Krampfadern (Varizen) sind dauerhaft erweiterte oberflächliche Venen, die besonders häufig an den Beinen auftreten und mit einem gestörten Rücktransport des Blutes zusammenhängen. Wie die Redaktion von Imowell.de erläutert, sollten Krampfadern nicht ausschließlich als kosmetisches Problem betrachtet werden: Bei manchen Betroffenen treten Schweregefühl, Schwellungen, Juckreiz, Schmerzen oder nächtliche Wadenkrämpfe auf. In Deutschland gehören Varizen zu den verbreiteten Venenerkrankungen. Nach Angaben des Bundesgesundheitsportals gesund.bund.de hat ungefähr jeder fünfte Erwachsene Krampfadern. Dabei entspricht die Größe der sichtbaren Venen nicht zwangsläufig der Stärke der Beschwerden. Große, deutlich hervortretende Venen können kaum Probleme verursachen, während weniger auffällige Veränderungen mit spürbaren Beschwerden verbunden sein können. Ob eine Behandlung notwendig ist, hängt deshalb nicht nur vom Aussehen der Beine ab, sondern vor allem von den Symptomen, den Untersuchungsergebnissen und dem Risiko möglicher Komplikationen.
Warum entstehen Krampfadern?
Die Venen in den Beinen müssen das Blut entgegen der Schwerkraft zurück zum Herzen transportieren. Dabei helfen die Beinmuskulatur und die Venenklappen, die wie Rückschlagventile funktionieren und verhindern sollen, dass das Blut wieder nach unten fließt. Wenn die Venenwände oder Venenklappen nicht mehr ausreichend funktionieren, kann sich Blut in den Gefäßen stauen. Dadurch können sich oberflächliche Venen zunehmend erweitern und schließlich als Varizen sichtbar werden.
Zu den Faktoren, die mit einem erhöhten Risiko verbunden sein können, gehören:
- familiäre beziehungsweise genetische Veranlagung;
- zunehmendes Alter;
- Schwangerschaft;
- langes Stehen oder Sitzen;
- Bewegungsmangel;
- Übergewicht.
Das Vorhandensein einzelner Risikofaktoren bedeutet allerdings nicht automatisch, dass ausgeprägte Krampfadern entstehen.
Wichtig ist außerdem die Unterscheidung zwischen Krampfadern und sogenannten Besenreisern. Besenreiser sind kleine rötliche oder bläuliche Gefäße direkt unter der Haut und in den meisten Fällen gesundheitlich unproblematisch.
Welche Symptome können auf Krampfadern hinweisen?
Symptome von Krampfadern beschränken sich nicht auf deutlich sichtbare blaue oder violette Venen. Typisch sind schwere oder müde Beine sowie Schwellungen, insbesondere im Bereich der Knöchel. Zusätzlich können Juckreiz, Spannungsgefühle, Schmerzen und nächtliche Wadenkrämpfe auftreten. Häufig verstärken sich die Beschwerden am Abend, nach langem Sitzen oder Stehen sowie bei hohen Temperaturen.
Zu den häufigen Beschwerden gehören:
- deutlich sichtbare, geschlängelte Venen;
- schwere oder müde Beine;
- geschwollene Knöchel und Unterschenkel;
- Juckreiz oder Spannungsgefühl der Haut;
- Schmerzen nach längerem Stehen;
- nächtliche Wadenkrämpfe.
Die Größe einer sichtbaren Krampfader sagt allein wenig darüber aus, wie ausgeprägt die Erkrankung oder die Beschwerden tatsächlich sind.
Wenn die Symptome regelmäßig auftreten oder sich mit der Zeit verstärken, sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen. Erste Anlaufstelle kann die Hausarztpraxis sein, die bei Bedarf an eine Facharztpraxis für Gefäßerkrankungen überweist.
Wann sollte man mit Krampfadern zum Arzt?
Ein Arztbesuch ist sinnvoll, wenn die Venen zunehmend hervortreten, die Beine regelmäßig anschwellen oder Schmerzen und Schweregefühl wiederholt auftreten. Besondere Aufmerksamkeit benötigen Veränderungen der Haut an Knöcheln und Unterschenkeln. Einige Beschwerden sollten zeitnah medizinisch untersucht werden, weil sie auf Komplikationen hinweisen können. Dazu gehören ausgeprägte Schwellungen, schmerzhafte und überwärmte gerötete Venen, schlecht heilende Wunden oder Blutungen.
