In zehn europäischen Ländern wurden insgesamt 123 Infektionen mit dem Bakterium Dermatophilus congolensis registriert. Der Erreger wurde bislang hauptsächlich bei Tieren nachgewiesen. Neue Erkenntnisse deuten jedoch darauf hin, dass er auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Die meisten bekannten Infektionen verliefen mild. Website Imowell.de berichtet unter Berufung auf t-online.
Was über den Erreger bekannt ist
Dermatophilus congolensis ist ein Bakterium, das vor allem Pferde, Wiederkäuer sowie andere Haus- und Wildtiere befällt. Es verursacht Dermatophilose – eine Hautinfektion, die auch als Regenekzem oder Regenfäule bekannt ist.
Die Erkrankung kommt weltweit vor, tritt jedoch häufiger in Regionen mit warmem und feuchtem Klima auf. Da eine Übertragung vom Tier auf den Menschen möglich ist, gehört die Dermatophilose zu den Zoonosen.
Die steigende Zahl menschlicher Infektionen lässt sich allerdings nicht allein durch Tierkontakte erklären. Beobachtungen der Erkrankten und genetische Untersuchungen der Proben sprechen dafür, dass das Bakterium auch direkt zwischen Menschen weitergegeben werden kann.
Wie Dermatophilose übertragen werden kann
Als wahrscheinlichster Übertragungsweg gilt enger Hautkontakt. Eine Ansteckung kann beispielsweise beim Geschlechtsverkehr, beim Ringen, bei Kampfsportarten oder anderen Kontaktsportarten erfolgen.
Auch eine indirekte Übertragung über Gegenstände oder Oberflächen, auf denen sich der Erreger befindet, kann nicht ausgeschlossen werden. Das Risiko könnte insbesondere in warmen und feuchten Räumen wie Saunen, Sporthallen oder Umkleidekabinen steigen.
Hautverletzungen stellen einen zusätzlichen Risikofaktor dar. Kratzer, Schürfwunden und andere kleine Verletzungen können das Eindringen der Bakterien erleichtern. Eine mögliche Gefahr besteht außerdem bei der gemeinsamen Nutzung von Sportgeräten, Handtüchern oder anderen Gegenständen mit Hautkontakt.
Genetische Analysen von Proben aus verschiedenen Ländern ergaben eine starke Ähnlichkeit der Erreger. In einzelnen Fällen waren sie nahezu identisch. Das könnte darauf hindeuten, dass bestimmte Infektionsketten miteinander verbunden sind.
Welche Symptome bei Menschen auftreten
Dermatophilose verursacht überwiegend örtlich begrenzte Hautveränderungen. Zu den typischen Anzeichen gehören:
- Juckreiz;
- pockenähnliche Hautveränderungen;
- Krustenbildung;
- schuppende Haut;
- Rötungen und Reizungen der betroffenen Stellen.
Die Veränderungen können unter anderem im Gesicht, an den Armen, auf Brust, Rücken und Oberschenkeln sowie im Leisten- und Genitalbereich auftreten. Bei den meisten bekannten Fällen blieb die Infektion auf einen kleinen Hautbereich begrenzt und klang von selbst ab. Schwere Komplikationen wurden nicht beobachtet.
Welche Personengruppen bisher häufiger betroffen sind
Die meisten bestätigten Fälle wurden bei schwulen und bisexuellen Männern sowie anderen Männern festgestellt, die sexuelle Kontakte mit Männern haben. Die Verbreitung des Bakteriums ist jedoch nicht auf sexuelle Kontakte beschränkt.
Infektionen traten auch bei Menschen auf, die Kontaktsport betreiben. Einige Erkrankungen könnten zudem im Zusammenhang mit Reisen nach Südostasien stehen.
In Deutschland waren bis zum 17. Juni 2026 insgesamt 17 Infektionen bekannt. Unter den 16 Patienten, deren Erkrankungen zwischen Dezember 2025 und April 2026 registriert wurden, befanden sich ausschließlich Männer. Ihr Durchschnittsalter lag bei 45 Jahren. Vierzehn Fälle wurden in Berlin und zwei weitere in Brandenburg festgestellt.
Wie hoch das Ansteckungsrisiko ist
Für die Allgemeinbevölkerung wird das Risiko einer Infektion mit Dermatophilus congolensis als sehr gering eingeschätzt. Auch für Männer, die sexuelle Kontakte mit Männern haben, bleibt das Gesamtrisiko niedrig – selbst bei mehreren Sexualpartnern.
Ein moderates Risiko kann für Besucher von Einrichtungen bestehen, in denen sexuelle Dienstleistungen vor Ort angeboten werden, darunter bestimmte Saunen. Eine erhöhte Ansteckungsgefahr kann außerdem bei Kontaktsportarten bestehen, insbesondere bei Hautverletzungen oder gemeinsam genutzter Ausrüstung.
Was bei möglichen Symptomen zu tun ist
Bei ungewöhnlichem Ausschlag, Juckreiz, Krusten oder schuppenden Hautstellen sollte eine ärztliche Untersuchung erfolgen. Das gilt besonders dann, wenn die Veränderungen nach engem Hautkontakt, einem Saunabesuch oder Kontaktsport aufgetreten sind.
Zur Bestätigung der Diagnose kann der Arzt eine Probe von der betroffenen Hautstelle entnehmen und im Labor untersuchen lassen.
Bis zum Abklingen der Beschwerden sollten Betroffene engen Hautkontakt vermeiden und Kontaktsport vorübergehend aussetzen. Gemeinsam verwendete Gegenstände und Oberflächen sollten gründlich gereinigt und desinfiziert werden.
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