Der tote Buckelwal, der im Greifswalder Bodden vor der Insel Rügen entdeckt wurde, wies keine sichtbaren Verletzungen durch Schiffsschrauben oder Fischernetze auf. Das Tier befand sich jedoch in einem schlechten Ernährungszustand. Wissenschaftler des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund untersuchen den Kadaver weiter, um die genaue Todesursache zu klären. Website Imowell.de berichtet unter Berufung auf web.de.
Die ersten Ergebnisse stammen aus der Obduktion, die am Freitagnachmittag begonnen hatte. Das Tier war rund zehn Meter lang und wog etwa sieben Tonnen. Geschlecht und genaues Alter konnten zunächst noch nicht bestimmt werden.
Todesursache des Wals weiterhin unklar
Bei der äußeren Untersuchung fanden die Forscher keine typischen Verletzungen, die auf eine Kollision mit einem Schiff oder auf ein Verfangen in Fischernetzen hindeuten würden. Gleichzeitig zeigte sich, dass der Wal schlecht ernährt war.
Diese Befunde reichen bislang nicht aus, um die Todesursache festzustellen. Auch ist noch unklar, ob das Tier an Krankheiten oder anderen gesundheitlichen Problemen litt, die zu seinem Tod beigetragen haben könnten.
Die Obduktion begann am Freitagnachmittag und dauerte bis zum Sonnenuntergang. In weiteren Untersuchungsschritten sollen die inneren Organe entnommen und Gewebeproben für Laboranalysen gesichert werden.
Erst diese Untersuchungen könnten genauere Hinweise auf den Gesundheitszustand des Buckelwals vor seinem Tod liefern. Das Deutsche Meeresmuseum will nach Abschluss der Analysen weitere Ergebnisse veröffentlichen.
Wissenschaftler arbeiteten bei rund 30 Grad Hitze
Die Untersuchung fand unter schwierigen Bedingungen statt. Rund 15 Wissenschaftler arbeiteten unter freiem Himmel bei Temperaturen von etwa 30 Grad. Direkt am Untersuchungsort gab es kaum Schatten, weshalb regelmäßig Pausen eingelegt werden mussten.
Die hohen Temperaturen beschleunigten zugleich die Verwesung des Kadavers. Rund um das Tier breitete sich ein intensiver, süßlich-fauliger Geruch aus, während sich im Körper bereits große Mengen an Verwesungsgasen gebildet hatten.
Besonders deutlich war dies an der stark aufgeblähten Zunge des Meeressäugers. Als sie geöffnet wurde, entwichen die angesammelten Gase. Selbst erfahrene Beobachter mussten sich nach Angaben aus Stralsund kurzzeitig zurückziehen.
Der Zustand des Kadavers hängt auch damit zusammen, dass sich das Tier nach seinem Tod zunächst im Wasser befand und anschließend hohen Temperaturen sowie direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt war.
Handelt es sich um denselben Wal, der zuletzt mehrfach in der Ostsee gesichtet wurde?
Eine weitere offene Frage betrifft die Identität des Tieres. In den vergangenen Wochen war mehrfach ein Buckelwal in verschiedenen Regionen der Ostsee beobachtet worden.
Zunächst wurde ein Tier vor Kiel gesichtet. Später gab es Beobachtungen weiter östlich, unter anderem im Hafenbereich von Wismar sowie vor dem Ostseebad Wustrow. Zuletzt wurde ein Buckelwal auch vor der polnischen Küste bei Międzyzdroje gemeldet.
Ob es sich dabei um dasselbe Tier handelt, das später tot vor Rügen gefunden wurde, können die Wissenschaftler bislang nicht bestätigen.
Um dies zu klären, sollen Aufnahmen früherer Sichtungen ausgewertet und mit den individuellen Merkmalen des toten Wals verglichen werden.
Eine wichtige Rolle spielt dabei die Schwanzflosse. Form, Zeichnung und Pigmentierung sind bei Buckelwalen individuell und können zur Identifizierung einzelner Tiere genutzt werden.
