In Deutschland breitet sich die invasive Ameisenart Tapinoma magnum weiter aus. Ursprünglich stammt sie aus dem Mittelmeerraum. Inzwischen wurde sie in mehreren Bundesländern nachgewiesen, und in einigen Kommunen wird die Bekämpfung der Kolonien bereits auf behördlicher Ebene organisiert. Die Website Imowell.de berichtet unter Berufung auf merkur.
Anders als viele heimische Ameisenarten kann Tapinoma magnum riesige Superkolonien mit zahlreichen Königinnen bilden. Ihre Nester und Laufwege können sich über ganze Straßenzüge erstrecken und unter Häuser, Straßen und andere Bauwerke reichen.
Ameisen breiten sich in mehreren Regionen Deutschlands aus
Besonders angespannt ist die Situation in Kehl in Baden-Württemberg. Vorkommen der invasiven Ameisen wurden zudem in Hessen, Rheinland-Pfalz und Bayern registriert.
Tapinoma magnum in Deutschland wird nicht nur wegen der großen Zahl der Tiere zum Problem. Beim Bau ihrer Nester transportieren die Ameisen Sand und feinen Kies aus dem Untergrund. Dadurch können befestigte Flächen absacken, Gartenmauern ihre Stabilität verlieren und Gehwege beschädigt werden.
Die Insekten wurden außerdem in technischen Anlagen gefunden. Sie können in Verteilerkästen und Kabelkanäle eindringen. In stark betroffenen Gebieten kam es bereits zu Problemen mit der Stromversorgung und Internetverbindungen.
Bewohner berichten von Ameisen in ihren Häusern
Besonders belastend ist das Eindringen der Tiere in Wohngebäude. Die Ameisen nutzen kleinste Risse, Öffnungen und Kabelschächte und gelangen auf diese Weise bis in Küchen, Schlafzimmer und andere Wohnräume.
Experten berichten von einer erheblichen psychischen Belastung für Menschen in stark betroffenen Gebieten. Einige Bewohner vermeiden es, ihre Häuser für längere Zeit unbeaufsichtigt zu lassen, etwa während eines Urlaubs. Die dauerhafte Präsenz großer Mengen von Ameisen kann zudem den Schlaf beeinträchtigen.
Warum herkömmliche Ameisenmittel das Problem nicht lösen
Die Bekämpfung von Tapinoma magnum wird durch die besondere Struktur ihrer Kolonien erschwert. Statt eines einzelnen kleinen Ameisennestes können die Tiere ein weit verzweigtes System miteinander verbundener Nester aufbauen.
In solchen Ameisen-Superkolonien können Millionen Arbeiterinnen und zahlreiche fortpflanzungsfähige Königinnen leben. Wird lediglich ein einzelnes Nest beseitigt, bedeutet dies deshalb nicht, dass die gesamte Kolonie vernichtet wurde.
Einige deutsche Kommunen setzen inzwischen professionelle Bekämpfungsmethoden ein. Dabei werden die Nester unter anderem mit sehr heißem Wasser oder speziellem Heißschaum behandelt. Ziel ist es, möglichst tief in das unterirdische Gangsystem vorzudringen und einen großen Teil der Kolonie zu beseitigen.
Woran lässt sich Tapinoma magnum erkennen?
Eine zuverlässige Bestimmung der Ameisenart sollte durch Fachleute erfolgen. Es gibt jedoch mehrere Merkmale, die auf invasive Ameisen der Art Tapinoma magnum hindeuten können.
Typische Hinweise sind:
- größere Sand- oder Erdauswürfe an den Nesteingängen;
- breite Ameisenstraßen, auf denen gleichzeitig zahlreiche Tiere unterwegs sind;
- das schnelle Auftauchen vieler Arbeiterinnen, wenn ein Nest gestört wird;
- unterschiedlich große Tiere innerhalb derselben Kolonie mit einer Körpergröße von etwa zwei bis fünf Millimetern;
- eine vollständig schwarze Färbung;
- ein charakteristischer Geruch, der an Zitrone, Aceton oder ranzige Lebensmittel erinnern kann, wenn die Ameisen gereizt oder zerdrückt werden.
Zum Vergleich: Die heimische Schwarze Wegameise Lasius niger, die mit der invasiven Art verwechselt werden kann, bildet normalerweise deutlich schmalere Ameisenstraßen.
Wo die invasive Ameise in Deutschland bereits gefunden wurde
In Baden-Württemberg wurde Anfang 2025 ein Forschungsprojekt gestartet, das die Ausbreitung von Tapinoma magnum und mögliche Verbreitungswege untersucht. Auch Bürger können Beobachtungen verdächtiger Kolonien melden.
In Bayern wurden bestätigte Vorkommen unter anderem in Ingolstadt, Erlangen, im Raum Würzburg und in Marktheidenfeld registriert.
Für eine erste Beobachtung einer verdächtigen Kolonie kann eine kleine Menge Honig oder Zuckerlösung auf ein Blatt Papier gegeben werden. Dadurch sammeln sich die Ameisen an einer Stelle und lassen sich leichter fotografieren, damit Experten die Art anschließend bestimmen können.
Was tun bei Verdacht auf Tapinoma magnum?
Wer eine Ameisenplage in Deutschland beziehungsweise eine Kolonie von Tapinoma magnum vermutet, sollte die zuständige Stadt- oder Gemeindeverwaltung informieren. Je früher ein Befall erkannt wird, desto größer sind die Möglichkeiten, eine weitere Ausbreitung einzudämmen.
Eine eigenständige Bekämpfung einer bereits etablierten Superkolonie reicht häufig nicht aus. Der sichtbare Teil eines Nestes kann lediglich ein kleiner Abschnitt eines wesentlich größeren unterirdischen Systems sein.
Besondere Aufmerksamkeit gilt Pflanzen, die aus dem Mittelmeerraum nach Deutschland gelangen. Als möglicher Verbreitungsweg von Tapinoma magnum gilt der Transport der Ameisen zusammen mit Erde und Wurzelballen größerer Pflanzen.
Vor dem Einpflanzen von Olivenbäumen, Feigenbäumen und anderen mediterranen Gewächsen sollten deshalb Wurzelballen und Erde im Pflanzgefäß sorgfältig kontrolliert werden. Wird dort eine verdächtige Ameisenkolonie entdeckt, sollte die betroffene Pflanze isoliert werden, damit sich die Tiere nicht auf dem Grundstück oder in der Umgebung ausbreiten.
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