Das deutsche Verbrauchermagazin Öko-Test hat 30 Olivenöle der Kategorie „nativ extra“ untersucht, die in Supermärkten und Discountern erhältlich sind. Die Ergebnisse zeigen, dass weder ein hoher Preis noch ein Bio-Siegel automatisch für einwandfreie Qualität stehen. Nur zwei Produkte erhielten die Gesamtnote „sehr gut“, während sieben Öle mit „mangelhaft“ bewertet wurden. Im Labor wurden unter anderem Sensorik, Pestizidrückstände, Mineralölbestandteile und weitere unerwünschte Stoffe untersucht. Website Imowell.de berichtet unter Berufung auf ruhr24.
Nur zwei Olivenöle erhalten die Bestnote
Zu den Testsiegern gehören zwei Produkte. Das italienische native Olivenöl extra von Rapunzel für rund 19,78 Euro pro Liter und das Bio-Olivenöl nativ extra von Aldi für etwa 9,27 Euro pro Liter erhielten jeweils die Bewertung „sehr gut“.
Die Prüfer bewerteten Aussehen, Geruch, Geschmack und Konsistenz besonders positiv. Gleichzeitig zeigt das Ergebnis, dass ein niedrigerer Preis nicht automatisch eine schlechtere Qualität bedeutet: Das Aldi-Produkt kostet ungefähr halb so viel wie das Öl von Rapunzel.
Auch das K-Classic Olivenöl nativ extra von Kaufland für rund 7,99 Euro pro Liter schnitt vergleichsweise gut ab. Abzüge gab es allerdings wegen Spuren von zwei Pestiziden.
Sieben Olivenöle fallen im Test durch
Sieben der 30 untersuchten Produkte entsprachen laut Öko-Test nicht ausreichend den Anforderungen an die Qualitätsklasse „nativ extra“ und erhielten die Note „mangelhaft“. Auffällig ist, dass sechs davon Bio-Produkte waren.
Ein wesentlicher Grund für die schlechten Bewertungen waren Fehler bei Geruch und Geschmack. Vier Öle wirkten ranzig und erinnerten sensorisch an altes Fett. Drei weitere Produkte wiesen muffige oder gärige Geschmacksnoten auf.
Solche Fehler können entstehen, wenn Oliven vor der Verarbeitung zu lange oder unter ungünstigen Bedingungen gelagert werden und bereits vor dem Pressen Gärprozesse einsetzen.
Zu den schwach bewerteten Produkten gehörte das Bio Bio Olivenöl nativ extra von Netto für rund 9,27 Euro pro Liter.
Was bedeutet „nativ extra“ bei Olivenöl?
Olivenöl der höchsten Güteklasse muss ausschließlich mit mechanischen Verfahren aus qualitativ geeigneten Oliven gewonnen werden. Eine chemische Behandlung ist bei dieser Kategorie nicht vorgesehen. Zur Ölgewinnung kommen in der Regel Press- und Zentrifugierverfahren zum Einsatz.
Auch die Verarbeitungstemperatur spielt eine wichtige Rolle, da zu starke Erwärmung Aroma und Inhaltsstoffe beeinträchtigen kann.
Der Anteil freier Fettsäuren darf bei Olivenöl nativ extra höchstens 0,8 Gramm pro 100 Gramm Öl betragen. Neben diesem chemischen Wert sind auch Geschmack, Geruch und das Fehlen sensorischer Fehler entscheidend.
Das Öl eignet sich unter anderem für Salate, Gemüse, Marinaden, Saucen sowie Fleisch- und Fischgerichte, bei denen sein Aroma besonders zur Geltung kommt.
Pestizide in zahlreichen Proben nachgewiesen
Ein weiterer Schwerpunkt des Tests war die Untersuchung auf Rückstände von Pflanzenschutzmitteln. Das Labor fand in fast allen konventionellen Olivenölen mehrere unterschiedliche Substanzen. Auch in vier Bio-Produkten wurden Pestizidrückstände festgestellt.
Besonders schlecht schnitt in diesem Punkt das Bellasan Olivenöl nativ extra von Aldi für etwa 7,99 Euro pro Liter ab. In der Probe wurden Rückstände von sechs verschiedenen Pestiziden nachgewiesen.
Öko-Test kritisiert insbesondere Fälle, in denen mehrere Wirkstoffe gleichzeitig in einem Lebensmittel vorkommen. Die möglichen Wechselwirkungen solcher Stoffgemische sind deutlich weniger gut untersucht als die Wirkung einzelner Substanzen.