Medizinische Hilfe sollte insbesondere gesucht werden bei:
- starken oder plötzlich auftretenden Schwellungen eines Beins;
- einer schmerzhaften, geröteten und überwärmten Vene;
- offenen Wunden im Bereich des Knöchels;
- Wunden, die über längere Zeit nicht abheilen;
- Blutungen aus einer Krampfader;
- deutlichen entzündlichen Hautveränderungen.
Blutungen aus Krampfadern sind zwar selten, können aber ernst sein. Als unmittelbare Maßnahme sollte das betroffene Bein hochgelagert und Druck auf die blutende Stelle ausgeübt werden. Gleichzeitig sollte medizinische Hilfe organisiert werden.
Wie werden Krampfadern in Deutschland diagnostiziert?
Ausgeprägte Krampfadern lassen sich häufig bereits bei einer körperlichen Untersuchung erkennen. Das äußere Erscheinungsbild allein reicht jedoch nicht aus, um die Funktionsfähigkeit des Venensystems zuverlässig zu beurteilen. Ein wichtiges diagnostisches Verfahren ist die Duplexsonografie beziehungsweise der Duplex-Ultraschall. Damit kann der Arzt den Blutfluss untersuchen und feststellen, ob die Venenklappen richtig schließen. Vor einer geplanten invasiven Behandlung spielt diese Untersuchung eine besonders wichtige Rolle.
Eine Untersuchung kann beispielsweise folgendermaßen ablaufen:
- Der Arzt fragt nach Beschwerden und möglichen Vorerkrankungen.
- Beine und sichtbare oberflächliche Venen werden untersucht.
- Schwellungen und mögliche Hautveränderungen werden beurteilt.
- Bei Bedarf erfolgt eine Duplexsonografie.
- Anschließend werden Beobachtung oder mögliche Behandlungsverfahren besprochen.
Praktisch ist es, sich vor dem Arzttermin zu notieren, wann Schmerzen oder Schwellungen auftreten. Relevant ist beispielsweise, ob sich die Beschwerden abends verstärken, nach langem Stehen auftreten oder durch Bewegung besser werden.
Was kann man selbst gegen Krampfadern tun?
Bei leichteren Beschwerden beginnt die Behandlung von Krampfadern häufig nicht mit einer Operation. Regelmäßige Bewegung unterstützt die Muskelpumpe der Beine und damit den Rücktransport des venösen Blutes. Langes unbewegliches Sitzen und Stehen sollte möglichst unterbrochen werden. Beim Ausruhen kann es angenehm sein, die Beine hochzulagern.
Eine praktische Routine für den Alltag:
- Bei sitzender Tätigkeit regelmäßig aufstehen und einige Schritte gehen.
- Bei stehender Arbeit die Position häufig verändern und die Füße bewegen.
- Spaziergänge und andere moderate Bewegung in den Alltag integrieren.
- Beim Ausruhen die Beine nach Möglichkeit hochlegen.
- Langes Sitzen mit übereinandergeschlagenen Beinen vermeiden.
- Bei anhaltenden Beschwerden mit dem Arzt über eine Kompressionstherapie sprechen.
Bewegung kann Beschwerden lindern und den venösen Rückfluss unterstützen. Eine bereits dauerhaft erweiterte Vene lässt sich dadurch jedoch nicht einfach wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzen.
Versprechen, bestehende Krampfadern ausschließlich durch Übungen vollständig beseitigen zu können, sollten daher kritisch betrachtet werden.
Kompressionsstrümpfe: Wann sind sie sinnvoll?
