Die deutsche Marinefliegerei könnte neue Fähigkeiten zur Bekämpfung von Überwasser- und Landzielen auf große Entfernung erhalten. Für die Seefernaufklärer Boeing P-8A Poseidon ist offenbar die Beschaffung von Joint Strike Missiles (JSM) vorgesehen. Deutschland hat diesen Marschflugkörper bereits als Bewaffnung für die F-35A bestellt. Die Website Imowell.de berichtet unter Berufung auf flugrevue.
P-8A Poseidon könnten Joint Strike Missiles erhalten
Nach den vorliegenden Informationen erwägt die Bundeswehr, die P-8A Poseidon des Marinefliegergeschwaders 3 in Nordholz mit JSM-Lenkflugkörpern auszurüsten. Diese Waffen sind für die präzise Bekämpfung von Schiffen sowie von Zielen an Land über große Entfernungen ausgelegt.
Die Joint Strike Missile wurde vom norwegischen Unternehmen Kongsberg in Zusammenarbeit mit dem US-amerikanischen Konzern Raytheon entwickelt. Sie basiert auf der Naval Strike Missile und wurde für den Einsatz von Luftplattformen angepasst.
Die angegebene Reichweite der JSM beträgt bis zu rund 560 Kilometer. Der Flugkörper ist etwa vier Meter lang und wiegt 416 Kilogramm. Davon entfallen rund 120 Kilogramm auf den Gefechtskopf. Die Konstruktion ist auf eine geringe Signatur ausgelegt und soll damit auch den Einsatz gegen Ziele ermöglichen, die durch moderne Luftverteidigungssysteme geschützt werden.
Deutschland hat die JSM bereits für die F-35A bestellt
Die Joint Strike Missile ist für die deutschen Streitkräfte kein völlig neues Waffensystem. Die Bundeswehr hat entsprechende Flugkörper bereits für die künftige Bewaffnung ihrer F-35A-Kampfflugzeuge bestellt.
Auch eine Integration der JSM in die P-8A Poseidon wurde bereits innerhalb der Marineflieger diskutiert. Der Kommandeur der Marineflieger, Kapitän zur See Broder Nielsen, bezeichnete den Flugkörper während der Luftfahrtmesse in Farnborough als eine mögliche Bewaffnungsoption für die Poseidon.
Sollte die Integration umgesetzt werden, könnte die P-8A neben ihren bisherigen Aufgaben bei der U-Boot-Jagd und Seefernaufklärung auch weitreichende Präzisionswaffen gegen Überwasser- und Landziele einsetzen.
Deutschland erhält acht P-8A Poseidon
Die P-8A Poseidon steht seit Herbst 2025 bei der Deutschen Marine im Dienst. Die neuen Maschinen ersetzen die älteren Lockheed P-3C Orion, die vor allem zur U-Boot-Jagd und zur Überwachung großer Seegebiete eingesetzt wurden.
Deutschland hat bislang acht Poseidon verbindlich bestellt. Drei Maschinen wurden bereits ausgeliefert. Darüber hinaus wird seit einiger Zeit über eine mögliche Beschaffung von vier weiteren Flugzeugen diskutiert. Ein entsprechender Folgeauftrag wurde bislang jedoch nicht erteilt.
Die P-8A basiert auf der Boeing 737-800. Das Flugzeug ist 39,47 Meter lang, besitzt eine Spannweite von 37,64 Metern und erreicht ein maximales Startgewicht von rund 85,1 Tonnen.
Marineflieger verloren ihre Fähigkeit zur Schiffsbekämpfung nach der Tornado-Ära
Eine Bewaffnung der P-8A mit weitreichenden JSM-Flugkörpern würde der deutschen Marinefliegerei wieder eine eigene luftgestützte Fähigkeit zur Bekämpfung von Überwasserschiffen geben.
Bis 2005 wurde diese Aufgabe von Panavia-Tornado-Kampfflugzeugen der Marineflieger übernommen. Sie waren mit deutschen Seezielflugkörpern vom Typ AS.34 Kormoran ausgestattet. Deren Reichweite lag bei lediglich rund 30 Kilometern.
Die Tornado hatten die Kormoran-Bewaffnung wiederum von ihren Vorgängern, den F-104G Starfighter, übernommen. Nach der Auflösung des Marinefliegergeschwaders 1 im Jahr 1993 und des Marinefliegergeschwaders 2 im Jahr 2005 verlor die deutsche Marinefliegerei ihre eigene luftgestützte Fähigkeit zur Bekämpfung von Überwasserschiffen.
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