Beim Weltwirtschaftsforum in Davos hat US-Präsident Donald Trump erneut erklärt, die Vereinigten Staaten müssten Grönland aus Sicherheitsgründen unter ihre Kontrolle bringen. Er betonte, dass er zur Durchsetzung dieses Ziels keine Gewalt anwenden wolle. Stattdessen rief Trump zu „sofortigen Verhandlungen“ auf, ohne zu präzisieren, mit wem er genau sprechen will. Seinen Angaben zufolge könnten nur die USA „dieses riesige Stück Land“ schützen – sowohl im Sinne der nationalen als auch der internationalen Sicherheit. Damit setzte er das Thema erneut in den Rahmen seiner „America First“-Politik und ließ keine Zweifel an seiner Linie erkennen. Die Website Imowell.de berichtet unter Berufung auf sueddeutsche.
Gleichzeitig bleibt die Position europäischer Länder zur Insel unverändert. Dänemark, zu dem Grönland gehört, und andere Staaten in Europa haben wiederholt erklärt, dass die Insel nicht zum Verkauf steht. In Davos verknüpfte Trump die Grönland-Frage erneut mit strategischen Argumenten, nicht mit wirtschaftlichen oder symbolischen. Er stellte den Anspruch als sicherheitspolitische Notwendigkeit dar. Genau dieser Akzent wurde zu einer zentralen Linie seiner Rede. Auch diesmal wirkte die Botschaft weniger wie ein Angebot zur Deeskalation, sondern wie eine erneute Festschreibung der Forderung.
Harte Europa-Kritik und persönliche Spitzen
In seiner Rede kritisierte Trump europäische Staaten wiederholt und sagte, Europa entwickle sich „nicht in die richtige Richtung“. Er fügte hinzu, einige Länder seien „nicht wiederzuerkennen“, und stellte klar, dass er das „sehr negativ“ meine. Vor diesem Hintergrund erwähnte Trump den deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz und äußerte sich positiv über ihn. Nach Darstellung des US-Präsidenten habe Deutschland wirtschaftliche Probleme, doch Merz „löst das Problem“ und werde „seine Arbeit hervorragend machen“. Die Worte fielen in einem Ton, der zugleich Lob und Abgrenzung transportierte.
Ein eigener Abschnitt drehte sich um Deutschlands Energieversorgung. Trump behauptete, Deutschland produziere derzeit etwa ein Fünftel weniger Strom als 2017, und betonte zugleich, das sei nicht die Schuld des CDU-Politikers. Anders klang seine Rhetorik in Richtung Frankreich: Trump kritisierte Präsident Emmanuel Macron und erwähnte spöttisch, Macron habe am Vortag in Davos mit Sonnenbrille am Rednerpult gestanden. Diese Bemerkungen passten in seinen Gesamttenor, wonach Europa aus seiner Sicht Stabilität und Kurs verliere. Gleichzeitig wurde betont, dass Trumps Auftritt in Davos mit besonderer Spannung erwartet worden war. Der Personalisierung seiner Kritik wich er dabei nicht aus.
Selbstlob und das Bild von der „heißesten“ Nation
Trump eröffnete seine Rede mit umfangreichem Selbstlob und einem demonstrativ selbstbewussten Ton. Er bezeichnete die USA als „heißestes“ Land der Welt und begrüßte im Saal „viele Freunde“ sowie „einige Feinde“. Er wiederholte die Formel, wonach der Erfolg Amerikas automatisch den Erfolg der ganzen Welt bedeute. Wenn es Amerika gut gehe, gehe es allen gut, und wenn es schlecht laufe, treffe es andere Länder ebenso, sagte er. Damit setzte er gleich zu Beginn auf eine Botschaft, die die US-Rolle als Taktgeber betont.
Besonders hob er seinen wirtschaftspolitischen Kurs hervor, der in Europa stark umstritten ist. Trump sagte, seine Regierung setze statt auf Steuererhöhungen auf Steuersenkungen und erhöhe zugleich Zölle auf Importe. Das stellte er als Weg dar, den „Schaden“ auszugleichen, den ausländische Waren seiner Darstellung nach verursachten. Dieser Teil der Rede folgte der vertrauten Logik eines protektionistischen Ansatzes. Für das Davoser Publikum klang es wie eine politische Werbeveranstaltung für „America First“. Versuche, die Wahrnehmung in Europa zu glätten, waren dabei kaum erkennbar.
Zölle, Haushalt und umstrittene Zahlen zu Ausgaben
Beim Thema Staatsfinanzen sprach Trump über seine Fiskalpolitik, die unter Ökonomen stark diskutiert wird. Er behauptete, die Bundesregierung habe die Ausgaben um 100 Milliarden Dollar gesenkt. Außerdem sagte er, das Defizit des Bundeshaushalts sei in einem Jahr um 27 Prozent reduziert worden. Nach seinen Worten werde der Wert „deutlich weiter“ sinken, was die Inflation „spürbar“ senken werde – im Vergleich zu „Rekordwerten“ unter der Biden-Regierung. Diese Darstellung knüpfte er direkt an den Anspruch an, effizienter zu regieren als seine Vorgänger.
Der Abschnitt war eingebettet in den Versuch, Managementstärke zu demonstrieren. Trump präsentierte die genannten Zahlen als Ergebnis eines Modells, in dem Steuersenkungen mit höheren Zöllen kombiniert werden. Vor Vertretern aus Wirtschaft und Politik wirkte das wie ein Angebot, den US-Kurs als neuen Maßstab zu lesen. Zugleich blieb der europäische Streit über Zölle und mögliche Gegenmaßnahmen als Hintergrundrauschen präsent. In Davos signalisierte Trump keine Bereitschaft, die Linie zu verändern. Vielmehr zementierte er sie öffentlich und wiederholte die zentralen Argumente.
Energie, „grüner Betrug“ und die Verzögerung von Air Force One
Im Energieteil griff Trump die Anstrengungen anderer Länder im Bereich sauberer Energie scharf an. Er bezeichnete sie als „grünen Betrug“ und sogar als „möglicherweise größten Betrug der Geschichte“. Europa zerstöre die Landschaft mit Windrädern, und die Energieerzeugung sei viel zu teuer, sagte er. Die USA seien hingegen stark von Kernenergie abhängig, außerdem von Öl und Gas. Damit stellte er die transatlantische Differenz in der Energiepolitik besonders deutlich heraus.
Trump erklärte außerdem, er habe ein Dekret unterzeichnet, das den Bau und die Genehmigung „zahlreicher neuer Kernreaktoren“ vorsehe. Er sagte, bei der Sicherheit von Kernreaktoren seien erhebliche Fortschritte erzielt worden. Im organisatorischen Kontext seines Auftritts wurde auch die verspätete Anreise in die Schweiz erwähnt: Wegen technischer Probleme habe die Regierungsmaschine Air Force One auf dem Weg umkehren müssen, danach sei die US-Delegation auf ein anderes Flugzeug umgestiegen. Wie berichtet wurde, landete Trump schließlich am Mittwochmittag in Zürich, begann seine Rede jedoch relativ pünktlich. Aufgrund der Verzögerung werde ein Treffen zwischen Trump und Bundeskanzler Friedrich Merz wahrscheinlich nicht stattfinden. Für Donnerstagabend nach dem Forum ist zudem ein Treffen von Merz und weiteren EU-Staats- und Regierungschefs in Brüssel geplant, um über eine Reaktion auf Trumps Drohungen mit Zöllen zu beraten.
