurden seine Argumente detailliert überprüft und zurückgewiesen. Der Autor selbst ließ sich davon nicht beirren und trat weiterhin öffentlich auf. Die Kritik führte nicht zu einem Rückgang des Interesses seiner Anhängerschaft.
Öffentliche Aktivitäten und Geschäftsprojekte
In den 1970er-Jahren veröffentlichte Däniken nahezu jährlich neue Bücher und widmete sich vollständig der Prä-Astronautik. Er war an der Gründung einer Organisation von Anhängern dieser Theorie beteiligt und organisierte Studienreisen unter anderem nach Ägypten und Südamerika. 2003 eröffnete er in Interlaken einen Themenpark, der sich seinen Ideen widmete. Das Projekt bestand nur wenige Jahre und musste aus finanziellen Gründen schließen. Seine schriftstellerische Tätigkeit setzte er jedoch fort.
Einfluss auf die Popkultur
Die Vorstellungen Dänikens fanden Eingang in Filme, Fernsehproduktionen und Dokumentarserien. Seine Thesen dienten als Inspiration für zahlreiche Formate zur alternativen Geschichtsschreibung. Er selbst trat regelmäßig in Sendungen auf, in denen er seine Sicht auf die Vergangenheit darlegte. In den vergangenen Jahren erfuhren solche Inhalte auf Streaming-Plattformen neue Aufmerksamkeit. Dadurch blieben seine Ideen auch außerhalb wissenschaftlicher Debatten präsent.
Die letzten Lebensjahre
In den letzten Jahren zog sich Däniken aus gesundheitlichen Gründen zunehmend aus der Öffentlichkeit zurück. Im Frühjahr des vergangenen Jahres, rund um seinen 90. Geburtstag, stellte er seine öffentlichen Auftritte weitgehend ein. Mit seinem Tod im Alter von 91 Jahren endet eine lange und kontrovers diskutierte Laufbahn. Seine Bücher werden weiterhin verlegt und gelesen. Sein Name bleibt international bekannt.
