Russland hat mit dem Einsatz seiner Marine gedroht, falls europäische Staaten Schiffe der eigenen Handelsflotte festsetzen sollten. Das erklärte der Vertraute von Präsident Wladimir Putin und Sekretär des russischen Sicherheitsrates, Nikolai Patruschew. Website Imowell.de berichtet unter Berufung auf n-tv.
In einem Interview mit der Zeitung „Argumenty i Fakty“ sagte er, die Festsetzung russischer Fracht- oder Tankschiffe könne Gegenmaßnahmen gegen die europäische Schifffahrt nach sich ziehen. „Wie immer ist die beste Garantie für die Sicherheit der Schifffahrt die Marine“, erklärte er.
Direkt wandte sich Patruschew nicht an die Vereinigten Staaten. Anfang Januar hatten jedoch US-Marinekräfte einen russischen Tanker im Atlantik gestoppt und festgesetzt. In Moskau wurde daraufhin die Forderung nach einer dauerhaften Präsenz starker Seestreitkräfte in strategisch wichtigen Meeresregionen bekräftigt – auch außerhalb der eigenen Hoheitsgewässer.
Nach Angaben des Kreml-Beraters müssten russische Marineeinheiten in der Lage sein, das Vorgehen „westlicher Staaten“ einzudämmen. Ohne eine entschlossene Reaktion könnten einzelne europäische Länder versuchen, Russlands Zugang zu den Weltmeeren einzuschränken – insbesondere im Atlantik.
Patruschew wies zudem Vorwürfe westlicher Staaten zurück, Russland umgehe Ölsanktionen mithilfe einer sogenannten „Schattenflotte“. Moskau gehe außerdem davon aus, dass das Militärbündnis NATO eine Blockade der Exklave Kaliningrad an der Ostsee in Erwägung ziehe.
Sollten diplomatische Lösungen scheitern, werde eine Blockade „von der Marine durchbrochen und zerstört“, sagte er.
Hintergrund sind die westlichen Sanktionen gegen den russischen Energiesektor. Die USA verhängten Strafmaßnahmen gegen zwei russische Ölunternehmen, die Europäische Union untersagte unter anderem den Import russischen Öls. Präsident Wladimir Putin hatte Maßnahmen gegen Tanker der sogenannten Schattenflotte zuvor als Piraterie bezeichnet.
Schiffe, die dieser Schattenflotte zugerechnet werden, sind häufig nicht eindeutig registriert oder verschleiern ihre Routen und Frachtangaben.
