Schlafstörungen – was tun? Diese Frage stellen sich viele Menschen, wenn sie abends lange wach liegen, nachts häufig wach werden oder morgens trotz ausreichender Zeit im Bett erschöpft sind. Einzelne schlechte Nächte sind meist noch kein Grund zur Sorge. Halten die Beschwerden jedoch über Wochen an und beeinträchtigen Konzentration, Stimmung oder Leistungsfähigkeit, sollte man genauer hinsehen. Oft lässt sich der Schlaf durch konkrete Veränderungen im Alltag verbessern, bei länger anhaltender Schlaflosigkeit kann jedoch eine professionelle Diagnostik notwendig sein. Die Redaktion von Imowell.de informiert Sie ausführlich zu diesem Thema.
Wann spricht man von Schlafstörungen?
Nicht jede unruhige Nacht ist automatisch eine Schlafstörung. Auch eine Einschlafzeit von ungefähr 30 Minuten kann noch im normalen Bereich liegen. Entscheidend ist weniger eine feste Zahl als die Frage, ob der Schlaf regelmäßig unzureichend oder nicht erholsam ist und dadurch Beschwerden am Tag entstehen. Erwachsene schlafen im Durchschnitt etwa sieben Stunden, der individuelle Bedarf kann aber deutlich abweichen.
Typische Hinweise sind:
- langes Wachliegen vor dem Einschlafen;
- häufiges oder längeres Erwachen in der Nacht;
- sehr frühes Erwachen ohne erneutes Einschlafen;
- Müdigkeit, Reizbarkeit oder Konzentrationsprobleme am Tag;
- das Gefühl, trotz genügend Zeit im Bett nicht erholt zu sein.
Von einer chronischen Insomnie sprechen Fachleute, wenn Ein- oder Durchschlafprobleme regelmäßig auftreten, die Tagesbefindlichkeit beeinträchtigen und über einen längeren Zeitraum bestehen. Für die Diagnose reicht deshalb nicht allein die Zahl der geschlafenen Stunden.

Häufige Ursachen
Die Schlafstörungen Ursachen sind vielfältig. Häufig wirken mehrere Faktoren gleichzeitig zusammen. Stress, berufliche Belastungen, familiäre Konflikte oder Sorgen können das Nervensystem auch nachts in Alarmbereitschaft halten.
Weitere mögliche Auslöser sind:
- Lärm, Licht oder eine ungünstige Schlafumgebung;
- Schichtarbeit und wechselnde Schlafenszeiten;
- Koffein, Alkohol, Nikotin oder andere anregende Substanzen;
- Schmerzen, Hitzewallungen oder nächtlicher Harndrang;
- Depressionen, Angststörungen und andere psychische Belastungen;
- Schilddrüsen-, Herz-, Lungen- oder Nierenerkrankungen;
- Restless-Legs-Syndrom;
- Schlafapnoe mit nächtlichen Atemaussetzern;
- bestimmte Medikamente.
Auch Schnarchen, Zähneknirschen und Nebenwirkungen von Arzneimitteln können den Schlaf beeinträchtigen. Bei der medizinischen Abklärung werden deshalb nicht nur Schlafgewohnheiten, sondern auch körperliche und psychische Beschwerden sowie eingenommene Medikamente berücksichtigt.
| Problem | Mögliche Ursache | Praktische Maßnahme |
|---|---|---|
| Langes Wachliegen | Stress, spätes Koffein, unregelmäßige Zeiten | Feste Aufstehzeit, Abendroutine, Koffein früher beenden |
| Nachts häufig wach | Alkohol, Schmerzen, Harndrang, Schlafapnoe | Alkohol reduzieren, Beschwerden ärztlich klären |
| Sehr frühes Erwachen | Stress, depressive Verstimmung, zu frühe Bettzeit | Schlafrhythmus prüfen, ärztliches Gespräch erwägen |
| Morgens erschöpft | Zu wenig Schlaf, Atemaussetzer, häufige Wachphasen | Schlaftagebuch führen, Schnarchen abklären |
| Grübeln im Bett | Anspannung und Angst vor Schlaflosigkeit | Gedanken vorher notieren, erst bei Müdigkeit ins Bett |
| Müdigkeit am Tag | Schlafmangel, Medikamente, andere Erkrankungen | Keine riskanten Tätigkeiten, Ursache untersuchen lassen |
Einschlafprobleme und Durchschlafprobleme
Bei Einschlafproblemen dauert es lange, bis der Schlaf beginnt. Häufig kreisen die Gedanken um Arbeit, Konflikte oder die Angst, am nächsten Tag nicht leistungsfähig zu sein. Gerade der Druck, unbedingt schlafen zu müssen, erhöht die innere Anspannung.
