Die frühere Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Ricarda Lang, hat über die inneren Zweifel gesprochen, die sie nach ihrem deutlichen Gewichtsverlust begleiteten. Die Politikerin nahm rund 40 Kilogramm ab, vor allem aus gesundheitlichen Gründen. Gleichzeitig fürchtete sie, dass ihre Entscheidung als Abkehr von den Ideen der Body-Positivity-Bewegung verstanden werden könnte. Website Imowell.de berichtet unter Berufung auf rp-online.
Ricarda Lang spricht über ihr schwieriges Verhältnis zum eigenen Körper
Über ihre persönlichen Erfahrungen berichtete die Bundestagsabgeordnete in einer neuen Folge des Podcasts „Glow Up Your Life“ mit Moderatorin Katja Burkard. Lang räumte ein, dass die Themen Sport, Ernährung, Gesundheit und Aussehen bei ihr über viele Jahre Scham und Ängste ausgelöst hätten.
Nach Angaben der Politikerin war sie bereits als Jugendliche übergewichtig. Der Sportunterricht gehörte für sie zu den unangenehmsten Erinnerungen an ihre Schulzeit. Wegen dieser negativen Erfahrungen habe sie Gespräche über Bewegung und einen bewussten Umgang mit dem eigenen Körper lange vermieden.
Lang gestand außerdem, dass sie den Wunsch abzunehmen früher als etwas betrachtete, das ihren feministischen Überzeugungen widerspreche. Sie war der Ansicht, ein Mensch dürfe nicht auf seinen Körper reduziert werden und sollte sich nicht von der Bewertung anderer abhängig machen.
Heute bezeichnet die Politikerin diese Haltung als falsch. Sich um die eigene körperliche Verfassung zu kümmern, bedeute aus ihrer Sicht nicht, die eigenen Werte aufzugeben. Ein gesunder Körper könne vielmehr helfen, auch andere schwierige Lebenssituationen besser zu bewältigen.
Die Politikerin fürchtete, Anhängerinnen der Body-Positivity-Bewegung zu enttäuschen
Die größten Zweifel von Ricarda Lang bezogen sich auf Frauen, die sie als Vorbild für eine öffentliche Person mit einer kräftigeren Figur sahen. Sie erhielt regelmäßig Nachrichten von Unterstützerinnen, die ihr schrieben, dass ihre Sichtbarkeit in der Politik ihnen mehr Selbstvertrauen gebe.
Deshalb löste die Entscheidung, ihr Gewicht zu verändern, bei ihr Schuldgefühle aus. Die Politikerin fragte sich, ob sie anderen Frauen damit ein wichtiges Symbol nehme und ein Bild zerstöre, mit dem sich viele identifiziert hätten.
„Enttäusche ich diese Menschen? Nehme ich ihnen ein Vorbild?“, beschrieb Lang ihre damaligen Gedanken.
Ähnliche Zweifel begleiteten sie auch während des Abnehmens. Die Bundestagsabgeordnete befürchtete, ihre Geschichte könnte als Beleg dafür dargestellt werden, dass Erfolg und gesellschaftliche Anerkennung vom Aussehen abhängen.
„Manchmal denke ich: Mein Gott, habe ich diese Frauen verraten? Bin ich zu einer Person geworden, durch die andere glauben, sie hätten erst durch das Abnehmen etwas erreicht?“, sagte sie.
Die Reaktionen auf Ricarda Langs Gewichtsverlust waren überwiegend positiv
Nach Angaben der Politikerin fiel die Mehrheit der Reaktionen auf ihr verändertes Aussehen freundlich aus. Viele Menschen hätten sich für sie gefreut und ihren Wunsch unterstützt, stärker auf ihre Gesundheit zu achten.
Für einen Teil ihrer Anhänger wurde der Gewichtsverlust ebenfalls zu einer Motivation. Sie sahen Lang weiterhin als Vorbild, allerdings nicht mehr wegen eines bestimmten Körpergewichts, sondern wegen ihrer Entscheidung, verantwortungsvoller mit dem eigenen Wohlbefinden umzugehen.
Die Politikerin betonte, dass sie sich heute weniger an den Erwartungen anderer Menschen orientieren wolle. Die eigene Gesundheit müsse wichtiger sein als gesellschaftliche Vorstellungen darüber, wie jemand auszusehen habe.
Lang erklärte zudem, dass ihre Gewichtsabnahme keine Abkehr von der Unterstützung für Menschen mit unterschiedlichen Körperformen bedeute. Gleichzeitig wolle sie ihren eigenen Wert nicht länger über ihr Aussehen oder über eine Symbolrolle definieren, die andere ihr zugeschrieben hätten.
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