Kompressionsstrümpfe bei Krampfadern üben von außen Druck auf das Gewebe und die Venen aus. Dadurch soll der Rücktransport des Blutes unterstützt werden. Sie gehören zu den konservativen Möglichkeiten bei Venenerkrankungen und können bei bestimmten Patienten Beschwerden wie Schwellungen oder Schmerzen reduzieren. Welcher Kompressionsgrad geeignet ist, sollte jedoch individuell abgeklärt werden.
| Situation | Praktischer Ansatz |
|---|---|
| Schwere Beine | Kompression mit dem Arzt besprechen |
| Geschwollene Beine | Ursache der Schwellung abklären |
| Stehende Tätigkeit | Bewegungspausen einplanen |
| Nach einem Eingriff | Empfehlungen der Praxis oder Klinik beachten |
| Unbequeme Strümpfe | Größe und Kompressionsklasse überprüfen |
Eine stärkere medizinische Kompression sollte insbesondere bei möglichen arteriellen Durchblutungsstörungen nicht ohne vorherige ärztliche Abklärung verwendet werden.
Wie lassen sich Krampfadern ohne klassische Operation behandeln?
Eine moderne Behandlung von Krampfadern in Deutschland bedeutet nicht zwangsläufig, dass die betroffene Vene durch eine klassische Operation entfernt werden muss. Heute stehen endovenöse Verfahren zur Verfügung, bei denen eine erkrankte Vene von innen verschlossen wird. Dafür können beispielsweise Laserenergie oder Radiofrequenzenergie eingesetzt werden. Eine weitere Möglichkeit ist die Sklerotherapie, bei der ein Verödungsmittel in die Vene eingebracht wird.
Zu den häufig eingesetzten Verfahren gehören:
| Methode | Prinzip |
|---|---|
| Lasertherapie | Die Vene wird durch Laserenergie von innen verschlossen |
| Radiofrequenzablation | Wärmeenergie führt zum Verschluss der Vene |
| Sklerotherapie | Flüssiges oder aufgeschäumtes Verödungsmittel verschließt die Vene |
| Phlebektomie | Betroffene Venenabschnitte werden über kleine Hautschnitte entfernt |
| Stripping | Eine erkrankte Vene wird operativ entfernt |
Welche Methode geeignet ist, hängt unter anderem von Größe und Lage der betroffenen Venen, den Ergebnissen der Ultraschalluntersuchung, den Beschwerden und individuellen gesundheitlichen Faktoren ab.
Nicht jede Krankenkasse übernimmt automatisch sämtliche Behandlungsvarianten. Deshalb empfiehlt es sich, vor einer geplanten Behandlung zu klären, welche Kosten die eigene gesetzliche oder private Krankenversicherung übernimmt.
Wann kann eine Operation notwendig werden?
Ein operativer Eingriff kann infrage kommen, wenn konservative Maßnahmen keine ausreichende Wirkung zeigen, starke Beschwerden bestehen oder Komplikationen auftreten. Die klassische Operation ist heute jedoch nur eine von mehreren Möglichkeiten. Je nach Befund können auch minimalinvasive beziehungsweise endovenöse Verfahren eingesetzt werden. Wird eine erkrankte oberflächliche Vene entfernt oder verschlossen, kann das Blut normalerweise über andere gesunde Venen weitertransportiert werden.
Ein Eingriff sollte insbesondere mit dem Arzt besprochen werden, wenn:
- Schmerzen und Schwellungen dauerhaft bestehen;
- konservative Maßnahmen keine ausreichende Linderung bringen;
- chronische Hautveränderungen auftreten;
- ein venöses Beingeschwür entstanden ist;
- die Erkrankung die Lebensqualität deutlich beeinträchtigt.
Welche Behandlung gewählt wird, sollte nach einer individuellen Nutzen-Risiko-Abwägung entschieden werden.
Welche Mittel gegen Krampfadern helfen tatsächlich?
Im Handel werden zahlreiche Cremes, Salben, Tabletten, Nahrungsergänzungsmittel und pflanzliche Präparate als Mittel gegen Krampfadern angeboten. Verbraucher sollten solche Versprechen kritisch prüfen. Ein kosmetischer oder kurzfristig kühlender Effekt bedeutet nicht automatisch, dass die Ursache der Venenerkrankung behandelt wird. Insbesondere bei regelmäßigen Schwellungen, Schmerzen oder Hautveränderungen dürfen solche Produkte eine medizinische Diagnose nicht ersetzen.
Vor dem Kauf eines Präparats helfen drei Fragen:
- Gibt es belastbare Nachweise für die behauptete Wirkung?
- Ist überhaupt geklärt, wodurch meine Beschwerden verursacht werden?
- Verzögert die Selbstbehandlung möglicherweise eine notwendige Untersuchung?