Durchschlafprobleme zeigen sich dagegen dadurch, dass Betroffene nachts häufig wach werden und anschließend nur schwer wieder einschlafen. Kurze Wachphasen gehören zwar zum normalen Schlaf, werden aber meist nicht bewusst wahrgenommen. Problematisch werden sie, wenn sie lange dauern oder regelmäßig zu Erschöpfung führen.
Ungünstige Gegenmaßnahmen können die Beschwerden verstärken. Dazu gehören lange Nickerchen, sehr frühes Zubettgehen, wechselnde Bettzeiten und übermäßiger Kaffeekonsum. Die DGSM weist darauf hin, dass solche Anpassungen eine gelernte Angst vor Schlaflosigkeit aufrechterhalten können.
Schlafhygiene im Alltag
Wer den Schlaf verbessern möchte, sollte zunächst die alltäglichen Gewohnheiten prüfen. Schlafhygiene kann leichte Beschwerden reduzieren und eine medizinische Behandlung unterstützen. Sie ist jedoch keine Garantie und reicht bei einer chronischen Insomnie oft nicht allein aus.
Hilfreich sind vor allem:
- jeden Tag ungefähr zur gleichen Zeit aufstehen;
- erst ins Bett gehen, wenn deutliche Müdigkeit besteht;
- das Bett möglichst nur zum Schlafen nutzen;
- morgens Tageslicht und tagsüber Bewegung einplanen;
- lange oder späte Nickerchen vermeiden;
- das Schlafzimmer ruhig, dunkel und eher kühl halten;
- abends eine wiederkehrende, ruhige Routine schaffen;
- nachts nicht ständig auf die Uhr sehen.
Wer nach längerer Zeit noch hellwach ist, kann kurz aufstehen, in einem anderen Raum etwas Ruhiges tun und erst bei erneuter Müdigkeit zurück ins Bett gehen. Ziel ist, das Bett wieder mit Schlaf statt mit Grübeln und Frustration zu verbinden.
Ein Schlaftagebuch kann zusätzlich helfen. Darin werden Bettzeiten, geschätzte Einschlafdauer, Wachphasen, Koffein, Alkohol, Sport und Tagesmüdigkeit festgehalten. Solche Aufzeichnungen erleichtern auch das ärztliche Gespräch.
Welche Rolle spielen Kaffee, Alkohol und Smartphones?
Koffein regt die Gehirntätigkeit an und kann bei empfindlichen Menschen viele Stunden wirken. Deshalb kann selbst Kaffee am Nachmittag oder frühen Abend das Einschlafen erschweren. Die DGSM empfiehlt koffeinsensiblen Menschen, den Konsum deutlich vor der Schlafenszeit zu beenden.

Die vom Bundesinstitut für Risikobewertung genannten gesundheitlich unbedenklichen Höchstmengen für gesunde Erwachsene sind keine Empfehlung für guten Schlaf. Auch Mengen unterhalb dieser Grenzen können bei empfindlichen Personen Schlaflosigkeit, Nervosität oder Herzrasen auslösen. Besonders Energy Drinks enthalten oft größere Koffeinmengen.
Alkohol macht zunächst müde, verbessert die Schlafqualität aber nicht zuverlässig. Er kann in der zweiten Nachthälfte zu häufigeren Wachphasen führen, Schnarchen verstärken und Atemprobleme begünstigen.
Smartphones sind vor allem durch ihren Inhalt problematisch. Nachrichten, soziale Medien, Arbeit und Videos halten das Gehirn aktiv. Sinnvoll ist deshalb eine bildschirmarme Phase vor dem Schlafen. Das Gerät sollte nachts nicht ständig durch Töne, Licht oder Vibrationen stören.
Wann ist ärztliche Hilfe sinnvoll?
Ärztliche Hilfe ist sinnvoll, wenn Schlafprobleme über mehrere Wochen bestehen, mindestens mehrmals pro Woche auftreten oder den Alltag deutlich beeinträchtigen. Eine Hausarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle.
Eine zeitnahe Abklärung ist besonders wichtig bei:
- lautem Schnarchen und beobachteten Atemaussetzern;
- starker Tagesschläfrigkeit oder Sekundenschlaf;
- unruhigen, schmerzhaften Beinen am Abend;
- anhaltender Niedergeschlagenheit oder Angst;
- nächtlichen Schmerzen, Atemnot oder Herzbeschwerden;
- einem hohen Bedarf an Alkohol oder Schlafmitteln;
- Schlafproblemen nach Beginn eines neuen Medikaments.
Bei chronischer Insomnie empfiehlt die aktuelle deutsche S3-Leitlinie die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie als Behandlung der ersten Wahl. Sie kann unter anderem Stimuluskontrolle, Veränderungen der Bettzeiten, Entspannungsverfahren und die Bearbeitung schädlicher Gedanken über den Schlaf umfassen. Verschreibungspflichtige Schlafmittel sollten nach Leitlinienangaben grundsätzlich nur begrenzt und unter ärztlicher Begleitung eingesetzt werden.
