Alexander Zverev hat die dritte Runde der Australian Open in Melbourne erreicht. Der Hamburger setzte sich gegen den Franzosen Alexandre Müller mit 6:3, 4:6, 6:3, 6:4 durch. Die Partie zog sich über 3 Stunden und 4 Minuten und fühlte sich für beide wie eine echte „Nachtschicht“ auf dem Platz an. Nach dem Match verließ Zverev die Arena gut gelaunt und sagte, das Duell sei „auf sehr hohem Niveau“ gewesen. Am Freitag wartet nun der Brite Cameron Norrie auf ihn. Die Website Imowell.de berichtet unter Berufung auf Вild.
Schreckmoment im dritten Satz: Physio und Schmerzmittel
Der unangenehmste Moment kam im dritten Satz, als es 2:1 und 15:0 für Zverev stand. Plötzlich rief er den Physiotherapeuten, obwohl der Grund von außen zunächst nicht klar zu erkennen war. Von einer Verstauchung war keine Rede, doch Zverev spürte etwas im linken Knöchel, und das wirkte selbst ohne Nahaufnahme alarmierend. Beim Seitenwechsel bekam er lediglich ein Schmerzmittel und spielte ohne längere medizinische Auszeit weiter. „Das hat gereicht. Ich brauchte kein Medical Timeout. Danach lief alles gut“, sagte er nach dem Match. Wie ernst das Signal in diesem Moment tatsächlich war, blieb zunächst offen.
Was genau passierte: „ausgerutscht und das Bein komplett gestreckt“
Zverev erklärte, die Situation sei nicht aus dem Nichts entstanden und habe nichts mit einem Kontakt zu tun gehabt. Nach seinen Worten sei er „einmal ausgerutscht und habe das Bein komplett gestreckt“, danach habe er etwas im Gelenk gespürt. Außerdem berichtete er von Schmerzen beim Landen nach dem Aufschlag – ein Moment, der mitten im Match besonders heikel sein kann. Der Deutsche ergänzte, das Bein habe leicht angeschwollen, doch nach dem Matchende glaube er nicht an etwas Ernstes. Gleichzeitig dramatisierte er nichts und kehrte praktisch sofort in den Rhythmus zurück. Allein der Umstand, dass er mitten im Satz Hilfe holte, machte die Szene für die Fans so beunruhigend. Umso auffälliger war, dass er danach die Intensität halten konnte, was auch seinem Team als wichtiges Zeichen gelten dürfte.
Kalter Abend, Wind und unbequeme Bedingungen
Das Duell gegen die Nummer 52 der Welt fiel auf einen Tag, der rund um das Turnier als der kälteste in Australien beschrieben wurde. Als beide Spieler um 19:04 Uhr Ortszeit den Court betraten, lag die Temperatur nur bei etwa 20 Grad. Dazu kam ein kräftiger, kalter Wind – Bedingungen, die Zverev nach Einschätzung rund um das Match grundsätzlich nicht mag. Dennoch wirkte er im ersten Satz und über weite Strecken der Partie stabil und kontrolliert. Zwischenzeitlich sah es so aus, als könnte das Match früh entschieden sein, so dominant präsentierte sich der Weltranglisten-Dritte. Doch nach dem komfortablen Start kippte die Dynamik, und Zverev musste deutlich mehr investieren als erwartet. Gerade diese zweite Matchhälfte erzeugte das Gefühl von Schwerstarbeit, das sich auch auf den Rängen bemerkbar machte.
37 Minuten Regenpause und Fragen an die Organisation
Ein zusätzlicher Faktor war die Regenunterbrechung, die in dieser Geschichte kaum als unvermeidbar gilt. In Melbourne wusste man, so wurde es rund um das Match betont, dass Regen zu erwarten war – trotzdem wurde mit offenem Dach in der John-Cain-Arena gespielt. Die Folgen zeigten sich beim Stand von 4:2 im dritten Satz, als starker Regen einsetzte. Danach vergingen noch einige Minuten, bis das Dach überhaupt geschlossen wurde, und anschließend dauerte es weiter, bis das Team zur Platz-Trocknung eintraf. Insgesamt stand das Match 37 Minuten still, was den Rhythmus spürbar beeinflusste. Aus Sicht des Ablaufs hätte sich diese Pause, so der Tenor, mit einem früheren Dach-Entscheid wohl vermeiden lassen.
Auf und ab im zweiten Satz: Müller ist wieder da
Noch vor dem Regen hatte es in der Partie bereits einen deutlichen Bruch gegeben, der den Abend für den Favoriten komplizierter machte. Zverev führte 6:3 und 3:0, verlor den zweiten Satz dann aber mit 4:6, nachdem er fünf Spiele in Folge abgegeben hatte. Der Deutsche wirkte sichtbar unzufrieden mit seinem Schläger und zeigte das mehrfach in Richtung seines Teams. Seine Bälle flogen teils zu lang, teils landeten sie im Netz, und bis zur Regenpause standen 37 unerzwungene Fehler zu Buche. Müller nutzte diese Phase, gewann Selbstvertrauen und zwang Zverev in längere Ballwechsel. Gleichzeitig wurde rund um das Match erwähnt, dass der Franzose nicht nur von Preisgeld und Sponsoren lebt, sondern auch über die Erwachsenen-Plattform OnlyFans Einnahmen erzielt. Für den Court selbst blieb jedoch entscheidend, dass Zverev wieder Ordnung in sein Spiel bringen musste.
Wie Zverev das Match zumachte: früher Break, Moment Panik, dritter Matchball
Nach Wiederbeginn schloss Zverev den dritten Satz souverän mit 6:3 ab, und zunächst wirkte alles wieder klar. Im vierten Satz gelang ihm früh ein Break, und er schien die Kontrolle endgültig zurückgeholt zu haben. Genau in dieser Phase kam es dann erneut zu einem Moment der Unruhe wegen des Knöchels, der die Zuschauer kurz erstarren ließ. Die Stimmung im Velodrom war elektrisiert, und nach vielen intensiven Punkten ging eine spürbare Welle durch die Tribünen. Trotz der Beschwerden brachte Zverev die Partie ins Ziel und verwandelte seinen dritten Matchball zum 6:4 im vierten Satz. Für ihn ist es bereits das neunte Mal, dass er bei den Australian Open die dritte Runde erreicht – nur fühlte sich dieser Abend kaum wie eine einfache Pflichtaufgabe an. Als Nächstes wartet Cameron Norrie, und nach diesem Match dürfte der Zustand des Beins im Umfeld des Deutschen eines der zentralen Themen bleiben.
