Das ehemalige Model, die frühere DJane und Kickbox-Weltmeisterin Hanna Hansen hat sich innerhalb weniger Jahre zu einer der bekanntesten Vertreterinnen der salafistischen Szene in Deutschland entwickelt. In sozialen Netzwerken richtet sie sich vor allem an junge Frauen, spricht über Konversionen zum Islam und verbreitet eine streng konservative Auslegung der Religion. Deutsche Sicherheitsbehörden ordnen ihre Aktivitäten dem islamistischen Spektrum zu und verweisen auf ihren raschen Einflussgewinn. Die Website Imowell.de berichtet unter Berufung auf t-online.
Hinter dem Namen Hanna Hansen steht die 41-jährige Victoria Stadtlander. Früher arbeitete sie in der Modebranche, war für bekannte Marken tätig, legte als DJane in internationalen Clubs auf und nahm an professionellen Sportwettkämpfen teil. Besondere Bekanntheit erlangte sie im Kickboxen, wo sie einen Weltmeistertitel gewann.
Heute haben sich die Inhalte ihrer öffentlichen Auftritte vollständig verändert. Statt über Mode, Sport und gesellschaftliche Veranstaltungen spricht Hansen über religiöse Vorschriften, die Rolle der Frau in einer islamisch geprägten Gesellschaft, die Ablehnung des westlichen Lebensstils und die Einhaltung der Scharia.
Wie Hanna Hansen in sozialen Netzwerken an Einfluss gewann
Zu Hansens wichtigsten Instrumenten gehören Instagram und TikTok. Ihre Accounts erreichen zusammen mehr als 200.000 Follower. In kurzen Videos, Livestreams und Beiträgen spricht sie über einen religiösen Lebensstil, wendet sich an Frauen, die sich für den Islam interessieren, und zeigt den Alltag innerhalb einer muslimischen Gemeinschaft.
In den Berichten des Verfassungsschutzes Nordrhein-Westfalen wurde ihr Name erstmals Anfang 2024 erwähnt. Die Behörde stellte fest, dass es Hansen innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit gelungen sei, eine bedeutende Position unter islamistischen Aktivisten einzunehmen.
Nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden hängt ihr Einfluss nicht nur mit der Zahl ihrer Follower zusammen. Hansen nutzt eine moderne visuelle Inszenierung, tritt professionell vor der Kamera auf und versteht die Funktionsweise sozialer Plattformen. Dadurch erreicht sie Menschen, die klassische Predigten traditioneller salafistischer Akteure kaum verfolgen würden.
Besonders häufig richtet sie sich an Frauen, die nach religiöser Identität, Unterstützung oder einem neuen sozialen Umfeld suchen. In Hansens Beiträgen erscheint die islamische Gemeinschaft als Ort von Nähe, gegenseitiger Hilfe und klarer Zugehörigkeit.
Haltung zu Demokratie und Scharia
In ihren öffentlichen Äußerungen kritisiert Hansen die säkulare und liberale Gesellschaftsordnung. Dem westlichen Lebensstil stellt sie Regeln gegenüber, die sich an der Sunna orientieren, also an Überlieferungen über Aussagen und Handlungen des Propheten Mohammed.
Hansen spricht zudem offen über die Scharia und unterstützt die Vorstellung, das gesellschaftliche Leben religiösen Vorgaben unterzuordnen. Solche Positionen gelten aus Sicht deutscher Sicherheitsbehörden als unvereinbar mit den Grundlagen einer liberalen Demokratie, insbesondere mit Gleichberechtigung, individueller Freiheit und der Trennung von Staat und Religion.
In sozialen Netzwerken verwendet sie jedoch nur selten das Format einer klassischen religiösen Predigt. Stattdessen verbindet Hansen persönliche Geschichten, emotionale Ansprachen und alltägliche Themen. Dadurch werden ihre Inhalte auch für Frauen zugänglich, die sich zuvor kaum mit salafistischer Ideologie beschäftigt haben.
