Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel, Proteinprodukte und Gesundheitsartikel wächst weiter. Zugleich stellen Labortests die Sicherheit einzelner Produkte zunehmend infrage. In Diätshakes wurden Schwermetalle, unerwünschte Mikroorganismen und Chlorat nachgewiesen. Vitaminisierte Getränke enthalten teilweise Mengen einzelner Nährstoffe, die über den empfohlenen Tageswerten liegen. Website Imowell.de berichtet unter Berufung auf it-boltwise.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, kurz DGE, warnt deshalb vor der unkontrollierten Einnahme von Präparaten. Nach Angaben der Experten können Überdosierungen, Wechselwirkungen und fehlerhafte Kennzeichnungen auch dann gesundheitliche Risiken verursachen, wenn ein Produkt ausdrücklich als gesund beworben wird.
Test von Diätshakes zeigt Verunreinigungen
Ende Juli 2026 wurden die Ergebnisse eines Tests von 20 Diätshakes veröffentlicht. Nur zwei Produkte erhielten die Bewertung „gut“.
In mehreren Proben fanden die Labore Chlorat, Aluminium und Cadmium. Einzelne Produkte waren zudem mit Enterobakterien, Schimmelpilzen oder Bakterien der Art Bacillus cereus belastet. Solche Mikroorganismen können auf Mängel bei Herstellung, Abfüllung oder Lagerung hinweisen.
Die Probleme betrafen nicht nur die Inhaltsstoffe, sondern auch die Kennzeichnung. Einige Hersteller warben mit echter Vanille, obwohl diese bei der Analyse nicht nachgewiesen werden konnte.
Die getesteten Shakes kosteten zwischen 0,67 und 2,87 Euro pro Portion. Ein direkter Zusammenhang zwischen Preis und Qualität ließ sich nicht erkennen. Teurere Produkte verfügten nicht automatisch über eine bessere Zusammensetzung oder eine zuverlässigere Kennzeichnung.
Diätshakes werden häufig als bequemer Ersatz für eine vollständige Mahlzeit vermarktet. Ihr Nährwert hängt jedoch nicht nur vom angegebenen Gehalt an Eiweiß, Vitaminen und Mineralstoffen ab, sondern auch von Zucker, Süßstoffen, Aromen und weiteren Zutaten.
Vitaminisierte Getränke überschreiten teilweise Tagesmengen
Auch bei Vitaminwasser und anderen Getränken, die als gesundheitsfördernd verkauft werden, bestehen erhebliche Zweifel an der Zusammensetzung.
Marktuntersuchungen des Verbraucherzentrums Sachsen-Anhalt und des Bundeszentrums für Ernährung aus den Monaten Mai und Juli 2026 umfassten 35 Produkte. Bei zwölf Getränken überschritt bereits eine Flasche die empfohlene Tageszufuhr einzelner Vitamine.
Bei der Bewertung wurde nicht nur die Menge der zugesetzten Vitamine berücksichtigt, sondern auch die gesamte Rezeptur. Ein Teil der Getränke enthielt erhebliche Mengen Zucker oder Süßstoffe.
Werbeaussagen auf den Verpackungen heben häufig einzelne Vitamine hervor, ohne den Energiegehalt und die übrigen Inhaltsstoffe ausreichend einzuordnen. Dadurch kann bei Verbrauchern der Eindruck entstehen, ein Getränk sei unabhängig von seiner Gesamtzusammensetzung gesund.
Experten betonen, dass zugesetzte Vitamine ein Produkt nicht automatisch ausgewogen machen. Entscheidend seien auch Zuckergehalt, Kalorienmenge, Portionsgröße und weitere Nährstoffquellen im täglichen Speiseplan.
DGE warnt vor unkontrollierter Einnahme
Auf einer Konferenz am 29. Juli 2026 wies die Deutsche Gesellschaft für Ernährung auf die Risiken einer eigenständigen und langfristigen Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln hin.
