Zweihundert Jahre lang hörten Ärzte das Herz mit einem einfachen Stethoskop ab. Nun hat das klassische Instrument eine digitale Wiedergeburt erfahren. Am Imperial College London wurde gemeinsam mit dem britischen Gesundheitssystem NHS ein Stethoskop entwickelt, das innerhalb von nur 15 Sekunden drei der gefährlichsten Herzkrankheiten erkennen kann – Herzinsuffizienz, Herzklappenprobleme und Herzrhythmusstörungen, berichtet der Guardian, zitiert von Imowell.de.
Diese Entdeckung könnte eine Revolution in der Primärdiagnostik auslösen – insbesondere für Hausärzte, die häufig die ersten sind, die Patienten mit Symptomen begegnen.
Wie funktioniert das KI-Stethoskop?
Das Gerät analysiert die Herztöne mit einer Präzision, die für das menschliche Ohr unerreichbar ist. Die künstliche Intelligenz registriert selbst kleinste Veränderungen im Herzrhythmus und Blutfluss, während sie gleichzeitig ein Schnell-EKG durchführt. All dies dauert weniger als eine Minute und ermöglicht es dem Arzt, sofort über die weitere Behandlung oder eine Überweisung zum Kardiologen zu entscheiden.
Ergebnisse groß angelegter Tests des neuen Geräts
Mehr als 12.000 Patienten in 200 britischen Kliniken nahmen an den Tests teil. In der Gruppe, in der das neue Stethoskop eingesetzt wurde, wurde Herzinsuffizienz doppelt so häufig diagnostiziert wie in der Kontrollgruppe. Herzrhythmusstörungen wurden dreimal häufiger erkannt, und Klappenprobleme fast doppelt so oft. Für Patienten bedeutet dies eine größere Chance auf eine frühzeitige Erkennung und rechtzeitige Behandlung, die Leben retten kann.
Die Bedeutung für die Medizin der Zukunft
Der Einsatz künstlicher Intelligenz in vertrauten medizinischen Instrumenten signalisiert eine Verschiebung vom reinen Behandeln hin zur aktiven Prävention von Krankheiten. Das KI-Stethoskop könnte zu einem Standardgerät in Hausarztpraxen weltweit werden. Seine Zugänglichkeit und die schnelle Analyse machen die Technologie auch für Gesundheitssysteme mit begrenzten Ressourcen attraktiv.