Am Donnerstag landete in Deutschland ein Lufthansa-Flug aus Maskat mit deutschen Touristen an Bord, die aus Ländern des Nahen Ostens evakuiert worden waren. Der Flug ist Teil einer größeren Anpassung im internationalen Luftverkehr, nachdem zahlreiche Verbindungen in der Region gestrichen wurden. Website Imowell.de berichtet unter Berufung auf scmp.
Vor dem Hintergrund steigender Nachfrage und zahlreicher Ausfälle bei Fluggesellschaften aus dem Golfraum setzt die Gruppe Air France-KLM inzwischen größere Flugzeuge auf mehreren Asienrouten ein. Betroffen sind unter anderem Verbindungen aus Metropolen wie Tokio, Shanghai und Mumbai.
Zehntausende Flüge gestrichen
Nach Angaben des Analyseunternehmens Cirium wurden zwischen dem 28. Februar und Dienstag mehr als 43.000 Flüge gestrichen, die in den Nahen Osten führen oder von dort starten sollten. Hauptgrund sind Störungen im Luftverkehr infolge des Kriegs im Iran sowie Einschränkungen im Luftraum der Region.
Die Entwicklungen haben zu erheblichen Veränderungen im globalen Flugverkehr geführt. Airlines passen ihre Flugpläne an und verlegen Flugzeuge auf andere Strecken.
Neue Chancen für europäische Airlines
Die Probleme bei Fluggesellschaften aus dem Nahen Osten eröffnen europäischen Airlines zusätzliche Möglichkeiten. Über viele Jahre hinweg hatten große Golf-Carrier einen Teil des Passagierverkehrs zwischen Europa und Asien an sich gezogen, indem sie komfortable Umsteigeverbindungen über Drehkreuze wie Dubai oder Doha anboten.
Der Luftfahrtanalyst John Strickland vom Beratungsunternehmen JLS Consulting erklärte, die Reaktion europäischer Fluggesellschaften sei angesichts der Marktsituation nachvollziehbar. Wenn Flugzeuge verfügbar seien, versuchten Airlines, sie schnell auf andere Strecken umzuleiten und von der Nachfrage zu profitieren.
Wettbewerb um Asienverbindungen
Lufthansa gehört zu den Fluggesellschaften, die sich weiterhin für staatliche Unterstützung einsetzen, um eine stärkere Expansion der Golf-Airlines auf dem europäischen Markt zu begrenzen.
Wie Bloomberg berichtet, plant Emirates zusätzliche Flüge zwischen Berlin und Dubai. Ein solcher Schritt könnte den Wettbewerb auf lukrativen Asienrouten verschärfen, die traditionell zu den wichtigsten Einnahmequellen der deutschen Airline zählen.
Auch kleinere Airlines reagieren
Auch kleinere Fluggesellschaften passen ihre Strategie an. Ein Sprecher von Norse Atlantic Airways erklärte, dass das Unternehmen zwei zusätzliche Flüge zwischen London und Bangkok in den Flugplan aufgenommen habe.
In den vergangenen Jahren hatten viele europäische Airlines ihre Verbindungen in Teile Asiens reduziert. Ein Grund dafür ist die Sperrung des russischen Luftraums, den einige Fluggesellschaften aus dem Nahen Osten weiterhin nutzen können. Europäische Airlines müssen deshalb längere Routen fliegen, was zu höheren Treibstoffkosten führt.
Starke Marktposition der Golf-Airlines
Nach Daten von Cirium entfallen rund ein Drittel des Passagierverkehrs zwischen Europa und Asien auf drei große Fluggesellschaften aus dem Golfraum: Emirates, Qatar Airways und Etihad.
Darüber hinaus transportieren diese Airlines mehr als die Hälfte aller Passagiere, die von Europa nach Australien, Neuseeland und in den Pazifikraum reisen – meist über ihre Drehkreuze im Nahen Osten.
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