Videoanrufe aus der Moschee und Konversionen junger Frauen
Zu den häufigsten Formaten auf Hansens Kanälen gehören Videoanrufe mit Frauen, die zum Islam übertreten möchten. In einigen Aufnahmen spricht sie direkt aus einer Moschee mit ihnen und begleitet sie beim Aussprechen des islamischen Glaubensbekenntnisses.
In einem Video telefoniert Hansen mit einer 22-jährigen Frau aus Niedersachsen. Während des Gesprächs zeigt sie die Kölner Zentralmoschee und berichtet von den Frauen, die sich dort aufhalten. Die Gesprächspartnerin erklärt, sie wolle Teil dieser Gemeinschaft werden. Hansen reagiert emotional und betont die Unterstützung der anderen anwesenden Frauen.
Solche Veröffentlichungen erfüllen zugleich eine religiöse und eine soziale Funktion. Interessierten Frauen wird nicht nur der Ablauf einer Konversion gezeigt, sondern auch eine bereits bestehende Gemeinschaft, der sie sich unmittelbar anschließen können.
Nach Berichten deutscher Medien gilt gerade diese emotionale Komponente als besonders wirksam. Im Mittelpunkt stehen Zugehörigkeit, Schwesternschaft, gegenseitige Unterstützung und die Abkehr vom bisherigen Lebensstil.
Ehe mit Sven Lau und Reaktion der Sicherheitsbehörden
Im November 2024 berichtete die „Bild“-Zeitung über eine Hochzeit von Hanna Hansen mit dem islamistischen Prediger Sven Lau. Der frühere Feuerwehrmann galt über Jahre als eine der bekanntesten Figuren der deutschen Salafistenszene.
Bundesweit bekannt wurde Lau unter anderem durch die sogenannte „Scharia-Polizei“ in Wuppertal. Im Jahr 2017 wurde er wegen der Unterstützung einer in Syrien aktiven Terrororganisation zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt.
Nach Angaben der „Bild“ bewerten deutsche Sicherheitsbehörden die Verbindung zwischen Lau und Hansen als potenziell gefährliches Bündnis. Als Grund gilt die Kombination aus Laus langjährigen Kontakten innerhalb der salafistischen Szene und Hansens Fähigkeit, über soziale Medien neue Zielgruppen zu erreichen.
Hansen distanziert sich öffentlich nicht von ihrem islamistischen Umfeld. In ihren Inhalten treten regelmäßig Personen und Unterstützer aus streng konservativen religiösen Kreisen auf.
Vorträge für Frauen und missionarische Tätigkeit
Hansen organisiert Veranstaltungen in verschiedenen deutschen Städten, die sich vor allem an Frauen richten. Im Zentrum steht die sogenannte Dawa, also die Verbreitung des Islam und die Gewinnung neuer Anhängerinnen.
In den Ankündigungen geht es um religiöse Praxis, Tod, Jenseitsvorstellungen, familiäre Pflichten und das Verhalten muslimischer Frauen. Zu den angekündigten Veranstaltungen gehörte ein Intensivseminar in Aachen mit dem Titel „Die Reise ins Jenseits“, das sich mit der islamischen rituellen Waschung Verstorbener beschäftigte.
Eine weitere Veranstaltung mit ähnlichem Inhalt war für November 2025 in Düsseldorf vorgesehen. Solche Treffen werden von Sicherheitsbehörden aufmerksam beobachtet, weil Aktivisten dort außerhalb sozialer Netzwerke direkten Kontakt zu Teilnehmerinnen herstellen können.
Nach Berichten deutscher Medien begann Hansen nach ihrer religiösen Neuorientierung verstärkt mit Auftritten vor weiblichem Publikum. In ihren Vorträgen berichtet sie über die Abkehr von ihrer früheren Karriere und stellt diesen Schritt als bewusste Hinwendung zu einem streng religiösen Leben dar.
