Ein Flugzeug der Fluggesellschaft Eurowings ist nach einem Blitzschlag zum Abflughafen zurückgekehrt. Der Airbus A320 war auf dem Weg von Stuttgart nach Wien. An Bord befanden sich 106 Passagiere und Besatzungsmitglieder. Die Maschine landete sicher, verletzt wurde niemand. Website Imowell.de berichtet unter Berufung auf fr.de.
Der Vorfall ereignete sich am Donnerstagabend, dem 30. Juli. Rund 40 Minuten nach dem Start entschied sich die Besatzung, den Flug abzubrechen und nach Stuttgart zurückzukehren. Die Landung verlief ohne Zwischenfälle.
Eurowings bestätigte den Vorfall und erklärte, dass zu keinem Zeitpunkt eine unmittelbare Gefahr für die Sicherheit der Passagiere bestanden habe. Nach der Rückkehr wurde das Flugzeug einer technischen Kontrolle unterzogen. Die betroffenen Reisenden wurden auf andere Flüge nach Wien umgebucht.
Warum die Piloten nach Stuttgart zurückkehrten
Die Rückkehr eines Flugzeugs nach einem Blitzschlag gilt als übliche Vorsichtsmaßnahme. Die Besatzung muss sicherstellen, dass der elektrische Strom weder die Außenhaut noch Antennen, Sensoren, Navigationsinstrumente oder andere technische Komponenten beschädigt hat.
Nach Angaben der Fluggesellschaft untersuchten Techniker den Airbus A320 noch am selben Abend. Das Flugzeug sollte voraussichtlich bereits am folgenden Tag wieder eingesetzt werden.
Selbst wenn im Cockpit keine Störung angezeigt wird, muss eine Maschine nach einem Blitzschlag in der Regel am Boden kontrolliert werden. Mögliche Schäden sind während des Fluges nicht immer erkennbar. Häufig handelt es sich lediglich um kleine Spuren am Rumpf, Beschädigungen der Lackierung oder Defekte an außenliegenden Bauteilen.
Wie gefährlich ist ein Blitzschlag für ein Passagierflugzeug?
Das Luftfahrt-Bundesamt weist darauf hin, dass die Folgen eines Blitzschlags sehr unterschiedlich ausfallen können. In manchen Fällen bemerken Besatzung und Passagiere den Einschlag kaum. In anderen Situationen können einzelne Instrumente vorübergehend ausfallen oder technische Bauteile beschädigt werden.
Moderne Passagierflugzeuge sind für solche Ereignisse konstruiert. Der metallische Rumpf funktioniert nach dem Prinzip eines Faradayschen Käfigs: Der elektrische Strom fließt über die Außenhülle des Flugzeugs und tritt an einer anderen Stelle wieder aus, ohne in die Passagierkabine einzudringen.
Menschen an Bord können einen lauten Knall hören oder einen grellen Lichtblitz sehen. In den meisten Fällen beschränken sich die Folgen jedoch auf Brandspuren, Schäden an der Lackierung oder kleinere Defekte an der Außenhaut.
Das Luftfahrt-Bundesamt bewertet die Wahrscheinlichkeit eines Flugzeugabsturzes infolge eines Blitzschlags als äußerst gering. Ein vollständiger Ausfall aller Systeme ist theoretisch möglich, gilt aber als ausgesprochen unwahrscheinlich.
Flugzeuge werden regelmäßig von Blitzen getroffen
Blitzeinschläge in Flugzeuge kommen wesentlich häufiger vor, als viele Passagiere vermuten. Nach Angaben der US-Luftfahrtbehörde FAA wird jedes kommerzielle Flugzeug im Durchschnitt etwa einmal pro Jahr von einem Blitz getroffen.
Rund 96 Prozent dieser Ereignisse ereignen sich beim Flug durch Wolken. Besonders häufig kommt es während des Steigflugs oder des Sinkflugs zu Blitzschlägen, wenn die Maschine elektrisch aufgeladene Wolkenschichten durchquert.
In einer Flughöhe von mehr als 6000 Metern sinkt das Risiko deutlich. Die Wahrscheinlichkeit hängt jedoch stark von der Region und der Wetterlage ab. In Gebieten mit häufigen tropischen Gewittern, etwa in Südostasien, treten Blitzschläge entsprechend häufiger auf als in Mitteleuropa.
Piloten wird empfohlen, aktive Gewitterzonen möglichst in einem Abstand von etwa 50 bis 60 Kilometern zu umfliegen. Vollständig vermeiden lassen sich solche Vorfälle dennoch nicht. In bestimmten Fällen kann das Flugzeug selbst durch seine Position in der elektrisch geladenen Atmosphäre einen Blitzschlag begünstigen.
Wie moderne Flugzeuge vor Blitzschlägen geschützt werden
Ein zentraler Bestandteil des Sicherheitskonzepts ist die mehrfache Absicherung wichtiger Systeme. In Passagierflugzeugen sind zentrale Sensoren, Kommunikationskanäle, Navigationssysteme, Stromversorgung und Teile der Bordelektronik redundant ausgelegt.
Fällt eine Komponente aus, können Ersatzsysteme deren Funktion übernehmen. Dadurch bleibt das Flugzeug auch bei einzelnen technischen Störungen steuerbar, und die Besatzung kann den Flug sicher beenden.
Zusätzliche Schutzmaßnahmen sind bei Flugzeugen erforderlich, deren Rumpf überwiegend aus Verbundwerkstoffen besteht. Diese Materialien leiten Strom schlechter als Aluminium. Deshalb werden spezielle Metallverbindungen und Kupfernetze in die Außenhaut integriert.
Solche Konstruktionen kommen unter anderem beim Airbus A350 und bei der Boeing 787 zum Einsatz. Die Schutzschichten verteilen den elektrischen Strom über die Oberfläche des Flugzeugs und verringern das Risiko, dass interne Systeme beschädigt werden.
Haben Passagiere Anspruch auf Entschädigung?
Die Rückkehr nach Stuttgart führte für die 106 Passagiere und Besatzungsmitglieder zu einer Verzögerung ihrer Reise. Ein automatischer Anspruch auf eine finanzielle Entschädigung besteht in solchen Fällen jedoch nicht immer.
Nach der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs kann ein Blitzschlag als außergewöhnlicher Umstand eingestuft werden, den eine Fluggesellschaft weder kontrollieren noch durch zumutbare Maßnahmen verhindern kann. Daher muss die Airline in der Regel keine pauschale Ausgleichszahlung leisten, wenn die Verspätung ausschließlich durch einen Blitzschlag verursacht wurde.
Die Fluggesellschaft ist jedoch verpflichtet, die Weiterbeförderung der Passagiere zu organisieren. Die Eurowings-Kunden, die Wien nicht wie geplant erreichten, wurden auf andere Flüge umgebucht.
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