Die Fachleute erklärten, dass der Körper überschüssige Mengen bestimmter wasserlöslicher Vitamine zwar ausscheiden könne. Daraus lasse sich jedoch nicht ableiten, dass hohe Dosierungen folgenlos blieben. Eine regelmäßige Überversorgung könne den Stoffwechsel, die Aufnahme anderer Nährstoffe oder die Wirkung von Medikamenten beeinflussen.
Besondere Vorsicht sei bei Kombinationspräparaten geboten, die mehrere Vitamine und Mineralstoffe in einer Kapsel oder Portion enthalten. Werden gleichzeitig angereicherte Lebensmittel, Getränke und weitere Präparate konsumiert, kann die Gesamtaufnahme einzelner Stoffe deutlich ansteigen.
Das Risiko erhöht sich zusätzlich, wenn mehrere Produkte mit ähnlicher Zusammensetzung parallel verwendet werden. Ein Multivitaminpräparat, ein Proteinshake und ein Vitaminwasser können beispielsweise dieselben Mikronährstoffe enthalten, obwohl sie als unterschiedliche Produktgruppen vermarktet werden.
Die DGE empfiehlt, den Bedarf an Nahrungsergänzungsmitteln individuell zu prüfen. In bestimmten Fällen kann die Einnahme sinnvoll sein, etwa bei einem diagnostizierten Mangel, besonderen Ernährungsformen, während einer Schwangerschaft, bei bestimmten Erkrankungen oder nach ärztlicher Empfehlung.
Studien zeigen keinen allgemeinen Nutzen von Vitamin D
Auch wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen nicht, dass die regelmäßige Einnahme einzelner Präparate für alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen sinnvoll ist.
Eine im British Medical Journal veröffentlichte Metaanalyse wertete Daten von rund 154.000 Menschen aus. Die Forscher fanden keine überzeugenden Hinweise darauf, dass isoliert eingenommenes Vitamin D vor Knochenbrüchen schützt.
Eine Kombination aus Calcium und Vitamin D war dagegen mit einer Verringerung des Frakturrisikos um etwa neun Prozent verbunden. Der Effekt hing somit von der konkreten Kombination, dem Gesundheitszustand und der ursprünglichen Nährstoffversorgung ab.
Eine weitere US-amerikanische Studie mit mehr als 16.000 Menschen über 60 Jahren untersuchte die dreijährige Einnahme eines Multivitamin- und Mineralstoffpräparats.
Die Teilnehmer berichteten über eine leichte Verringerung der Schwere einzelner Beschwerden. Eine relevante Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit konnten die Forscher jedoch nicht feststellen.
Ein positiver Effekt von Kakaoextrakt zeigte sich lediglich in einer Untergruppe von Patienten mit Herzinsuffizienz. Dieses Ergebnis lässt sich nicht auf alle Verbraucher von Nahrungsergänzungsmitteln übertragen.
Absatz von Proteinprodukten steigt stark
Trotz der Warnungen von Ernährungsexperten wächst die Nachfrage nach Proteinprodukten weiter.
Nach Angaben von Nielsen IQ stieg der Absatz in den zwölf Monaten bis März 2026 um 21,5 Prozent. Zwischen Juni 2024 und Juni 2026 erhöhte sich der Verkauf von Proteinpulvern sogar um 189 Prozent.
Lebensmittel mit dem Hinweis „proteinreich“ kosten im Durchschnitt rund 40 Prozent mehr als vergleichbare Standardprodukte. Dazu zählen Riegel, Puddings, Joghurts, Getränke, Müslis, Brote und Fertigmischungen.
Ernährungsexperten weisen darauf hin, dass die meisten Menschen über eine ausgewogene Ernährung ausreichend Eiweiß aufnehmen. Zusätzliche Proteinprodukte können für Sportler, Menschen mit bestimmten Erkrankungen oder bei besonderen Ernährungsbedürfnissen sinnvoll sein, sind aber nicht für alle Verbraucher notwendig.
Gleichzeitig steigen die Kosten für die Hersteller. Seit Januar 2026 verteuerte sich Molkenprotein um 40 bis 60 Prozent.
