Die angespannte Lage im Nahen Osten beginnt sich spürbar auf den europäischen Energiemarkt auszuwirken. Aufgrund gestörter Seewege verändern sich die Lieferketten für Diesel kurzfristig und teils während des Transports. Mehrere Tanker, die ursprünglich europäische Häfen ansteuern sollten, wurden umgeleitet. Website Imowell.de berichtet unter Berufung auf t-online.
Tankerlieferungen werden von Europa abgezogen
Ein markantes Beispiel ist ein Tanker mit rund 1,2 Millionen Barrel Diesel an Bord. Das Schiff stoppte vor der spanischen Küste, änderte seinen Kurs und wurde umgeleitet. Marktinformationen zufolge wurde die Ladung noch unterwegs weiterverkauft. Als neues Ziel wurde zunächst Durban genannt – mit anschließender Weiterfahrt Richtung Asien.
Dabei handelt es sich nicht um einen Einzelfall. Mindestens vier Tanker mit insgesamt etwa 190 Millionen Litern Diesel wurden umgeleitet. Hintergrund ist die aktuell deutlich höhere Zahlungsbereitschaft in asiatischen Märkten.
Preisunterschiede treiben den globalen Handel
Die Differenz zwischen den Preisen in Europa und Asien liegt derzeit bei rund 200 Euro pro Tonne. Für Händler entsteht dadurch ein klarer Anreiz, Lieferungen kurzfristig umzuleiten.
Eine zentrale Rolle spielt dabei die Situation rund um die Straße von Hormus. Diese gilt als einer der wichtigsten globalen Transportkorridore für Energie. Neben Rohöl werden über diese Route auch große Mengen an Diesel, Kerosin und Schiffskraftstoff transportiert.
Märkte reagieren nervös: Preise steigen
Die Unsicherheit schlägt sich bereits in den Preisen nieder. Die Sorte Brent kletterte zeitweise auf bis zu 117 US-Dollar pro Barrel und erreichte damit ein Mehrjahreshoch.
Noch stärker betroffen sind jedoch raffinierte Produkte. Diesel, Kerosin und Heizöl verzeichnen deutlich höhere Preisschwankungen als Rohöl. Grund dafür sind begrenzte Raffineriekapazitäten und die Abhängigkeit von Importen.
Europa bleibt auf Dieselimporte angewiesen
Ein akuter physischer Mangel besteht derzeit noch nicht. Dennoch gilt der europäische Markt als anfällig. Die eigenen Raffinerien decken den Bedarf nicht vollständig – etwa zehn Prozent des Dieselverbrauchs müssen importiert werden.
Nach dem Wegfall russischer Lieferungen wurde diese Lücke teilweise durch Importe aus dem Nahen Osten und Indien geschlossen. Diese Quellen stehen nun jedoch eingeschränkt zur Verfügung oder orientieren sich verstärkt in Richtung Asien.
Paradoxe Entwicklung: Deutschland exportiert weiter
Trotz der drohenden Engpässe exportiert Deutschland aktuell weiterhin mittlere Destillate wie Diesel und Heizöl, unter anderem in die Niederlande. Ursache ist eine schwache Inlandsnachfrage: Viele Verbraucher verschieben Käufe aufgrund hoher Preise und Unsicherheit.
Gleichzeitig bauen Händler in anderen EU-Staaten ihre Lagerbestände auf, um sich gegen mögliche Engpässe abzusichern.
Kritischer Zeitpunkt: Mitte April
Nach Markteinschätzungen werden die letzten Lieferungen aus dem Persischen Golf, die vor der Blockade gestartet sind, Europa etwa um den 10. April erreichen. Danach könnte sich das Angebot deutlich verknappen.
Als mögliche Alternative gelten Lieferungen aus den USA. Allerdings nimmt der globale Wettbewerb um diese Mengen bereits zu.
Auswirkungen auf Wirtschaft und Verbraucher
Diesel ist ein zentraler Energieträger für Transport, Bauwirtschaft und Logistik. Steigende Preise wirken sich daher direkt auf Lieferketten aus.
In der Folge könnten sich die Kosten für zahlreiche Alltagsgüter erhöhen – von Lebensmitteln bis hin zu Baustoffen. Die Entwicklungen auf dem Energiemarkt beginnen sich damit zunehmend auf den Alltag der Verbraucher auszuwirken.
Lesen Sie auch: Lufthansa könnte bis zu 40 Flugzeuge stilllegen wegen Iran-Krise
