Die Europäische Kommission hat Wegovy in Tablettenform zugelassen. Damit steht in der Europäischen Union erstmals ein oral einzunehmendes GLP-1-Medikament zur Verfügung, das ausdrücklich zur Gewichtskontrolle bestimmt ist. Die neue Darreichungsform richtet sich insbesondere an Patientinnen und Patienten, denen regelmäßige Injektionen schwerfallen oder die Angst vor Nadeln haben. Die Website Imowell.de berichtet unter Berufung auf tagesschau.
Die Tabletten enthalten denselben Wirkstoff wie das bekannte Wegovy-Präparat zur Injektion. Allerdings müssen sie täglich und nach strengen Vorgaben eingenommen werden. Wegovy bleibt auch als Tablette ein verschreibungspflichtiges Medikament zur Behandlung von Adipositas und ist nicht für Menschen gedacht, die ohne medizinische Indikation kurzfristig einige Kilogramm verlieren möchten.
Die Europäische Arzneimittel-Agentur hatte zuvor empfohlen, Wegovy-Tabletten in vier Dosierungen zuzulassen: 1,5, 4, 9 und 25 Milligramm. Die endgültige Genehmigung durch die Europäische Kommission wurde am 15. Juli 2026 bekannt gegeben.
Worin sich Wegovy als Tablette von der Spritze unterscheidet
Die wichtigste Gemeinsamkeit beider Wegovy-Formen liegt im Wirkstoff. Sowohl die Tablette als auch die Injektionslösung enthalten Semaglutid, ein synthetisch hergestelltes Analogon des Darmhormons GLP-1. Dieses Hormon ist an der Regulierung des Appetits beteiligt, verlangsamt die Magenentleerung und sorgt dafür, dass das Sättigungsgefühl länger anhält.
Der Körper reagiert grundsätzlich unabhängig davon auf Semaglutid, ob der Wirkstoff gespritzt oder geschluckt wird. Der wesentliche Unterschied betrifft nicht den Wirkmechanismus, sondern die Dosierung, die Aufnahme in den Körper und den Einnahmerhythmus.
Wegovy als Injektion wird einmal pro Woche unter die Haut gespritzt. Die Tablette muss dagegen jeden Tag eingenommen werden, weil über den Verdauungstrakt nur ein kleiner Teil des Wirkstoffs in den Blutkreislauf gelangt.
Deshalb liegt die maximale Dosierung der Tablettenform deutlich höher: bei 25 Milligramm täglich gegenüber 2,4 Milligramm Semaglutid pro Woche bei der Injektion. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Tablette automatisch stärker wirkt. Ein großer Teil des geschluckten Wirkstoffs wird vom Körper nicht aufgenommen.
Wie wirksam ist das Medikament beim Abnehmen?
Klinische Studien zeigen, dass Semaglutid in Tablettenform eine Gewichtsabnahme ermöglichen kann, die mit den Ergebnissen einer Injektionstherapie vergleichbar ist. Der tatsächliche Erfolg hängt jedoch von der Dosierung, der korrekten Einnahme und der Dauer der Behandlung ab.
An der Studie OASIS 4 nahmen Erwachsene mit Adipositas oder Übergewicht und mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung teil. Die Teilnehmenden, die täglich 25 Milligramm Semaglutid erhielten, verloren innerhalb von 64 Wochen im Durchschnitt rund 13,6 Prozent ihres ursprünglichen Körpergewichts. Dabei wurden auch Personen berücksichtigt, die die Behandlung vorzeitig abbrachen.
Unter den Patientinnen und Patienten, die sich vollständig an die vorgesehene Therapie hielten, lag die durchschnittliche Gewichtsabnahme bei 16,6 Prozent. Mehr als ein Drittel verlor mindestens 20 Prozent des Ausgangsgewichts.
Die Ergebnisse mit injizierbarem Semaglutid unterscheiden sich je nach Studie. In Untersuchungen zu Wegovy lag die durchschnittliche Gewichtsreduktion meist bei etwa 15 bis 17 Prozent innerhalb von 68 Wochen. In einzelnen Studien mit höheren Dosierungen oder konsequenter Therapietreue näherten sich die Werte 19 Prozent.
In allen Studien wurde das Medikament nicht isoliert eingesetzt. Die Teilnehmenden sollten zugleich ihre Kalorienzufuhr reduzieren und sich mehr bewegen. Die Studienergebnisse sind deshalb keine Garantie dafür, dass jede behandelte Person in gleichem Umfang abnimmt.
Warum die Tablette nüchtern eingenommen werden muss
Die Tablettenform erfordert deutlich mehr Disziplin als eine wöchentliche Injektion. Das Medikament muss morgens auf nüchternen Magen und mit einer kleinen Menge Wasser eingenommen werden. Danach darf mindestens 30 Minuten lang weder gegessen noch getrunken werden. Auch andere Medikamente dürfen in diesem Zeitraum nicht eingenommen werden.