Die höheren Rohstoffpreise erhöhen den Druck auf Produktion und Verkaufspreise. Zugleich wächst die Bedeutung transparenter Angaben zum tatsächlichen Proteingehalt, zur Herkunft der Rohstoffe und zur vollständigen Zusammensetzung.
Wellnessbehandlungen ohne ausreichende Belege
Besonders hoch sind die Risiken, wenn Nahrungsergänzungsmittel mit medizinisch wirksamen Substanzen oder Behandlungen kombiniert werden, die ohne ausreichende ärztliche Kontrolle stattfinden.
Ein eigener Markt ist rund um sogenannte Longevity-, Anti-Aging- und Regenerationsangebote entstanden. Dazu gehören intravenöse Infusionen mit Vitaminen, Antioxidantien und weiteren Substanzen.
Am 29. Juli 2026 wurde in New York der Tod einer 27-jährigen Frau nach einer intravenösen NAD-Infusion in einem Wellnesszentrum bekannt. Der Betreiber der Einrichtung wurde festgenommen.
Mediziner verweisen auf eine unzureichende Studienlage zur Wirksamkeit vieler solcher Infusionen. Zusätzliche Risiken entstehen durch falsche Dosierungen, unzureichende Sterilität, mangelhafte Produktqualität, ungeeignete Lagerung oder fehlende medizinische Notfallversorgung.
Die intravenöse Verabreichung unterscheidet sich grundlegend von der Einnahme gewöhnlicher Nahrungsergänzungsmittel, da die Stoffe direkt in den Blutkreislauf gelangen. Fehler können akute Reaktionen, Infektionen oder andere schwere Komplikationen auslösen.
Orale Form von Semaglutid in Deutschland erwartet
Parallel dazu wächst der Markt für Arzneimittel zur Gewichtsreduktion, die klare medizinische Anwendungsgebiete haben und ärztlich überwacht werden müssen.
Eine orale Form von Semaglutid soll voraussichtlich im September 2026 auf den deutschen Markt kommen. Laut der Studie OASIS-4 betrug der durchschnittliche Gewichtsverlust unter der Behandlung 16,6 Prozent.
Das Medikament ist für Patienten mit einem Body-Mass-Index ab 30 vorgesehen. Es kann außerdem bei einem BMI ab 27 eingesetzt werden, wenn zusätzliche Begleiterkrankungen vorliegen.
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wurden die Behandlungskosten von den gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland nicht übernommen.
Semaglutid ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel und kein Nahrungsergänzungsmittel. Vor der Anwendung müssen Indikationen, Gegenanzeigen, mögliche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten geprüft werden.
Angesichts der hohen Nachfrage nach Mitteln zur Gewichtsabnahme warnen Fachleute vor dem Kauf über nicht überprüfte Vertriebswege und vor einer Anwendung ohne ärztliche Begleitung.
EU verbietet acht Raucharomen
Die regulatorischen Änderungen des Jahres 2026 betreffen nicht nur Nahrungsergänzungsmittel, sondern auch weitere Bereiche der Lebensmittelindustrie.
Seit dem 1. Juli 2026 ist die Herstellung von acht Raucharomen in der Europäischen Union wegen möglicher Gesundheitsrisiken verboten.
Für einige Produktkategorien gelten Übergangsfristen. Hersteller von Fleisch- und Käseprodukten können ihre Rezepturen noch bis Mitte 2029 anpassen.
In anderen Bereichen wirkt sich das Verbot bereits auf die Produktion von Chips, Barbecuesoßen, Snacks und pflanzlichen Fleischalternativen aus.
Unternehmen müssen Rezepturen überarbeiten, Ersatzstoffe finden und ihre Beschaffung neu organisieren. Die Vorschriften beeinflussen außerdem Kennzeichnung und Produktionsverfahren.
Die Ergebnisse der Tests von Nahrungsergänzungsmitteln, Vitaminwasser und Diätshakes erhöhen den Druck auf Hersteller, Zusammensetzung, Rohstoffqualität und Werbeaussagen nachvollziehbar und korrekt anzugeben.
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