Der Nachweis von Pestizidrückständen bedeutet allerdings nicht automatisch, dass gesetzliche Grenzwerte überschritten wurden. Für die Bewertung von Öko-Test fließen mehrere Kriterien zusammen.
Zwei Fungizide stehen besonders im Fokus
Unter den nachgewiesenen Stoffen wurden Difenoconazol und Tebuconazol besonders hervorgehoben. Beide Wirkstoffe gehören zu den Fungiziden und werden in der Landwirtschaft zur Bekämpfung von Pilzkrankheiten eingesetzt.
Öko-Test bewertet solche Rückstände kritisch, weil bei der toxikologischen Beurteilung unter anderem mögliche Auswirkungen auf die Fortpflanzung sowie weitere gesundheitliche Risiken diskutiert werden.
Die Ergebnisse unterstreichen nach Einschätzung des Verbrauchermagazins die Bedeutung einer konsequenten Kontrolle von Rückständen aus Pflanzenschutzmitteln.
Mineralölbestandteile in allen 30 Proben
Die Probleme beschränkten sich nicht auf Pestizide. In allen untersuchten Olivenölen wurden Bestandteile von Mineralöl nachgewiesen.
Solche Stoffe können während verschiedener Produktionsschritte in das Öl gelangen, beispielsweise durch den Kontakt mit Schmierstoffen, Maschinen oder bestimmten Verpackungsmaterialien.
Besondere Aufmerksamkeit gilt den aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffen, kurz MOAH. Einige Vertreter dieser Stoffgruppe können genotoxische und krebserregende Eigenschaften besitzen.
In vier der untersuchten Öle wurden erhöhte Mengen solcher Verbindungen festgestellt, was sich negativ auf die Gesamtbewertung auswirkte.
Weichmacher in fünf Bio-Olivenölen gefunden
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft Dibutylphthalat, kurz DBP. Dieser Weichmacher wurde in fünf Bio-Produkten nachgewiesen.
Solche Stoffe können beispielsweise über ungeeignete Kunststoffschläuche, Dichtungen oder andere Bestandteile von Produktionsanlagen in pflanzliche Öle gelangen.
DBP gehört zu den Stoffen, die sich negativ auf die Fortpflanzungsfähigkeit auswirken können. In der Europäischen Union ist seine Verwendung in bestimmten Materialien, die mit pflanzlichen Ölen in Kontakt kommen, entsprechend eingeschränkt.
Die Testergebnisse zeigen damit, dass auch Bio-Produkte nicht grundsätzlich vor Verunreinigungen geschützt sind, die während Produktion, Verarbeitung oder Abfüllung entstehen können.
Wann ist Olivenöl im Handel besonders frisch?
Die Frische hat großen Einfluss auf Geschmack und Aroma von Olivenöl. Öle aus der neuen Ernte kommen in Europa meist in den ersten Monaten des Jahres in den Handel. Im ersten Quartal ist deshalb die Wahrscheinlichkeit höher, ein besonders frisches Produkt zu kaufen.
Neben dem Mindesthaltbarkeitsdatum lohnt sich ein Blick auf das Ernte- oder Abfülldatum, sofern der Hersteller diese Angaben auf der Verpackung nennt.
Zu Hause sollte Olivenöl gut verschlossen, dunkel und möglichst kühl gelagert werden. Temperaturen von etwa 15 bis 20 Grad Celsius sind in der Regel geeignet.
Direkt neben dem Herd oder auf einer sonnigen Fensterbank oxidiert das Öl schneller und verliert an Aroma. Eine dauerhafte Lagerung im Kühlschrank ist ebenfalls nicht notwendig, da das Öl bei niedrigen Temperaturen trüb werden oder teilweise auskristallisieren kann.
Große Qualitätsunterschiede im Olivenöl-Test
Von den 30 geprüften Olivenölen erhielten nur zwei die Bewertung „sehr gut“, während sieben Produkte mit „mangelhaft“ abschnitten. Unter den schwachen Ölen befanden sich sowohl preisgünstige als auch Bio-Produkte.
Die Untersuchung zeigte außerdem Belastungen mit Pestiziden, Mineralölkohlenwasserstoffen und Weichmachern. Beim Bellasan Olivenöl nativ extra von Aldi wurden mit sechs unterschiedlichen Pestiziden besonders viele Wirkstoffe nachgewiesen.
Die vollständigen Ergebnisse sind bei Öko-Test veröffentlicht.
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