Eines der bekanntesten Hochgebirgs-Skigebiete Italiens muss seinen Sommerskibetrieb wegen ungewöhnlich hoher Temperaturen vorübergehend einstellen. Am Stilfser Joch in Südtirol lassen Schnee- und Gletscherbedingungen derzeit keinen sicheren Skibetrieb mehr zu. Die Betreiber bezeichneten die Entscheidung als notwendig. Wann die Pisten wieder geöffnet werden können, ist noch unklar. Website Imowell.de berichtet unter Berufung auf t-online.
Sommerskibetrieb am Stilfser Joch eingestellt
Das Skigebiet am Stilfser Joch, das als eines der letzten großen europäischen Gebiete mit regulärem Sommerskibetrieb gilt, hat seine Skipisten vorübergehend geschlossen. Ursache ist die anhaltende Hitze, die inzwischen auch Höhenlagen von mehr als 3000 Metern erreicht.
Die Betreiber erklärten, die Entscheidung sei schwierig gewesen, unter den aktuellen Bedingungen jedoch nicht mehr zu vermeiden. Vor allem das Ausbleiben einer ausreichenden nächtlichen Abkühlung verschärft die Situation.
Durch die hohen Temperaturen wird die Schneeoberfläche schnell weich, während die Schneedecke ihre notwendige Stabilität verliert. Dadurch wird sowohl die Präparierung der Pisten als auch ein sicherer Betrieb zunehmend schwieriger.
Die Bergbahnen, die Besucher in Richtung Gletscher bringen, bleiben vorerst geöffnet. Die Einschränkungen betreffen vor allem den eigentlichen Skibetrieb.
Schneebedingungen auf 3450 Metern deutlich schlechter
Probleme am Stilfser Joch waren bereits vor der offiziellen Einstellung des Skibetriebs sichtbar. Der österreichische Meteorologe Manuel Oberhuber wies darauf hin, dass die Bedingungen auf den Pisten zuletzt bereits deutlich schlechter geworden seien.
Auf veröffentlichten Aufnahmen ist weicher und stark aufgelockerter Schnee zu erkennen. Unter solchen Bedingungen reicht selbst die große Höhenlage des Skigebiets nicht mehr aus, um dauerhaft stabile Schneeverhältnisse zu gewährleisten.
Das Skigebiet am Stilfser Joch liegt auf Höhen von rund 2750 bis 3450 Metern. Gerade diese Lage machte es traditionell möglich, auch dann noch Skifahrer und Trainingsgruppen zu empfangen, wenn die Wintersaison in den meisten anderen Alpenregionen längst beendet war.
Die aktuelle Wetterlage zeigt jedoch, wie stark selbst hoch gelegene Gletschergebiete von längeren Phasen mit ausreichend niedrigen Temperaturen abhängig sind.
Fehlende Abkühlung in der Nacht verschärft die Lage
Nach Angaben der Betreiber sind nicht nur die hohen Temperaturen während des Tages problematisch. In früheren Jahren konnte sich die Schneedecke nachts zumindest teilweise stabilisieren, wenn die Temperaturen auf dem Gletscher deutlich sanken.
Derzeit bleibt diese notwendige Abkühlung jedoch weitgehend aus. Dadurch bleibt der Schnee auch nachts feucht und instabil.
Unter diesen Bedingungen könne weder die übliche Pistenqualität noch das notwendige Sicherheitsniveau für den Sommerskibetrieb garantiert werden.
Das Skigebiet hat deshalb entschieden, den Betrieb nicht wieder aufzunehmen, solange sich Temperaturen und Zustand des Gletschers nicht deutlich verbessern.
Wann das Stilfser Joch wieder öffnen könnte
Ein konkreter Termin für die Wiederaufnahme des Skibetriebs steht derzeit nicht fest. Die Betreiber hoffen auf einen Wetterumschwung und deutlich niedrigere Temperaturen.
Damit die Pisten wieder geöffnet werden können, müsste es nicht nur tagsüber kühler werden. Entscheidend ist auch eine ausreichende Abkühlung während der Nacht, damit sich die Schneedecke stabilisieren und erneut präparieren lässt.
Bleibt die warme Wetterlage bestehen, könnte die Sommersaison am Stilfser Joch deutlich früher als geplant enden.
Die Situation ist inzwischen kein Einzelfall mehr. Im August mussten auch die Schweizer Sommerskigebiete Zermatt und Saas-Fee ihren Skibetrieb wegen ungünstiger Bedingungen einstellen.
Experten zweifeln an der Zukunft des Sommerskifahrens
Roberto Dinale, Leiter des Amtes für Hydrologie und Stauanlagen in Bozen, erklärte gegenüber dem italienischen Fernsehsender Rai, die Entwicklung am Stilfser Joch komme nicht überraschend.
Nach seiner Einschätzung wird es zunehmend schwieriger, Sommerskifahren unter den aktuellen klimatischen Bedingungen in der bisherigen Form aufrechtzuerhalten. Technisch könne der Betrieb zwar mit zusätzlichen Maßnahmen unterstützt werden, die natürlichen Voraussetzungen in den Bergen seien jedoch immer weniger gegeben.
Die anhaltende Hitze der vergangenen Wochen betrifft zudem nicht nur die Skipisten. In verschiedenen Regionen der Alpen gibt es Probleme mit der Wasserversorgung von Berghütten. Auf einigen hochalpinen Routen wurden außerdem Einschränkungen verhängt, weil Eis- und Felsbedingungen zunehmend instabil sind.
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