Der Grund liegt in den chemischen Eigenschaften von Semaglutid. Der Wirkstoff ist eine Peptidverbindung, die durch Magensäure und Verdauungsenzyme abgebaut werden kann. Ohne besonderen Schutz würde ein erheblicher Teil der Substanz seine Wirkung verlieren, bevor sie in den Blutkreislauf gelangt.
Die Tablette enthält deshalb einen speziellen Hilfsstoff, der im Magen vorübergehend günstige Bedingungen für die Aufnahme von Semaglutid über die Magenschleimhaut schafft. Nahrung, Kaffee, Saft, große Mengen Wasser oder andere Arzneimittel können dieses empfindliche Milieu verändern und die Aufnahme des Wirkstoffs verringern.
Wer die Einnahmevorschriften nicht einhält, kann deutlich weniger Wirkstoff aufnehmen als vorgesehen. Die Wirkung kann dadurch selbst bei täglicher Einnahme spürbar nachlassen.
Bei der Injektion bestehen diese Einschränkungen nicht. Sie kann unabhängig von Mahlzeiten und Tageszeit verabreicht werden, solange der wöchentliche Abstand eingehalten wird.
Für wen Wegovy als Tablette geeignet ist
Die Tablettenform ist für erwachsene Patientinnen und Patienten mit Adipositas zugelassen. In der Regel gilt ein Body-Mass-Index von mindestens 30 Kilogramm pro Quadratmeter als Voraussetzung.
Das Medikament kann auch für Erwachsene mit einem BMI ab 27 infrage kommen, wenn mindestens eine Begleiterkrankung vorliegt, die mit Übergewicht zusammenhängt. Dazu zählen unter anderem Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, obstruktive Schlafapnoe und bestimmte Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Über die Verordnung entscheidet eine Ärztin oder ein Arzt nach Prüfung des Körpergewichts, bestehender Erkrankungen, anderer Medikamente und möglicher Gegenanzeigen. Die Angst vor Spritzen allein ist keine eigenständige medizinische Indikation.
Die Tablettenform von Wegovy ist nur für Erwachsene zugelassen. Die injizierbare Variante kann in der Europäischen Union unter bestimmten Voraussetzungen auch bei Jugendlichen ab zwölf Jahren mit Adipositas eingesetzt werden.
Besonders relevant könnte die neue Form für Menschen sein, die eine Behandlung bisher wegen ihrer Angst vor Nadeln abgelehnt haben. Der tägliche Einnahmeplan ist allerdings nicht für alle gleichermaßen geeignet. Die vorgeschriebenen Abläufe müssen jeden Morgen konsequent eingehalten werden.
Welche Nebenwirkungen auftreten können
Da beide Darreichungsformen Semaglutid enthalten, ähneln sich auch ihre Nebenwirkungsprofile. Am häufigsten treten Beschwerden des Magen-Darm-Trakts auf, insbesondere zu Beginn der Behandlung und während einer Dosiserhöhung.
Zu den häufigen Nebenwirkungen gehören:
- Übelkeit;
- Erbrechen;
- Durchfall;
- Verstopfung;
- Bauchschmerzen oder Druckgefühl;
- Blähungen;
- verminderter Appetit;
- Sodbrennen und Aufstoßen.
Die Beschwerden können nachlassen, sobald sich der Körper an den Wirkstoff gewöhnt hat. Um das Risiko zu reduzieren, beginnt die Behandlung mit einer niedrigen Dosierung, die über mehrere Monate schrittweise erhöht wird.
Zu den selteneren, aber schwerwiegenden Komplikationen zählen Entzündungen der Bauchspeicheldrüse, Erkrankungen der Gallenblase, Flüssigkeitsmangel infolge anhaltenden Erbrechens oder Durchfalls sowie eine Verschlechterung der Nierenfunktion.
Bei starken und anhaltenden Schmerzen im Oberbauch, wiederholtem Erbrechen oder Anzeichen einer schweren Dehydrierung ist eine rasche medizinische Abklärung erforderlich.
Semaglutid kann außerdem die Geschwindigkeit der Magenentleerung beeinflussen. Dies muss vor Operationen und Eingriffen unter Narkose berücksichtigt werden. Auch bei gleichzeitiger Einnahme anderer Medikamente kann die veränderte Aufnahmegeschwindigkeit eine Rolle spielen.
Warum die Tablette kein Mittel zum schnellen Abnehmen ist
Die Verfügbarkeit eines Medikaments ohne Injektion kann den Eindruck vermitteln, die Behandlung sei nun unkomplizierter oder harmloser. Die neue Darreichungsform macht Semaglutid jedoch weder zu einem Nahrungsergänzungsmittel noch zu einem gewöhnlichen Präparat zur Figurkorrektur.
Wegovy greift in hormonelle Mechanismen ein, die Hunger, Sättigung und Essverhalten regulieren. Es ist für die langfristige Behandlung von Adipositas als chronische Erkrankung vorgesehen.
