Der deutsche Hersteller von Kinderfahrzeugen, der seine Produkte unter der Marke Rolly Toys vertrieben hat, stellt seine Geschäftstätigkeit endgültig ein. Das Unternehmen Franz Schneider GmbH & Co. KG mit Sitz in Neustadt bei Coburg wird zum 31. Dezember 2026 geschlossen. Website Imowell.de berichtet unter Berufung auf t-online.
Die Entscheidung fiel, nachdem weder ein Investor gefunden noch ein tragfähiges Sanierungskonzept umgesetzt werden konnte. Zuvor hatte das Unternehmen Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet.
Das Rolly-Toys-Werk konnte nicht gerettet werden
Die Unternehmensleitung hatte gemeinsam mit Restrukturierungsexperten mehrere Monate lang nach Möglichkeiten gesucht, den Betrieb fortzuführen. Dazu gehörten Gespräche mit potenziellen Investoren und Geschäftspartnern. Eine Lösung für den Erhalt des Produktionsstandorts in Neustadt kam jedoch nicht zustande.
Firmeninhaber Frank Schneider bestätigte die endgültige Schließung des Werks. Seinen Angaben zufolge sei der Produktionsstandort nicht mehr zu retten. Mit dem Aus gehe zugleich ein bedeutender Teil deutscher Spielzeuggeschichte verloren.
Das Unternehmen soll noch bis Ende 2026 weiterarbeiten. Danach wird der Betrieb vollständig eingestellt. Die Produktionsanlagen in Neustadt werden anschließend nicht mehr für die Herstellung von Rolly-Toys-Produkten genutzt.
Mehr als 110 Beschäftigte verlieren ihre Arbeit
Von der Schließung sind mehr als 110 Mitarbeiter betroffen. Viele von ihnen sind zwischen 50 und 62 Jahre alt. Für diese Beschäftigten könnte es besonders schwierig werden, nach dem Ende des Unternehmens eine neue Stelle zu finden.
Die Geschäftsleitung arbeitet nach eigenen Angaben an einer zusätzlichen Prämie für Mitarbeiter, die bis zum letzten Betriebstag im Unternehmen bleiben. Konkrete Bedingungen und die mögliche Höhe der Zahlung wurden bislang nicht bekannt gegeben.
Bis Ende Dezember sollen die Beschäftigten weiterhin bestehende Aufträge bearbeiten und den laufenden Betrieb sicherstellen. Danach enden die Arbeitsverhältnisse für den überwiegenden Teil der Belegschaft.
Die Marke Rolly Toys soll erhalten bleiben
Trotz der Werksschließung soll die Marke Rolly Toys nicht vom Markt verschwinden. Nach bisherigen Informationen wollen zwei Unternehmen die Produktion von Go-Karts, Schlitten, Trettraktoren und weiteren Kinderfahrzeugen unter dem bekannten Markennamen fortsetzen.
Die Herstellung soll an einen anderen Standort verlagert werden. Welche Unternehmen die Markenrechte übernehmen und die Produktion weiterführen könnten, wurde bisher nicht offiziell bekannt gegeben.
Die Insolvenz der Franz Schneider GmbH & Co. KG bedeutet damit das Ende des Werks in Neustadt, nicht zwangsläufig jedoch das Ende der Marke Rolly Toys.
Warum der Spielzeughersteller insolvent wurde
Als wichtige Ursache der finanziellen Probleme nannte das Unternehmen die stark gestiegenen Energiekosten nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Auch höhere Preise für Materialien, Bauteile und Beschaffung belasteten die Produktion.
Zusätzlichen Druck erzeugte die Konkurrenz durch chinesische Hersteller, die vergleichbare Produkte häufig günstiger anbieten können. Auch US-Zölle wirkten sich negativ auf Kosten und Absatz des Unternehmens aus.
Ein weiterer schwerer Rückschlag war der Verlust eines bedeutenden Auftraggebers. Im vergangenen Jahr beendete das Unternehmen die Zusammenarbeit mit seinem zweitgrößten Kunden. Dadurch gingen Bestellungen und Einnahmen deutlich zurück.
Das Zusammenwirken dieser Faktoren verschärfte die wirtschaftliche Lage. Weder die Insolvenz in Eigenverwaltung noch die Suche nach Investoren konnten den Betrieb langfristig stabilisieren.
Das Unternehmen bestand seit 1938
Die Franz Schneider GmbH & Co. KG wurde 1938 gegründet. Mit der Produktion von Trettraktoren begann das Unternehmen im Jahr 1966. Später wurde das Sortiment an Kinderfahrzeugen schrittweise erweitert.
Unter der Marke Rolly Toys stellte das Unternehmen unter anderem Trettraktoren, Go-Karts, Anhänger, Schlitten und weiteres Spielzeug her. Die Produkte wurden nicht nur in Deutschland, sondern auch auf internationalen Märkten verkauft.
Zuletzt produzierte das Werk jährlich rund 250.000 Kinderfahrzeuge. Nach 88 Jahren Geschäftstätigkeit endet der Betrieb am 31. Dezember 2026.
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