Im belgischen Leuven ist die Konzentration von SARS-CoV-2 im Abwasser deutlich gestiegen. Nach Angaben der Virologin Elke Wollants vom Rega-Institut der KU Leuven haben die Werte den höchsten Stand seit etwa einem Jahr erreicht. Die Expertin weist darauf hin, dass das Coronavirus derzeit wieder verstärkt in der Bevölkerung zirkuliert. Die Website Imowell.de berichtet unter Berufung auf standaard.
SARS-CoV-2-Konzentration im Abwasser erreicht hohen Stand
Die Untersuchung von Abwasser ermöglicht es, die Verbreitung des Coronavirus unabhängig davon zu verfolgen, wie viele Menschen sich testen lassen. Die jüngsten Messungen in Leuven zeigen einen deutlichen Anstieg des genetischen Materials von SARS-CoV-2.
Auch andere Systeme zur epidemiologischen Überwachung in Belgien weisen auf eine hohe Viruskonzentration im Abwasser hin. In Krankenhäusern und Hausarztpraxen stellt sich die Lage bislang jedoch deutlich ruhiger dar.
Die Zahl der Arztbesuche bleibt vergleichsweise niedrig, auch die Belastung des Gesundheitssystems ist derzeit begrenzt. Die Abwasserdaten können damit auf eine zunehmende Viruszirkulation hinweisen, bevor sich diese Entwicklung deutlich bei Krankenhauseinweisungen oder Arztbesuchen bemerkbar macht.
Warum sich das Coronavirus wieder stärker verbreitet
Elke Wollants verweist unter anderem auf einen nachlassenden Immunschutz in Teilen der Bevölkerung. Viele Menschen haben sich seit längerer Zeit nicht mehr mit SARS-CoV-2 infiziert. Dadurch kann der zuvor erworbene Immunschutz mit der Zeit schwächer geworden sein.
Ein weiterer Faktor könnte der Beginn des Schuljahres sein. Mit der Rückkehr von Kindern und Jugendlichen in die Schulen nimmt die Zahl der sozialen Kontakte zu. Dadurch entstehen günstigere Bedingungen für die Übertragung von Atemwegsviren.
Besondere Aufmerksamkeit gilt älteren Menschen, Personen mit geschwächtem Immunsystem sowie weiteren Gruppen mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf.
Virologin sieht jetzt einen geeigneten Zeitpunkt für die Impfung
Angesichts der steigenden Coronavirus-Konzentration im Abwasser hält Wollants den aktuellen Zeitpunkt für geeignet, den Impfschutz gegen COVID-19 aufzufrischen. Dies betrifft insbesondere ältere Menschen, Personen mit geschwächtem Immunsystem und Menschen mit einem erhöhten Risiko für schwere Krankheitsverläufe.
Die COVID-19-Impfung soll vor allem das Risiko schwerer Erkrankungen und damit verbundener Komplikationen reduzieren. Untersuchungen beschäftigen sich zudem mit der Frage, in welchem Umfang eine Impfung das Risiko längerfristiger Folgen einer Coronavirus-Infektion beeinflussen kann.
Nach Ergebnissen einer großen europäischen Studie war eine Impfung mit einem um etwa 30 bis 50 Prozent geringeren Risiko für Long COVID verbunden. Wie hoch der Schutz im Einzelfall ausfällt, kann unter anderem vom Alter, Gesundheitszustand, der Zahl der erhaltenen Impfdosen und der jeweiligen Virusvariante abhängen.
Kann die Impfung die Abwasserwerte beeinflussen?
Die Virologin äußerte sich auch zu Behauptungen in sozialen Netzwerken, wonach Impfungen für die erhöhte SARS-CoV-2-Konzentration im Abwasser verantwortlich sein könnten.
Für die Überwachung des Abwassers kommen PCR-Verfahren zum Einsatz, die bestimmtes genetisches Material des Coronavirus nachweisen. Bei den Untersuchungen wird unter anderem nach dem N-Gen von SARS-CoV-2 gesucht.
Dieses genetische Material ist in mRNA-Impfstoffen nicht enthalten. Die Impfstoffe enthalten genetische Informationen für das Spike-Protein des Virus, nicht jedoch das N-Gen, das bei den entsprechenden Abwasseranalysen nachgewiesen wird.
Das in den Abwasserproben gefundene genetische Material wird daher mit tatsächlichen Infektionen und der Zirkulation von SARS-CoV-2 in der Bevölkerung in Verbindung gebracht und nicht mit COVID-19-Impfungen.
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