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    Technologie

    Warum die Regulierung sozialer Medien so schwierig ist

    Soziale Netzwerke sollen Kinder abhängig machen. Warum Gesetze den Algorithmen hinterherhinken und wie Staaten den Schutz Minderjähriger verschärfen wollen.
    2 September 2026Lesedauer: 4 MinutenKarl HartmannKarl Hartmann
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    Soziale Netzwerke sollen Kinder abhängig machen. Warum Gesetze den Algorithmen hinterherhinken und wie Staaten den Schutz Minderjähriger verschärfen wollen.
    Soziale Netzwerke sollen Kinder abhängig machen. Warum Gesetze den Algorithmen hinterherhinken und wie Staaten den Schutz Minderjähriger verschärfen wollen.
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    Die größten sozialen Plattformen geraten wegen der möglichen negativen Auswirkungen ihrer Algorithmen auf Kinder zunehmend unter juristischen und politischen Druck. Meta und anderen Technologiekonzernen wird vorgeworfen, Mechanismen einzusetzen, die ein suchtähnliches Nutzungsverhalten, lange Bildschirmzeiten und einen ununterbrochenen Konsum von Inhalten fördern. Die Website Imowell.de berichtet unter Berufung auf dw.

    Soziale Netzwerke sollen Kindern schaden

    Endloses Scrollen, personalisierte Empfehlungen und ständige Benachrichtigungen helfen den Plattformen, die Aufmerksamkeit ihrer Nutzer zu binden. Je länger Menschen in einer App bleiben, desto mehr Werbung kann ihnen angezeigt werden.

    Dieses Geschäftsmodell verschafft den Technologiekonzernen hohe Einnahmen. Meta, der Mutterkonzern von Facebook und Instagram, erzielte im vergangenen Jahr Werbeerlöse von 196,2 Milliarden US-Dollar beziehungsweise rund 168,3 Milliarden Euro.

    Gleichzeitig werden die Unternehmen immer häufiger beschuldigt, gezielt Funktionen einzusetzen, die ein abhängiges Nutzungsverhalten begünstigen können. Besondere Sorge bereitet dabei der Einfluss sozialer Medien auf Minderjährige.

    In den USA haben 29 Bundesstaaten, darunter Kalifornien, Colorado und New Jersey, Klage gegen Meta eingereicht. Dem Konzern wird vorgeworfen, Facebook und Instagram bewusst so gestaltet zu haben, dass es jungen Nutzern schwerfällt, die Anwendungen wieder zu verlassen.

    Im Rahmen eines angekündigten Vergleichs erklärte sich Meta bereit, bis zu 18 Milliarden US-Dollar an 47 Bundesstaaten, den District of Columbia und weitere US-Territorien zu zahlen. Zusätzlich ist eine separate Vereinbarung mit dem Bundesstaat Texas über eine Milliarde US-Dollar vorgesehen.

    Das Unternehmen verpflichtete sich außerdem, Zeitlimits und besondere Einschränkungen für die nächtliche Nutzung durch Minderjährige einzuführen.

    Die Gesetzgebung bleibt hinter den Plattformen zurück

    Die Regulierung sozialer Medien wird durch das hohe Tempo der technologischen Entwicklung erschwert. Während Gesetzgeber neue Vorschriften ausarbeiten und abstimmen, verändern die Plattformen ihre Algorithmen, führen zusätzliche Funktionen ein und entwickeln neue Methoden zur Datenerfassung.

    Mehrere Untersuchungen stellen einen Zusammenhang zwischen der intensiven Nutzung sozialer Medien durch Jugendliche und einem erhöhten Auftreten von Ängsten, depressiven Symptomen sowie Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper fest.

    Auch interne Untersuchungen von Meta deuteten auf einen Zusammenhang zwischen der Instagram-Nutzung und Problemen mit dem Körperbild sowie der psychischen Gesundheit eines Teils der weiblichen Jugendlichen hin. Entsprechende Informationen wurden 2021 öffentlich.

    Nach Angaben des Analyseunternehmens Sensor Tower verbrachten Jugendliche in den USA im Jahr 2025 täglich etwa 90 Minuten auf TikTok. Tests der Empfehlungsalgorithmen zeigten zudem, dass Nutzern, die sich für Inhalte zur psychischen Gesundheit interessierten, Videos über Depressionen und Selbstverletzung vorgeschlagen werden konnten.