Warum ihre Biografie als Instrument zur Anwerbung dient
Hansens Lebensgeschichte unterscheidet sich deutlich von den Biografien vieler anderer salafistischer Prediger. Sie kam nach einer Karriere im Modelgeschäft, in der Musikbranche und im Profisport in die Szene. Dieser Gegensatz ist zu einem zentralen Bestandteil ihres öffentlichen Images geworden.
In ihren Veröffentlichungen wird Hansens Vergangenheit als Beleg dafür genutzt, dass Bekanntheit, beruflicher Erfolg und materielle Möglichkeiten angeblich keinen ausreichenden Halt im Leben bieten. Als Alternative präsentiert sie religiöse Disziplin, feste Verhaltensregeln und die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft.
Diese Erzählung richtet sich besonders an junge Frauen, die sich unsicher oder allein fühlen und nach eindeutigen Lebensregeln suchen. Hansen beschreibt ihren Wechsel von einem öffentlichen, säkularen Leben zu religiöser Strenge als konsequente und bewusst getroffene Entscheidung.
Sicherheitsbehörden weisen darauf hin, dass ihre moderne Inszenierung die Wirkung ihrer Aktivitäten verstärkt. Im Gegensatz zum klassischen Erscheinungsbild eines Predigers ist Hansen mit Popkultur, Profisport und der Bildsprache sozialer Netzwerke vertraut.
Kontakte zu bekannten Vertretern der Salafistenszene
Nach Angaben mehrerer deutscher Medien unterhält Hansen Kontakte zu bekannten Akteuren der deutschen Salafistenszene. Dazu zählt Efstathios Tsiounis, der unter dem Namen Abu Alia auftritt.
Er gilt als aktiver Online-Prediger und war früher mit der inzwischen verbotenen Organisation Ansaar International verbunden. Die Organisation wurde in Deutschland untersagt, nachdem die Behörden ihr vorgeworfen hatten, unter dem Deckmantel humanitärer Hilfe extremistische und terroristische Vereinigungen zu unterstützen.
Zu Hansens Umfeld gehört außerdem der frühere Profiboxer Pierre Vogel, der auch unter dem Namen Abu Hamza bekannt ist. Er betreibt seit vielen Jahren religiöse Agitation und zählt zu den bekanntesten Gesichtern des deutschen Salafismus.
Gemeinsam mit Vogel bewirbt Hansen Reisen nach Saudi-Arabien zur Durchführung der Umra. Dabei handelt es sich um eine kleinere Pilgerfahrt nach Mekka, die im Gegensatz zum Haddsch zu jeder Jahreszeit stattfinden kann.
Gemeinsame Projekte, Vorträge und religiöse Reisen stärken die Verbindungen zwischen verschiedenen Gruppen und Aktivisten innerhalb der salafistischen Szene. Zugleich ermöglichen sie es, über kommerzielle und touristische Angebote neue Teilnehmer anzusprechen.
Hanna Hansens Reaktion auf die Beobachtung durch den Verfassungsschutz
Hansen ist bekannt, dass ihr Name in Unterlagen deutscher Verfassungsschutzbehörden auftaucht. Dabei geht es mindestens um Berichte aus Nordrhein-Westfalen und Bayern.
Gegenüber der „Bild“-Zeitung erklärte sie, ihre Tätigkeit trotz der Beobachtung durch Sicherheitsbehörden nicht verändern zu wollen. Die Behörden könnten veröffentlichen, was sie wollten, sie werde ihre Auftritte und ihre Arbeit in sozialen Netzwerken fortsetzen.
Deutsche Sicherheitsbehörden betrachten die salafistische Szene als einen Teil des politischen Islamismus. Im Fokus stehen dabei nicht nur direkte Aufrufe zu Gewalt, sondern auch die Verbreitung einer Ideologie, die demokratische Institutionen und den Vorrang des Verfassungsrechts ablehnt.
Hansens Aktivitäten bleiben öffentlich. Sie veröffentlicht weiterhin Videos, organisiert Veranstaltungen, arbeitet mit religiösen Aktivisten zusammen und wendet sich an Frauen, die sich für einen Übertritt zum Islam interessieren.
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