Sollte der Wal bereits in einer internationalen Datenbank erfasst worden sein, könnten entsprechende Vergleichsbilder Hinweise auf seine Herkunft und bisherigen Wanderbewegungen liefern.
Das Deutsche Meeresmuseum will auch hierzu nach Abschluss der Untersuchungen weitere Angaben machen.
Buckelwale gelangen nur selten in die Ostsee
Das Auftreten eines Buckelwals in der Ostsee gilt weiterhin als ungewöhnlich. Die Tiere leben vor allem in ozeanischen Gewässern, während die Ostsee mit ihrem vergleichsweise geringen Salzgehalt nicht zu ihrem typischen Lebensraum gehört.
Dennoch gelangen einzelne Buckelwale immer wieder durch die dänischen Meerengen in die Ostsee und können dort große Entfernungen zurücklegen.
Der Direktor des Deutschen Meeresmuseums, Burkard Baschek, verwies auf historische Daten zu Walfunden in der Ostsee. Demnach gab es über einen Zeitraum von rund 150 Jahren kaum entsprechende Nachweise.
Als wesentlicher Grund gilt der starke Rückgang der Walbestände infolge des kommerziellen Walfangs. Seit 1986 gilt ein internationales Moratorium für den kommerziellen Walfang. Seither haben sich einige Buckelwalpopulationen im Nordatlantik wieder deutlich erholt.
Mit steigenden Beständen erhöht sich zugleich die Wahrscheinlichkeit, dass einzelne Tiere außerhalb ihrer üblichen Verbreitungsgebiete auftauchen und auch in die Ostsee gelangen.
Bereits der zweite Buckelwal in der Region in diesem Jahr
Der aktuelle Fund ist bereits der zweite Fall eines Buckelwals in den Küstengewässern Mecklenburg-Vorpommerns im Jahr 2026.
Im Frühjahr war ein etwa zwölf Meter langer Buckelwal bei der Insel Poel nahe Wismar gestrandet. Das Tier wurde von vielen Beobachtern Timmy oder Hope genannt und sorgte bundesweit für Aufmerksamkeit.
Damals wurde eine aufwendige Aktion organisiert, um den Wal in Richtung Nordsee zu transportieren. Die Maßnahme wurde öffentlich kontrovers diskutiert, unter anderem wegen ihrer hohen Kosten und der schwierigen Durchführung.
Trotz der Rettungsaktion wurde das Tier wenige Tage später tot an der dänischen Insel Anholt gefunden.
Nun prüfen die Wissenschaftler auch, ob zwischen den jüngsten Sichtungen von Buckelwalen in der Ostsee und dem aktuellen Fund vor Rügen Zusammenhänge bestehen könnten.
Wal vermutlich wenige Stunden vor dem Fund gestorben
Das tote Tier wurde am Donnerstagmorgen nahe der Südspitze der Insel Rügen entdeckt. Der Buckelwal trieb dabei auf dem Rücken im Wasser.
Nach Einschätzung des Meeresmuseums war das Tier zu diesem Zeitpunkt bereits seit mehreren Stunden tot. Es könnte demnach in der Nacht oder am frühen Morgen verendet sein.
Nach ihrem Tod sinken große Wale zunächst häufig relativ schnell ab. Im Verlauf der Verwesung entstehen jedoch Gase im Körper, die den Kadaver wieder auftreiben und stark aufblähen können.
Genau diese Veränderungen beobachteten die Experten auch bei dem im Greifswalder Bodden gefundenen Buckelwal. Die hohen Temperaturen beschleunigten die Verwesungsprozesse zusätzlich.
Eine endgültige Todesursache soll erst nach der Untersuchung der inneren Organe und der Laborproben genannt werden. Bis dahin wollen die Forscher weder eine Erkrankung noch eine Verletzung oder Unterernährung als direkte Todesursache festlegen.
Lesen Sie auch: Gefährlicher Fund am Strand von Büsum: Tourist entdeckt Weltkriegsmunition