Ein häufiger Fehler besteht darin, über Monate nur sichtbare Beschwerden zu behandeln, ohne die Funktion des Venensystems untersuchen zu lassen.
Nicht jede Schwellung eines Beins ist automatisch auf Krampfadern zurückzuführen. Deshalb sollte bei neu auftretenden, ausgeprägten oder einseitigen Beschwerden die Ursache medizinisch abgeklärt werden.
So lässt sich das Venensystem im Alltag entlasten
Eine Vorbeugung gegen Krampfadern kann nicht garantieren, dass Varizen niemals entstehen. Das gilt insbesondere bei familiärer Veranlagung. Regelmäßige Bewegung unterstützt jedoch die Muskelpumpe der Beine und kann einem ausgeprägten Blutstau entgegenwirken. Wer überwiegend im Sitzen arbeitet, sollte regelmäßig aufstehen; bei stehenden Tätigkeiten sind kurze Bewegungspausen sinnvoll.
Hilfreich im Alltag sind:
- regelmäßig zu Fuß gehen;
- langes unbewegliches Sitzen vermeiden;
- bei stehender Arbeit die Position wechseln;
- Füße und Sprunggelenke zwischendurch bewegen;
- beim Ausruhen die Beine hochlagern;
- regelmäßige körperliche Aktivität einplanen;
- anhaltende Schwellungen ärztlich untersuchen lassen.
Besonders einfach ist es, Bewegung in bestehende Routinen einzubauen. Telefonate können beispielsweise im Stehen oder Gehen geführt werden, kurze Strecken lassen sich zu Fuß zurücklegen und Treppen können häufiger anstelle des Aufzugs genutzt werden.
Welche Komplikationen können Krampfadern verursachen?
Bei vielen Menschen führen Krampfadern nicht zu schweren gesundheitlichen Folgen. Fortschreitende Veränderungen sollten trotzdem nicht ignoriert werden. Mögliche Komplikationen umfassen Entzündungen oberflächlicher Venen, Blutungen, thrombotische Ereignisse und chronische venöse Beingeschwüre. Hautveränderungen und dauerhaft zunehmende Schwellungen sind deshalb medizinisch relevanter als die rein kosmetische Sichtbarkeit einzelner Venen.
Warnzeichen können sein:
- bräunliche oder rötliche Hautverfärbungen;
- verhärtetes Gewebe am Unterschenkel;
- dauerhaft starke Schwellungen;
- entzündliche Veränderungen entlang einer Vene;
- nässende oder schlecht heilende Hautstellen;
- offene Wunden im Bereich des Knöchels.
Bei solchen Veränderungen sollte nicht zunächst eine rein kosmetische Behandlung geplant werden. Vorrangig ist eine medizinische Untersuchung des Venensystems.
Was tun bei Verdacht auf Krampfadern?
Krampfadern müssen nicht automatisch operiert werden. Wiederkehrende oder zunehmende Beschwerden sollten jedoch medizinisch abgeklärt werden. In Deutschland kann zunächst die Hausarztpraxis aufgesucht werden, die bei Bedarf eine Überweisung an eine gefäßmedizinische Fachpraxis veranlasst. Abhängig von den Beschwerden und Untersuchungsergebnissen reichen die Möglichkeiten von Beobachtung und konservativen Maßnahmen bis zu Sklerotherapie, endovenösen Verfahren oder einer Operation.
Eine sinnvolle Vorgehensweise:
- Beschwerden und deren Dauer beobachten.
- Bei wiederkehrenden Schmerzen oder Schwellungen einen Arzttermin vereinbaren.
- Bei entsprechender Indikation einen Duplex-Ultraschall durchführen lassen.
- Konservative und interventionelle Möglichkeiten vergleichen.
- Vor einem Eingriff die Kostenübernahme durch die Krankenkasse klären.
- Nach der Behandlung die ärztlichen Empfehlungen einhalten und körperlich aktiv bleiben.
Krampfadern lassen sich nicht zuverlässig anhand eines Fotos oder ausschließlich nach ihrem äußeren Erscheinungsbild beurteilen. Erst die medizinische Untersuchung zeigt, wie das Venensystem funktioniert und ob tatsächlich eine Behandlung erforderlich ist.
