In Deutschland sind seit dem 1. April 2026 neue Regeln für die Preisgestaltung an Tankstellen in Kraft getreten. Künftig dürfen die Preise für Kraftstoffe nur noch einmal täglich – zur Mittagszeit – erhöht werden. Erste Ergebnisse nach der Einführung zeigen bereits einen deutlichen Anstieg der Preise. Website Imowell.de berichtet unter Berufung auf tagesschau.de.
Laut dem Automobilclub ADAC stieg der durchschnittliche Preis für Super E10 unmittelbar nach 12:00 Uhr um 7,6 Cent auf 2.175 Euro pro Liter. Zuvor lag er bei 2.099 Euro. Auch Diesel verteuerte sich um 7,5 Cent auf 2.376 Euro pro Liter. In einzelnen Fällen wurden sogar Preissprünge von bis zu 20 Cent beobachtet.
Wie die neuen Preisregeln funktionieren
Nach den neuen Vorgaben dürfen Tankstellenbetreiber die Preise nur einmal täglich zu einem festgelegten Zeitpunkt erhöhen. Preissenkungen sind hingegen jederzeit möglich.
Daten von Preisvergleichs-Apps zeigen, dass die Preise in einigen Regionen, etwa im Norden Berlins, zur Mittagszeit um etwa 6 bis 8 Cent gestiegen sind. In manchen Fällen kam es kurz nach der Erhöhung auch zu leichten Preisrückgängen.
Die Bundesregierung erwartet, dass das neue Modell – angelehnt an das österreichische System – für mehr Transparenz und Vorhersehbarkeit bei den Kraftstoffpreisen sorgt.
Reaktionen von ADAC und Kartellamt
Der ADAC äußerte Zweifel an der Wirksamkeit der neuen Regelung. Nach Einschätzung des Clubs könnte die eingeschränkte Flexibilität dazu führen, dass Mineralölunternehmen mögliche Risiken bereits im Voraus in die Preise einrechnen.
Gleichzeitig hat das Bundeskartellamt seine Kontrolle über den Kraftstoffmarkt verstärkt. Eine neue Abteilung wurde eingerichtet, die sich ausschließlich mit dem Mineralöl- und Kraftstoffsektor befasst.
Der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, erklärte, dass die Behörde nun mit mehr Nachdruck gegen mögliche Preisverstöße vorgehen könne.
Steigende Preise vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen
Der Preisanstieg erfolgt vor dem Hintergrund der eskalierenden Lage im Nahen Osten. Seit Ende Februar ist der Preis für Super E10 um fast 36 Cent gestiegen, während Diesel um mehr als 59 Cent teurer wurde.
Bereits vor Einführung der neuen Regeln lag der Preis für Benzin am 31. März bei 2,107 Euro pro Liter, Diesel kostete 2,316 Euro.
Nach Einschätzung von Greenpeace lässt sich der Preisanstieg in Europa nicht allein durch höhere Rohölpreise erklären. Experten verweisen auf deutlich gestiegene Gewinne der Mineralölunternehmen, insbesondere in wirtschaftlich starken Ländern.
Mögliche Maßnahmen der Regierung
Die Bundesregierung prüft weitere Schritte für den Fall anhaltend hoher Preise. Diskutiert werden unter anderem:
- временная налоговая льгота (kompensationsartige Entlastung);
- Pendlerpauschalen oder direkte Ausgleichszahlungen;
- Senkung der Energiesteuer;
- Reduzierung der Stromsteuer.
Auch Maßnahmen wie Preisobergrenzen oder eine sogenannte Übergewinnsteuer stehen zur Debatte. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche lehnte Letzteres jedoch ab und verwies auf die Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft.
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