Die veränderte Beschreibung der religiösen Rolle des britischen Monarchen sorgt in Großbritannien für Diskussionen. In einem Jahresbericht der königlichen Familie wurde die traditionelle Formulierung „Verteidiger des Glaubens“ neu gefasst. Vertreter christlicher Kreise reagieren darauf mit scharfer Kritik. Die Website Imowell.de berichtet unter Berufung auf t-online.
Was sich an der offiziellen Formulierung geändert hat
Statt der bisherigen Bezeichnung „Verteidiger des Glaubens“ ist nun von einem „Verteidiger des Raums für Glauben in einem multikonfessionellen Staat“ die Rede. Diese Änderung wurde zum Auslöser einer öffentlichen Debatte.
Der britische Monarch ist zugleich weltliches Oberhaupt der Church of England und trägt den Titel „Supreme Governor of the Church of England“. Deshalb werden Änderungen an seiner religiösen Rolle besonders aufmerksam verfolgt.
Früherer Kaplan von Elizabeth II. kritisiert Charles scharf
Zu den deutlichsten Kritikern zählt Gavin Ashenden, früherer Kaplan von Königin Elizabeth II. Nach seinem Austritt aus der anglikanischen Kirche trat er später zur katholischen Kirche über.
Ashenden wirft dem König vor, sich von seiner historischen Aufgabe zu entfernen. Die neue Formulierung sei aus seiner Sicht ein Bruch mit den Krönungsgelübden und ein „Verrat“ an Amt, christlichem Glauben und den Gläubigen.
Auch das Christian Institute äußert Kritik
Kritik kommt zudem vom britischen Christian Institute. Dessen Direktor Ciarán Kelly erklärte, das Christentum sei die Grundlage von Recht und Kultur des Landes.
Die neue Formulierung könne den Eindruck erwecken, das Christentum sei nur eine Religion unter vielen und alle Glaubensrichtungen seien gleichermaßen gültig. Diese Sichtweise weist die Organisation zurück.
Welche Haltung Charles III. selbst vertritt
Charles III. hatte in den vergangenen Jahren mehrfach betont, er wolle nicht nur die anglikanische Kirche, sondern Gläubige insgesamt schützen. Bei seiner Krönung verwendete er dennoch den traditionellen Titel „Verteidiger des Glaubens“.
Der Titel hat eine lange Geschichte. Er wurde dem englischen König Heinrich VIII. im Jahr 1521 von Papst Leo X. verliehen.
Wer Gavin Ashenden ist
Gavin Ashenden war bis 2017 Kaplan von Königin Elizabeth II. Danach gab er sein Amt auf, um sich öffentlich freier zu Fragen des Christentums äußern zu können.
Später legte er auch seine anglikanische Ordination nieder. 2019 wurde Ashenden in die katholische Kirche aufgenommen und trat seither wiederholt als Kritiker religiöser Entwicklungen innerhalb der britischen Monarchie auf.
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