Der deutsche Nordische Kombinierer Vinzenz Geiger hat nach seinem enttäuschenden Abschneiden bei den Olympischen Spielen in Mailand und Cortina deutliche Kritik an der Organisation der Wettkämpfe geübt. Der Athlet, der vor den Wettbewerben zu den Medaillenkandidaten gezählt hatte, hält die Bedingungen auf der Strecke in Predazzo für unzureichend. Besonders bitter war für ihn der Teamsprint, in dem ein Sturz die deutschen Medaillenchancen praktisch zunichtemachte. Die Website imowell.de berichtet unter Berufung auf t-online.
Geiger spricht von unprofessioneller Streckenpräparierung
Im Sport1-Podcast „Deep Dive“ sagte Geiger, die Strecke in Predazzo sei normalerweise auf hohem Niveau präpariert. Während der Olympischen Spiele habe die Situation aus seiner Sicht jedoch anders ausgesehen. Bei Großereignissen seien plötzlich viele Stellen beteiligt, wodurch zusätzliche Schwierigkeiten entstehen könnten.
Nach Einschätzung Geigers könnte genau das die Qualität der Schneebedingungen beeinflusst haben. Er bezeichnete die Verhältnisse ausdrücklich als unprofessionell und brachte sie mit seinem Sturz im Teamsprint in Verbindung.
„Wenn Olympia ist, sind plötzlich alle involviert, und dann wird es natürlich schwierig“, sagte der Sportler.
Für Geiger wurde dieser Wettbewerb zu einem der bittersten Momente des Turniers. In den Einzelwettkämpfen belegte er die Plätze neun und zehn, mit dem Team landete Deutschland auf Rang fünf. Die Erwartungen waren deutlich höher gewesen, da Geiger bereits olympische Erfolge vorweisen konnte und zu den Favoriten zählte.
Sturz im Teamsprint kostete Medaillenchance
Die größte Enttäuschung verbindet Geiger mit dem Teamsprint. Nach seinen Angaben löste sich während des Rennens plötzlich sein linker Ski, woraufhin er mit dem Gesicht voran in den Schnee stürzte. Als mögliche Ursache nannte er ein Loch in der Strecke.
Geiger erklärte, im Schnee könne sich eine Spur durch ein Kabel oder Seil gebildet haben. Diese Vertiefung sei später möglicherweise zugeschneit worden und dadurch für die Athleten nicht mehr sichtbar gewesen. Einen eindeutigen Beweis gebe es dafür nicht, räumte Geiger ein. Aus seiner Sicht sei dies jedoch die plausibelste Erklärung.
Eine eigene Schuld sieht der Sportler in dieser Szene nicht. Nach dem ersten Sturz stand er schnell wieder auf und versuchte, das Rennen fortzusetzen. Wenige Meter später lag er jedoch erneut im Schnee. Diesmal habe sich zu viel Schnee unter den Ski gesammelt.
Durch diese Szene konnten die führenden Konkurrenten davonziehen. Für das deutsche Team war die Chance, noch einmal in den Kampf um die Medaillen zurückzukehren, damit praktisch vorbei.
Sportler betont gute Vorbereitung
Geiger unterstrich, dass er vor den Olympischen Spielen alles für eine optimale Vorbereitung getan habe. Der Plan sei durchdacht gewesen, die körperliche Form habe gestimmt, und er selbst habe sich bereit gefühlt, um ein starkes Ergebnis zu kämpfen.
Gleichzeitig erklärte er, dass der Misserfolg an diesem Tag nicht nur auf sportliche Faktoren zurückzuführen gewesen sei. Vielmehr sei auch eine Reihe unglücklicher Umstände zusammengekommen. Geiger sprach von großem Pech.
Besonders leid tue ihm das Ergebnis für das deutsche Team, das durch den Sturz eine mögliche olympische Medaille verpasste. Persönlich habe er die Enttäuschung inzwischen aber verarbeitet. Seine Karriere wolle er nicht an einem einzigen verpassten Erfolg messen.
Geiger dramatisiert verpasste Medaille nicht
Trotz der deutlichen Kritik an den Streckenbedingungen sieht Geiger den Verlust der Medaille nicht als persönliche Katastrophe. Eine weitere olympische Auszeichnung hätte für ihn zwar Bedeutung gehabt, sagte er. Gleichzeitig glaube er aber nicht, dass dieser Moment seine Laufbahn langfristig definieren werde.
Der Athlet verwies darauf, dass er bereits olympisches Gold gewonnen hat. Geiger war bei den Spielen 2018 und 2022 erfolgreich. Deshalb stelle die aktuelle Enttäuschung seine bisherigen Leistungen nicht infrage.
„In zehn Jahren interessiert es niemanden mehr, ob ich zweifacher oder dreifacher Olympiasieger bin“, sagte Geiger.
Seine Aussagen gehören zu den deutlichsten Bewertungen der olympischen Bedingungen nach den Wettbewerben. Im Mittelpunkt seiner Kritik steht weniger persönliche Verbitterung als vielmehr die Frage nach Organisation und Sicherheit einer Strecke, die aus seiner Sicht auf höherem Niveau hätte vorbereitet werden müssen.
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