Statine gehören zu den am häufigsten verschriebenen Medikamenten zur Senkung des Cholesterinspiegels und zur Prävention kardiovaskulärer Komplikationen. Trotz nachgewiesener Wirksamkeit verzichten viele Patienten auf die Therapie oder brechen sie ab, aus Angst vor den im Beipackzettel aufgeführten Nebenwirkungen. Website Imowell.de berichtet unter Berufung auf aponet.
Daten aus 23 randomisierten Studien
Eine Analyse von 23 großen, hochwertigen randomisierten kontrollierten Studien zeigte, dass die meisten unerwünschten Wirkungen, die traditionell Statinen zugeschrieben werden, in gleicher Häufigkeit sowohl bei den Patienten, die Statine einnahmen, als auch bei denen, die Placebo erhielten, auftraten.
Insbesondere berichteten 0,2 % der Teilnehmer in beiden Gruppen über kognitive Störungen oder Gedächtnisprobleme.
Kein Zusammenhang mit einer Reihe von Symptomen
Im Vergleich zu Placebo war die Statintherapie nicht mit einer höheren Häufigkeit folgender Beschwerden verbunden:
- Depressionen
- Schlafstörungen
- erektile Dysfunktion
- Gewichtszunahme
- Übelkeit
- chronische Müdigkeit
- Kopfschmerzen
Einzig eine leicht erhöhte Leberenzym-Aktivität wurde bei etwa 0,1 % der Patienten festgestellt.
Leber: Laborveränderungen ohne klinische Folgen
Trotz nachgewiesener Laborveränderungen der Leberfunktion traten ernsthafte Erkrankungen wie Hepatitis oder Leberversagen bei Statin-Patienten nicht häufiger auf als bei Placebo. Dies deutet darauf hin, dass Laborabweichungen nicht zu klinisch relevanten Leberschäden führten.
Nur 4 von 66 möglichen Nebenwirkungen bestätigt
Laut Professor Brian Williams, wissenschaftlicher Leiter der British Cardiovascular Society, zeigten von 66 Nebenwirkungen, die in der Dokumentation zu Statinen aufgeführt sind, nur vier einen statistischen Zusammenhang mit der Einnahme der Medikamente – und das nur bei einer sehr kleinen Anzahl von Patienten.
Warum die Beipackzettel so viele Nebenwirkungen aufführen
Sir Rory Collins, Emeritus Professor für Medizin und Epidemiologie an der Universität Oxford, erklärte, dass viele Punkte in den Beipackzetteln auf nicht-randomisierten Beobachtungsstudien basieren. Solche Studien können systematische Verzerrungen enthalten und erlauben keine klare Unterscheidung zwischen echten Nebenwirkungen und begleitenden Symptomen.
Methodik der Bewertung
In die Analyse wurden ausschließlich doppelblinde randomisierte Studien aufgenommen, deren mittlere Dauer fünf Jahre betrug. Weder die Teilnehmer noch die Studienmitarbeiter wussten, wer Statine und wer Placebo erhielt, wodurch die Beeinflussung durch Erwartungseffekte minimiert wurde.
Umfang der Stichprobe
Insgesamt wurden Daten von 123.940 Teilnehmern aus 19 großen klinischen Studien analysiert, die Statine mit Placebo verglichen. Weitere vier Studien mit 30.724 Personen bewerteten die Wirkung unterschiedlicher Intensitäten der Statintherapie.
