Deutschland hat einen Schritt zur Neugestaltung maritimer Operationen gemacht und die weltweit erste Drohne vorgestellt, die aus einem Torpedorohre eines U-Bootes gestartet wird. Ihre Entwicklung ist das Ergebnis einer Partnerschaft zwischen den Unternehmen Gabler und FLANQ, die auf der Messe DALO Industry Days 2025 angekündigt wurde. Diese Innovation könnte den Einsatz von U-Booten grundlegend verändern und sie zu universellen Plattformen für neue Waffensysteme machen, berichtet Imowell.de.
Technische Merkmale und Eigenschaften der Drohne
Das neue Gerät verfügt über ein modulares Design und ist für den Start aus standardisierten 533-mm-Torpedorohren der NATO optimiert. Es ist etwa 5–6 Meter lang und wiegt weniger als 800 kg. Nach dem Auftauchen entfaltet die Drohne Steuerflächen und einen Mast und wechselt in den Modus einer Überwasserplattform.
Zu den wichtigsten Fähigkeiten gehören:
- eine Reichweite von über 200 Seemeilen in der Aufklärungskonfiguration;
- autonomer Betrieb von bis zu 36 Stunden;
- Navigation auf Basis eines Trägheitssystems und Algorithmen der Künstlichen Intelligenz;
- stabile Kommunikation über Satellit, Funk und Unterwasserakustik;
- Unabhängigkeit vom GPS zur Vermeidung von Störungen.
Diese Konstruktion macht sie zu einem flexiblen Werkzeug für moderne Flotten, bei denen schnelle Anpassung und Autonomie entscheidend sind.
Bewaffnung und Einsatzmöglichkeiten
Die Entwickler haben ein breites Spektrum an Ausstattungsoptionen vorgesehen. In der Aufklärungsversion trägt die Drohne elektrooptische Sensoren und Systeme der elektronischen Kampfführung. Für Angriffsmissionen kann sie ausgestattet werden mit:
- Loitering-Munition
- Täuschsystemen
- Ausrüstung zur Simulation von Schiffsziele
- Radarstörsystemen
Es sind sowohl Einweg-Versionen für einmalige Einsätze als auch wiederverwendbare Modelle vorgesehen, die erneut in U-Boote integriert werden können. Dieser Ansatz reduziert Risiken für die Besatzungen und ermöglicht die Durchführung komplexer Missionen aus der Ferne.
Bestellerländer und Perspektiven
Die ersten Nutzer der Drohne werden die Deutsche Marine sein, die U-Boote der Klassen 212A und 212CD betreibt. Auch die Niederlande, Norwegen, Italien und Südkorea haben Interesse gezeigt. Der Vorteil des Systems liegt darin, dass es die Einsatzmöglichkeiten bestehender U-Boote erweitert, ohne dass kostspielige Modernisierungen oder Neubauten erforderlich sind. Dies macht die Technologie für NATO-Partner attraktiv, die ihre Flotteneffizienz mit minimalen Kosten steigern wollen.
Pläne und Tests der neuen Unterwasserdrohne
Der Bau des ersten vollmaßstäblichen Prototyps ist bereits im Gange. Die Seeerprobungen sind für Mitte 2026 geplant, und die erste Demonstration unter Übungsbedingungen könnte während der NATO-Übung Joint Warrior 2026 stattfinden. Dort wird der historische Start einer Überwasser-Drohne aus einem Torpedorohre in realistischen Kampfszenarien erwartet. Diese Innovation markiert eine neue Etappe in der Entwicklung maritimer Drohnen und bestätigt den Anspruch Deutschlands, eine Schlüsselrolle in der maritimen Wehrtechnik der Zukunft zu übernehmen. Zuvor haben wir auch darüber berichtet, dass Taiwan die neue kostengünstige Marschflugrakete Chingfeng IV vorgestellt hat.