Nach dem Tod von Harald V. ist der norwegische Thron automatisch an dessen Sohn, den bisherigen Kronprinzen Haakon, übergegangen. Der neue Monarch wählte den Herrschernamen Haakon VIII. und übernahm den Wahlspruch seines Vaters und Großvaters: „Alles für Norwegen“. Seine Ehefrau Mette-Marit ist nun Königin, Tochter Ingrid Alexandra neue Kronprinzessin. Die Website Imowell.de berichtet unter Berufung auf tagesschau.
Haakon VIII. übernimmt den Thron ohne Krönung
Der Thronwechsel erfolgte unmittelbar nach dem Tod Haralds V. Nach der norwegischen Verfassung wird der Thronfolger automatisch König. Eine gesonderte Zeremonie ist für die Amtsübernahme nicht erforderlich.
Zu den ersten offiziellen Handlungen des 53 Jahre alten Monarchen gehörte die Einberufung der Regierung in den Königlichen Palast in Oslo. Dort informierte Haakon die Kabinettsmitglieder offiziell über den Tod seines Vaters und erklärte, als Haakon VIII. regieren zu wollen.
Der neue König entschied sich außerdem dafür, den dynastischen Wahlspruch „Alles für Norwegen“ beizubehalten. Bereits Harald V. und dessen Vater Olav V. hatten diese Devise verwendet.
In den kommenden Tagen soll Haakon VIII. vor dem Storting, dem norwegischen Parlament, seinen Eid ablegen. Dabei verpflichtet sich der Monarch, das Königreich im Einklang mit der Verfassung und den geltenden Gesetzen zu regieren.
Eine Krönung wird es nicht geben. Norwegen schaffte diese Tradition bereits 1908 ab. Möglich ist jedoch eine kirchliche Segnungszeremonie, die für die Thronbesteigung keine rechtliche Bedeutung hat.
Mette-Marit ist neue Königin von Norwegen
Mit der Thronbesteigung Haakons änderte sich auch der Status seiner Ehefrau. Die bisherige Kronprinzessin Mette-Marit trägt nun den Titel Königin von Norwegen.
Haakon und Mette-Marit heirateten im Jahr 2001. Ihre Beziehung hatte damals eine breite gesellschaftliche Debatte ausgelöst: Die künftige Königin stammte nicht aus dem Adel, war alleinerziehende Mutter und hatte eine Vergangenheit in der Osloer Partyszene.
Trotz der öffentlichen Kritik hielt der damalige Kronprinz an der geplanten Ehe fest. Das Paar hat zwei gemeinsame Kinder: Prinzessin Ingrid Alexandra, geboren 2004, und Prinz Sverre Magnus, der ein Jahr später zur Welt kam.
Mit der Thronbesteigung Haakons VIII. wird Ingrid Alexandra zur Kronprinzessin. Sie steht nun an erster Stelle in der norwegischen Thronfolge.
Skandale erschüttern das Vertrauen in den neuen König kaum
Haakon VIII. übernimmt den Thron zu einem Zeitpunkt, an dem mehrere Skandale die norwegische Königsfamilie belasten. Umfragen zufolge genießt der neue König dennoch weiterhin die Unterstützung einer deutlichen Mehrheit der Bevölkerung.
In einer Erhebung vom März erklärten fast vier von fünf Befragten, Haakon werde ein „sehr guter“ oder „ziemlich guter“ König sein. Zu diesem Zeitpunkt waren die Vorwürfe und Kontroversen im Umfeld der Königsfamilie bereits bekannt.
Für Diskussionen sorgten unter anderem die Kontakte Mette-Marits zu dem US-Finanzier und verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein, der 2019 in Haft starb. Berichte über den Umfang dieser Verbindungen hatten in Norwegen große Aufmerksamkeit ausgelöst.
Ein weiterer Skandal betraf Marius Borg Høiby, den Sohn Mette-Marits aus einer früheren Beziehung. Gegen ihn waren in einem umfangreichen Prozess 40 Anklagepunkte erhoben worden, darunter der Vorwurf der Vergewaltigung. Mitte Juni 2026 verurteilte ihn ein Gericht in erster Instanz zu vier Jahren Haft.
Infolge dieser Vorgänge äußerten sich die Norweger kritischer über die Monarchie als Institution. Haakons persönliche Zustimmungswerte blieben jedoch hoch. In der Bevölkerung gilt er als moderner, würdevoller und gut auf seine staatlichen Aufgaben vorbereiteter Monarch.
Der neue König studierte Politikwissenschaft
Haakon VIII. absolvierte zunächst die norwegische Marineakademie und setzte anschließend seine Ausbildung im Ausland fort. Er studierte Politikwissenschaft an der University of California in Berkeley und später Entwicklungsstudien an der London School of Economics.
Kronprinz wurde Haakon 1991, als sein Vater Harald V. nach dem Tod von Olav V. den Thron bestieg. Seitdem übernahm er regelmäßig offizielle Verpflichtungen und vertrat die Königsfamilie im In- und Ausland.
In den letzten Lebensjahren Haralds V. verschlechterte sich dessen Gesundheitszustand mehrfach. Während der krankheitsbedingten Abwesenheit seines Vaters übernahm Haakon wiederholt die Regentschaft und vertrat den Monarchen bei offiziellen Terminen.
In seiner öffentlichen Arbeit setzte sich der neue König unter anderem für soziale Gleichberechtigung, die Bekämpfung von Armut und die Förderung umweltfreundlicher Technologien ein. Darüber hinaus beteiligte er sich an internationalen humanitären und bildungspolitischen Projekten.
Haakon VIII. brach mehrfach mit königlichen Traditionen
Die Ehe mit Mette-Marit gilt als eines der bekanntesten Beispiele für Haakons Bereitschaft, von den bis dahin strengen Konventionen europäischer Königshäuser abzuweichen. Er heiratete eine Bürgerliche und alleinerziehende Mutter – trotz des Widerstands eines Teils der Bevölkerung und kritischer Medienberichte.
In den folgenden Jahren präsentierte sich das Paar als Vertreter einer moderneren Monarchie. Mette-Marit nahm an offiziellen Terminen, Wohltätigkeitsveranstaltungen und internationalen Initiativen teil, blieb zugleich aber im Fokus der norwegischen und internationalen Presse.
Auch Haakon äußerte sich wiederholt zu Umweltschutz, Chancengleichheit und nachhaltiger Entwicklung. Diese Themen gehörten bereits vor seiner Thronbesteigung zu den Schwerpunkten seiner öffentlichen Tätigkeit.
Harald V. starb im Alter von 89 Jahren
Harald V., der Vater des neuen Königs, starb am 28. August 2026 nach längerer Krankheit. In seinen letzten Lebensjahren litt er an einer Form der Blutarmut, der sogenannten hämolytischen Anämie, und musste wiederholt medizinisch behandelt werden.
Harald V. hatte 1991 nach dem Tod seines Vaters Olav V. den Thron bestiegen. Er regierte Norwegen 35 Jahre lang. Während seiner Amtszeit genoss die Monarchie breite Unterstützung, Harald selbst galt als einer der beliebtesten Vertreter der europäischen Königshäuser.
Nach seinem Tod ging die Staatsführung ohne Übergangsphase auf seinen Sohn über. Der Termin für die Beisetzung Haralds V. wurde bislang nicht offiziell bekannt gegeben.
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