    Vertreter des Center for Humane Technology fordern deshalb grundlegende Sicherheitsstandards für digitale Plattformen. Diese sollten mit den Anforderungen vergleichbar sein, die bereits für Autos, Medikamente und Kinderspielzeug gelten.

    Die USA planen einen stärkeren Schutz Minderjähriger

    In den Vereinigten Staaten wächst die parteiübergreifende Unterstützung für den Kids Online Safety Act, kurz KOSA. Der Gesetzentwurf wird sowohl von Demokraten als auch von Republikanern unterstützt.

    Die Initiative sieht vor, dass für minderjährige Nutzer automatisch die strengsten Sicherheitseinstellungen gelten. Eltern sollen außerdem mehr Möglichkeiten erhalten, die Onlinekonten ihrer Kinder zu kontrollieren.

    Das Gesetz könnte auch festlegen, in welchem Umfang Technologieunternehmen mögliche Gefahren frühzeitig erkennen und Funktionen zur Begrenzung dieser Risiken entwickeln müssen.

    Darüber hinaus wird darüber diskutiert, soziale Plattformen stärker den Vorschriften zum Verbraucherschutz und zur Produkthaftung zu unterwerfen.

    Australien, Indonesien, Brasilien und Malaysia haben bereits Beschränkungen für die Nutzung sozialer Medien durch Kinder eingeführt. Die praktische Umsetzung solcher Verbote hängt jedoch von einer zuverlässigen Alterskontrolle und klaren Regeln für die Verarbeitung personenbezogener Daten ab.

    Können kostenpflichtige Plattformen das Werbemodell ersetzen?

    Als mögliche Alternative gelten werbefreie soziale Netzwerke, die über ein Abonnement finanziert werden. Meta testet bereits kostenpflichtige Versionen von Facebook und Instagram in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union und in Großbritannien.

    Eine Untersuchung der deutschen Psychologieprofessorin Cornelia Sindermann ergab, dass mehr als die Hälfte der Erwachsenen und zwei Drittel der jungen Befragten bereit wären, für eine gemeinwohlorientierte Version von Facebook mit deutlich strengeren Sicherheitsmaßnahmen zu bezahlen.

    Ein vollständiger Abschied vom werbefinanzierten Geschäftsmodell gilt dennoch als unwahrscheinlich. Werbung und die Auswertung des Nutzerverhaltens liefern den Plattformen weiterhin den größten Teil ihrer Einnahmen.

    Die Unternehmen könnten Abonnements daher als zusätzliche Einnahmequelle ausbauen, ohne auf kostenlose, werbefinanzierte Angebote zu verzichten.

    Künstliche Intelligenz schafft neue regulatorische Risiken

    Zusätzlich erschwert wird die Situation durch die umfangreichen Investitionen der Technologiekonzerne in künstliche Intelligenz. Die von sozialen Netzwerken gesammelten Daten enthalten Informationen über das Verhalten, die Interessen und die Reaktionen von Milliarden Menschen. Sie können bei der Entwicklung neuer KI-Systeme eingesetzt werden.

    Experten befürchten, dass die in sozialen Medien etablierten Methoden zur Bindung von Aufmerksamkeit auch in leistungsfähigere KI-Produkte übernommen werden könnten.

    Solche Systeme können nicht nur Inhalte empfehlen, sondern auch Entscheidungen, Verhaltensweisen, die Wahrnehmung von Informationen und die Beziehungen zwischen Nutzern beeinflussen. Gesetzgeber stehen deshalb vor der Aufgabe, gleichzeitig soziale Plattformen, Empfehlungsalgorithmen und neue KI-Dienste zu regulieren.

    Lesen Sie auch: SpaceX plant eigenes Mobilfunknetz Starlink Mobile als Konkurrenz zu AT&T, T-Mobile und Verizon

    Abhängigkeit von sozialen Medien Algorithmen sozialer Netzwerke Klagen gegen Meta Regulierung sozialer Medien Schutz von Kindern im Internet
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    Karl Hartmann

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