Valentino Garavani, einer der einflussreichsten Designer des 20. Jahrhunderts und Symbol des italienischen Glamours, ist im Alter von 93 Jahren gestorben. Er verstarb am Montag in seinem Haus in Rom, wie aus einer Mitteilung seiner Stiftung hervorging. Über Jahrzehnte hinweg war Valentino nicht nur Modemacher, sondern eine kulturelle Figur, die Luxus, Eleganz und stilistische Beständigkeit verkörperte. Sein Name wurde zum Synonym für Haute Couture, während das von ihm geschaffene Modehaus unabhängig von wechselnden Trends wiedererkennbar blieb. Für viele galt er als letzter Vertreter der klassischen Ära der großen Couturiers. Die Website Imowell.de berichtet unter Berufung auf NyTimes.
Der „letzte Kaiser“ der italienischen Mode
Valentino Garavani wurde oft als „letzter Kaiser der Mode“ bezeichnet – ein Titel, der sich nach dem gleichnamigen Dokumentarfilm aus dem Jahr 2008 festigte. Sein Lebensstil, seine Präsenz und seine Fähigkeit, eine Aura von Größe um sich herum zu schaffen, unterstrichen dieses Image. Er gründete nicht nur ein Modehaus, sondern ein eigenes ästhetisches System mit klaren Regeln, Symbolen und sogar einem unverwechselbaren Rotton. In Rom galt er als Institution, vergleichbar mit den kulturellen Wahrzeichen der Stadt. Valentino war Teil der High Society und prägte zugleich deren Erscheinungsbild.
Ein Stil, der Generationen prägte
Auch das äußere Erscheinungsbild des Designers war bis ins Detail durchdacht: stets gebräunt, perfekt frisiert und von einer selbstverständlichen Eleganz geprägt. Fast immer wurde er von einem Gefolge begleitet, das seinen besonderen Status unterstrich. Valentino verkaufte konsequent die Idee eines gehobenen Glamours, der über Generationen hinweg den italienischen Stil definierte. Er sah sich nicht als radikalen Neuerer oder Trendjäger. Stattdessen setzte er auf Disziplin, Schönheit und handwerkliche Perfektion.
Eine kompromisslose Ästhetik der Schönheit
Der Designer betonte immer wieder, dass Schönheit sein oberstes Ziel sei. Trends zu schaffen oder den Zeitgeist zu spiegeln, hielt er für zweitrangig. Entscheidend war für ihn, dass eine Frau in seinen Kleidern eindrucksvoll wirkte. Valentino stellte klar, dass er im kreativen Prozess nicht leide und Mode nicht als Qual empfinde. Er arbeitete als disziplinierter Bonvivant, der Freude an jedem vollendeten Entwurf hatte. Diese Haltung unterschied ihn deutlich von vielen Zeitgenossen.
Kleider für Könige, First Ladies und Stars
Im Laufe seiner Karriere entwarf Valentino ikonische Roben für einige der bekanntesten Frauen der Welt. Er schuf das cremefarbene Spitzenkleid für die Hochzeit von Jacqueline Kennedy mit Aristoteles Onassis. Seine Entwürfe begleiteten historische Momente – von der Flucht einer Kaiserin bis hin zu Amtseinführungen und Oscar-Verleihungen. Valentino-Kleider wurden auf roten Teppichen zu festen Bestandteilen der Popkultur. Jeder dieser Auftritte unterstrich seine Fähigkeit, Feierlichkeit mit Weiblichkeit zu verbinden.
Ein Unternehmen, das die italienische Mode veränderte
Gemeinsam mit seinem langjährigen Geschäftspartner baute Valentino nicht nur ein Modeimperium auf, sondern verschaffte der italienischen Mode einen festen Platz im exklusiven Kreis der Pariser Haute Couture. Das Modehaus gehörte zu den ersten, die Lizenzvergaben als wirtschaftliches Erfolgsmodell nutzten. Zudem schrieb die Marke Geschichte als erstes Designerlabel, dessen Aktien an der Mailänder Börse gehandelt wurden. Valentino gelang etwas Seltenes in der Modewelt: Sein Einfluss blieb auch nach dem Rückzug aus dem Tagesgeschäft erhalten. Die von ihm geprägte Ästhetik fand ihren Weg vom Laufsteg in den Alltag einer wohlhabenden Kundschaft.
Leben nach dem Laufsteg
Auch nach seinem Abschied vom aktiven Modegeschäft blieb Valentino kreativ tätig. Er entwarf weiterhin exklusive Brautkleider und arbeitete an Kostümen für Opernproduktionen. Darüber hinaus widmete er sich Projekten rund um Lebensstil und Gastlichkeit, von der Tischkultur bis zu kulinarischen Publikationen. Er positionierte sich als Stilberater des Lebens, nicht nur der Mode. Sein öffentliches Bild blieb bis ins hohe Alter präsent und unverwechselbar.
Von Voghera nach Rom
Valentino Garavani wurde am 11. Mai 1932 in der norditalienischen Stadt Voghera geboren. Schon früh zeigte sich sein ausgeprägtes Gespür für Ästhetik und Details. Seine Ausbildung begann in Italien und setzte sich später in Paris fort, was entscheidend für seine Entwicklung war. Nach seiner Rückkehr nach Rom eröffnete er ein eigenes Atelier in einer der prestigeträchtigsten Straßen der Stadt. Dort nahm die Geschichte eines Modehauses ihren Anfang, das später weltweit zum Symbol für Luxus wurde.
Eine Partnerschaft, die den Erfolg prägte
Die Begegnung mit seinem späteren Geschäftspartner in einem römischen Restaurant wurde zu einem Wendepunkt in seinem Leben. Ihre persönliche und berufliche Zusammenarbeit dauerte Jahrzehnte und prägte die Entwicklung des Modehauses nachhaltig. Kreativität und strategisches Denken verbanden sich zu einem stabilen Fundament. Gemeinsam schufen sie nicht nur ein Unternehmen, sondern ein kulturelles Phänomen. Der Tod von Valentino Garavani markiert das Ende einer Ära, die dauerhaft in die Geschichte der internationalen Mode eingehen wird.