Typische Fehler
Ein häufiger Fehler ist, immer länger im Bett zu bleiben, um fehlenden Schlaf „nachzuholen“. Dadurch kann sich die Zeit des Wachliegens verlängern.
Ebenfalls ungünstig sind:
- jeden Abend zu einer anderen Zeit schlafen zu gehen;
- am Wochenende bis mittags liegen zu bleiben;
- Alkohol als Schlafhilfe zu verwenden;
- spät am Tag viel Kaffee zu trinken;
- bei jedem Erwachen auf die Uhr zu schauen;
- Schlafmittel ohne ärztliche Rücksprache dauerhaft einzunehmen;
- ständig Schlafdaten von Uhren oder Apps zu kontrollieren;
- auf Nahrungsergänzungsmittel oder sogenannte Sleepmaxxing-Trends zu vertrauen.
Schlaftracker liefern Schätzwerte, aber keine sichere medizinische Diagnose. Wer sich stark auf vermeintlich schlechte Messwerte konzentriert, kann zusätzliche Schlafangst entwickeln.
Sieben-Tage-Checkliste für besseren Schlaf
Tag 1: Eine feste Aufstehzeit bestimmen und unabhängig von der Nacht einhalten.
Tag 2: Kaffee, Cola, schwarzen Tee und Energy Drinks notieren und den letzten Konsum deutlich vorverlegen.
Tag 3: Das Schlafzimmer abdunkeln, störende Geräusche reduzieren und die Temperatur prüfen.
Tag 4: Tagsüber mindestens eine Phase mit Tageslicht und Bewegung einplanen.
Tag 5: Eine ruhige Abendroutine von 30 bis 60 Minuten testen, etwa Lesen, Duschen oder Atemübungen.
Tag 6: Alkohol am Abend weglassen und beobachten, ob sich nächtliche Wachphasen verändern.
Tag 7: Das Schlaftagebuch auswerten: Was hat geholfen, welche Beschwerden bleiben bestehen und gibt es Hinweise auf eine medizinische Ursache?
Die Checkliste ist kein Heilversprechen. Bleiben die Beschwerden bestehen, sollte die Ursachenklärung nicht immer weiter aufgeschoben werden.
FAQ zu Schlafstörungen
Was kann ich tun, wenn ich nachts häufig wach bin?
Bleiben Sie ruhig und vermeiden Sie den Blick auf die Uhr. Wenn Sie länger hellwach sind, stehen Sie kurz auf und beschäftigen Sie sich bei gedämpftem Licht mit etwas Ruhigem. Wiederholen sich die Wachphasen regelmäßig, sollte nach Ursachen wie Alkohol, Schmerzen, Harndrang, Restless Legs oder Schlafapnoe gesucht werden.
Wie lange darf das Einschlafen dauern?
Eine Einschlafzeit von bis zu ungefähr 30 Minuten kann noch normal sein. Entscheidend ist, ob das lange Wachliegen regelmäßig auftritt und tagsüber Beschwerden verursacht.
Welche Folgen kann Schlafmangel haben?
Zu den häufigen Schlafmangel Folgen gehören Müdigkeit, Reizbarkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, langsamere Reaktionen und eine geringere Leistungsfähigkeit. Bei starker Schläfrigkeit steigt außerdem das Unfallrisiko. Dauerhafte Schlafprobleme können körperliche und psychische Erkrankungen zusätzlich belasten.
Sollte man nach einer schlechten Nacht länger schlafen?
Ein stark verlängertes Ausschlafen kann den Schlafrhythmus weiter verschieben. Meist ist es sinnvoller, die gewohnte Aufstehzeit beizubehalten und am folgenden Abend erst bei echter Müdigkeit ins Bett zu gehen.
Helfen Melatonin oder pflanzliche Schlafmittel?
Solche Präparate sind nicht für jede Form von Schlafstörung geeignet und können Neben- oder Wechselwirkungen haben. Sie ersetzen keine Diagnostik bei chronischen Beschwerden. Vor einer regelmäßigen Einnahme sollte man sich ärztlich oder in der Apotheke beraten lassen.
Fazit
Schlafstörungen entstehen häufig durch ein Zusammenspiel aus Stress, unregelmäßigen Gewohnheiten, anregenden Substanzen und körperlichen oder psychischen Beschwerden. Feste Aufstehzeiten, weniger Koffein und Alkohol, eine ruhige Abendroutine sowie ein Schlaftagebuch können erste praktische Schritte sein. Bleibt die Frage „Schlafstörungen – was tun?“ trotz konsequenter Veränderungen über Wochen bestehen, ist eine professionelle Abklärung sinnvoll. Chronische Schlaflosigkeit ist behandelbar, sollte aber nicht allein mit Apps, Nahrungsergänzungsmitteln oder selbst gewählten Schlafmitteln bekämpft werden.