Wird die Therapie beendet, ohne dass Ernährung und Lebensweise dauerhaft verändert wurden, können Appetit und Gewicht erneut zunehmen. Ärztinnen und Ärzte beurteilen deshalb nicht nur den kurzfristigen Gewichtsverlust, sondern auch, ob eine längerfristige Behandlung sinnvoll und vertretbar ist.
Das Medikament sollte weder mit einem fremden Rezept noch über fragwürdige Onlinehändler beschafft werden. Auch eine eigenmächtige Erhöhung der Dosierung ist riskant. Sie kann schwere Übelkeit, Erbrechen, Austrocknung und weitere Komplikationen verursachen.
Warum die Tablette nicht für alle bequemer ist
Der Verzicht auf eine Spritze ist der größte Vorteil der neuen Wegovy-Form. Für manche Patientinnen und Patienten entfällt dadurch eine psychologische Hürde, die sie bisher von einer Behandlung abgehalten hat.
Tabletten erfordern zudem keine Injektionshilfe. Das kann Transport und Aufbewahrung des Medikaments auf Reisen erleichtern.
Gleichzeitig steigt bei täglicher Einnahme das Risiko, eine Dosis zu vergessen. Betroffene müssen jeden Morgen an das Medikament denken, es vor dem Frühstück einnehmen und anschließend mindestens 30 Minuten warten.
Eine wöchentliche Injektion kann in diesem Punkt einfacher sein. Die Patientin oder der Patient wählt einen festen Wochentag und verabreicht das Präparat unabhängig von Mahlzeiten.
Welche Form besser geeignet ist, hängt deshalb nicht nur von der Angst vor Nadeln ab. Auch Tagesablauf, Schichtarbeit und die Einnahme anderer Medikamente am Morgen können die Entscheidung beeinflussen.
Wann Wegovy-Tabletten in europäischen Apotheken erhältlich sind
Die Genehmigung der Europäischen Kommission gilt in allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Das bedeutet jedoch nicht, dass das Medikament gleichzeitig in sämtlichen Ländern in den Handel kommt.
Der Hersteller muss Preise, Erstattungsbedingungen und Liefermodalitäten für jeden nationalen Markt gesondert klären. Der Verkaufsstart in Deutschland und anderen EU-Staaten kann deshalb zu unterschiedlichen Zeitpunkten erfolgen.
Das Medikament wird nur auf Rezept erhältlich sein. Konkrete Preise für die Tabletten wurden zum Zeitpunkt der europäischen Zulassung noch nicht bekannt gegeben.
Bei der injizierbaren Version von Wegovy kam es in der Vergangenheit aufgrund der hohen Nachfrage zeitweise zu Lieferengpässen. Tabletten lassen sich grundsätzlich leichter herstellen, transportieren und lagern als Einweg-Injektionspens. Ob sie tatsächlich rasch flächendeckend verfügbar sein werden, zeigt sich jedoch erst nach dem Marktstart.
Welche weiteren Medikamente gegen Adipositas entwickelt werden
Die Zulassung von Wegovy als Tablette verschärft den Wettbewerb auf dem Markt für Adipositasmedikamente. Pharmaunternehmen entwickeln sowohl neue orale Wirkstoffe als auch injizierbare Kombinationen, die gleichzeitig mehrere Hormonrezeptoren ansprechen.
Als wichtiger Konkurrent gilt Orforglipron von Eli Lilly. Im Gegensatz zu Semaglutid handelt es sich um ein kleines, nicht peptidisches Molekül. Der Wirkstoff wird im Magen nicht auf dieselbe Weise abgebaut und könnte daher ohne strenge Nüchternregeln und ohne eine anschließende Wartezeit eingenommen werden.
Erforscht wird außerdem Retatrutid. Das injizierbare Medikament wirkt gleichzeitig an den Rezeptoren für GLP-1, GIP und Glukagon. In Studien mit der höchsten Dosierung wurde in einigen Patientengruppen eine Gewichtsabnahme beobachtet, die über den Ergebnissen früherer Medikamentengenerationen lag.
Parallel werden Präparate entwickelt, die auf unterschiedliche Patientengruppen zugeschnitten sind. Dazu gehören Menschen mit Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Fettleber oder schwerer Adipositas.
Ziel der Forschung ist nicht ausschließlich eine möglichst starke Gewichtsabnahme. Künftig soll stärker berücksichtigt werden, welcher Wirkstoff zu den jeweiligen Begleiterkrankungen, zur Verträglichkeit und zur individuellen Stoffwechselreaktion passt.
Nach Angaben der Pharmaindustrie befinden sich weltweit Dutzende weitere Wirkstoffe gegen Adipositas in unterschiedlichen Entwicklungsphasen. Einige basieren auf bereits bekannten hormonellen Mechanismen, andere kombinieren mehrere Wirkprinzipien.
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