Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj reist am 28. Juli nach Washington, wo er von US-Präsident Donald Trump empfangen werden soll. Das Treffen findet in einem deutlich veränderten politischen Umfeld statt. In Washington wächst die Bereitschaft, Kiew weiter zu unterstützen, während selbst frühere Ukraine-Kritiker aus dem MAGA-Lager ihre Haltung zunehmend abschwächen. Website Imowell.de berichtet unter Berufung auf tagesschau.
Zuletzt waren Selenskyj und Trump vor wenigen Wochen am Rande des NATO-Gipfels in Ankara zusammengetroffen. Dabei würdigte der US-Präsident ausdrücklich die Fähigkeit der Ukraine, trotz des anhaltenden Krieges moderne Waffensysteme zu entwickeln und in größerer Stückzahl herzustellen.
Nach Angaben von Journalisten brachte Trump zudem die Möglichkeit ins Gespräch, der Ukraine eine Lizenz für die Produktion von Flugabwehrraketen für Patriot-Systeme zu erteilen.
Kurz vor seiner Reise in die USA erklärte Selenskyj in einem Interview mit Sky News, die jüngsten Gespräche mit Trump seien konstruktiv verlaufen.
„Wir hatten wirklich gute Treffen. Der G7-Gipfel verlief sehr gut, ebenso der NATO-Gipfel in Ankara. Deshalb hoffe und erwarte ich, dass sich unsere Beziehungen weiter verbessern“, sagte der ukrainische Präsident.
Die Beziehungen zwischen Kiew und Washington haben sich verändert
Die Haltung der US-Regierung gegenüber der ukrainischen Führung unterscheidet sich inzwischen deutlich von der Situation vor rund eineinhalb Jahren. Bei Selenskyjs damaligem Besuch im Weißen Haus galt seine Verhandlungsposition als schwächer, während die Aussichten auf neue Hilfspakete ungewiss blieben.
Heute signalisiert Washington größere Gesprächsbereitschaft bei Waffenlieferungen, Sanktionen und der langfristigen Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich. Der Kurswechsel zeigt sich nicht nur im Weißen Haus, sondern auch bei Teilen der konservativen Bewegung, die weitere Unterstützung für die Ukraine zuvor entschieden abgelehnt hatten.
Besondere Aufmerksamkeit erhielt zuletzt die Reise der rechten US-Aktivistin Laura Loomer nach Kiew. Sie gilt als Trump nahestehend und räumte in einem Gespräch mit Selenskyj ein, in der Vergangenheit Falschinformationen über die Ukraine verbreitet zu haben.
Loomer erklärte, sie habe zu einer Gruppe republikanischer Unterstützer gehört, die milliardenschwere Hilfen für Kiew angesichts der innenpolitischen Probleme in den Vereinigten Staaten kritisiert habe. Zudem räumte sie ein, sich öffentlich sowohl negativ über die Ukraine als auch über Selenskyj persönlich geäußert zu haben.
Nach ihrem Aufenthalt in der ukrainischen Hauptstadt änderte sie den Ton ihrer Aussagen. Sie zeigte sich beeindruckt von der Widerstandskraft der Bevölkerung und schrieb nach einem weiteren russischen Luftangriff auf der Plattform X, sie schäme sich dafür, das Leid der Ukrainer in den vergangenen Jahren heruntergespielt zu haben.
Selenskyj nimmt an der Trauerfeier für Lindsey Graham teil
Selenskyjs Reise nach Washington steht auch im Zusammenhang mit den Trauerfeierlichkeiten für den verstorbenen republikanischen Senator Lindsey Graham. Kurz vor seinem Tod hatte Graham Kiew besucht und sich dort mit dem ukrainischen Präsidenten getroffen.
Während seines Aufenthalts erklärte der Senator, in Washington werde ein neues umfangreiches Sanktionspaket gegen Russland vorbereitet. Nach seinen Angaben war der Inhalt des Gesetzentwurfs mit dem Weißen Haus abgestimmt, und die Trump-Regierung sei bereit gewesen, ihn zu unterstützen.
Graham wollte nach seiner Rückkehr gemeinsam mit dem demokratischen Senator Richard Blumenthal die Führung beider Parteien dazu bewegen, das Gesetz zur Abstimmung zu bringen.
Der Senator betonte, die neuen Maßnahmen sollten dem US-Präsidenten zusätzliche wirtschaftliche Instrumente geben, um den Druck auf Moskau zu erhöhen und ein Ende des Krieges gegen die Ukraine zu erzwingen.
Selenskyj bezeichnete Graham als einen wahren Verteidiger der Freiheit. Es wird erwartet, dass der ukrainische Präsident während seines Aufenthalts in Washington an der Trauerfeier teilnimmt.
Neue Sanktionen könnten zentrale Bereiche der russischen Wirtschaft treffen
Das in den USA vorbereitete Sanktionspaket sieht weitreichende Beschränkungen gegen große Teile der russischen Wirtschaft vor. Betroffen sein könnten insbesondere der Energie- und Finanzsektor sowie Unternehmen der Rüstungsindustrie.
Weitere Maßnahmen sollen sich gegen russische Oligarchen, einflussreiche Geschäftsleute, ranghohe Beamte und möglicherweise auch gegen Präsident Wladimir Putin persönlich richten.
Darüber hinaus beraten US-Politiker über hohe Zölle für Staaten, die weiterhin russisches Öl und Gas kaufen. Damit soll nicht nur der wirtschaftliche Druck auf Russland selbst steigen, sondern auch auf dessen wichtigste Handelspartner.
Trump hatte zusätzliche Sanktionen lange zurückhaltend beurteilt. Seine jüngsten Äußerungen deuten jedoch darauf hin, dass das Weiße Haus inzwischen offener für neue wirtschaftliche Maßnahmen gegen Moskau ist.
Das Thema Sanktionen dürfte daher zu den wichtigsten Punkten bei den Gesprächen zwischen Selenskyj und Trump gehören.
Die Ukraine fordert zusätzliche Luftverteidigungssysteme
Ein weiterer Schwerpunkt der Gespräche soll die Stärkung der ukrainischen Luftverteidigung sein. Kiew hofft auf zusätzliche Systeme und Abfangraketen, die russische ballistische Raketen bekämpfen können.
Selenskyj erklärte, die Ukraine verfüge inzwischen über eigene Lösungen gegen Drohnen, Marschflugkörper und andere Bedrohungen aus der Luft. Für die Abwehr ballistischer Raketen reichten die vorhandenen Fähigkeiten jedoch weiterhin nicht aus.
„Wir verfügen nicht über genügend Systeme, die ballistische Raketen abfangen können. Die Ukraine hat eigene Lösungen gegen Drohnen und andere Bedrohungen, aber gegen russische ballistische Raketen können wir nicht allein vorgehen. Dafür brauchen wir die Unterstützung unserer Partner“, sagte der Präsident.
In Washington könnten die Seiten über die Lieferung zusätzlicher Patriot-Systeme, weiterer Abfangraketen sowie über eine mögliche Produktion einzelner Komponenten oder Raketen in der Ukraine auf Grundlage einer US-Lizenz sprechen.
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