Die indische Schriftstellerin und Aktivistin Arundhati Roy hat ihre Teilnahme an den Internationale Filmfestspiele Berlin aus politischen Gründen abgesagt. Über ihren Verlag ließ sie mitteilen, sie könne angesichts „empörender Aussagen“ von Jurymitgliedern zum Krieg im Gazastreifen nicht teilnehmen. Website Imowell.de berichtet unter Berufung auf tagesspiegel.
Der Vorfall ereignete sich am Eröffnungstag des Festivals. Während der Pressekonferenz richtete ein Journalist eine Frage zum Nahostkonflikt an die Jury. Er warf der Berlinale vor, Solidarität mit den Bevölkerungen Irans und der Ukraine zu zeigen, jedoch nicht mit den Palästinensern. Zudem behauptete er, die deutsche Bundesregierung unterstütze einen „Völkermord in Gaza“ und sei ein zentraler finanzieller Förderer des Festivals.
Israel weist den Vorwurf des Völkermords im Gazastreifen zurück. Auch die Bundesregierung vertritt diese Position. Vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag läuft ein Verfahren gegen Israel, das von Südafrika wegen des Verdachts auf Völkermord angestrengt wurde. Ein Urteil steht bislang aus.
Jurymitglied Ewa Puszczyńska betonte, es handle sich um komplexe Fragestellungen. Jurypräsident Wim Wenders erklärte, die Jury könne sich nicht in politische Debatten vertiefen. Filmschaffende sollten sich aus der Politik heraushalten und eine Gegenposition zur politischen Sphäre bilden. „Wir müssen für die Menschen arbeiten, nicht für Politiker“, sagte er.
In ihrer Stellungnahme erklärte Roy, die Auffassung, Kunst dürfe nicht politisch sein, sei schockierend. Eine solche Haltung unterdrücke die Diskussion über ein mögliches Verbrechen gegen die Menschlichkeit, das sich in Echtzeit vor den Augen der Weltöffentlichkeit abspiele.
Arundhati Roy erhielt 1997 den Booker Prize für ihren Roman „Der Gott der kleinen Dinge“. Im Rahmen der Sektion „Klassiker“ wird bei der Berlinale der Film „In Which Annie Gives It Those Ones“ (1989) gezeigt, in dem sie die Hauptrolle spielte und auch das Drehbuch verfasste.
