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    Russland greift Kyjiw und das Umland an: Vier Tote, darunter ein dreijähriges Kind

    Russland greift Kyjiw und die Region mit Raketen und Drohnen an. Vier Menschen sterben, darunter ein Kind. Die Ukraine fordert mehr Luftabwehr.
    8 August 2026Lesedauer: 6 MinutenKarl HartmannKarl Hartmann
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    Russland greift Kyjiw und die Region mit Raketen und Drohnen an. Vier Menschen sterben, darunter ein Kind. Die Ukraine fordert mehr Luftabwehr.
    Russland greift Kyjiw und die Region mit Raketen und Drohnen an. Vier Menschen sterben, darunter ein Kind. Die Ukraine fordert mehr Luftabwehr.
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    In der Nacht zum 8. August haben russische Streitkräfte erneut einen kombinierten Angriff auf Kyjiw und die Region Kyjiw gestartet. Im Dorf Puchiwka im Bezirk Browary kamen drei Mitglieder einer Familie ums Leben – die Großmutter, der Großvater und ihr dreijähriger Enkel. Ein weiterer Mensch wurde bei einem Raketenangriff in der ukrainischen Hauptstadt getötet. Der Angriff erfolgte vor dem Hintergrund wachsender Diskussionen über den Mangel an ukrainischen Luftverteidigungssystemen und kurz nach der Zustimmung des US-Senats zu einem neuen Sanktionspaket gegen Russland. Website Imowell.de berichtet unter Berufung auf aljazeera.

    Familie in Puchiwka bei Drohnenangriff getötet

    Besonders schwere Folgen hatte der nächtliche Angriff im Dorf Puchiwka im Bezirk Browary in der Region Kyjiw. Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj trafen russische Drohnen ein privates Wohnhaus, in dem sich eine Familie aufhielt.

    Dabei kamen die Großeltern und ihr dreijähriger Enkel ums Leben. Die Eltern des Kindes erlitten Splitterverletzungen und Verbrennungen. Auch der 15-jährige Bruder des Jungen wurde verletzt. Ein Nachbar, der nach dem Einschlag zur Hilfe kam, erlitt ebenfalls Verletzungen.

    Nach Angaben der Ermittler schlugen insgesamt fünf russische Drohnen in das Haus ein. Das Gebäude wurde durch den Angriff nahezu vollständig zerstört.

    Die Rettungsdienste meldeten außerdem Brände im Bezirk Browary. Neben Wohngebäuden geriet auch ein Industrieobjekt in Brand.

    Selenskyj erklärte nach dem Angriff, der internationale Druck auf Russland müsse weiter erhöht werden. Zugleich forderte er zusätzliche Lieferungen von Luftverteidigungssystemen an die Ukraine.

    Kyjiw mit ballistischen Raketen angegriffen

    Auch die ukrainische Hauptstadt wurde in der Nacht zum Samstag angegriffen. Russische Streitkräfte setzten dabei ballistische Raketen ein. In mehreren Stadtteilen waren anschließend Explosionen zu hören.

    Am Morgen meldeten die Behörden einen Todesfall. Die Leiche eines Menschen wurde bei den Aufräumarbeiten nach dem Angriff gefunden. Mindestens vier weitere Bewohner der Hauptstadt wurden verletzt.

    Nach Angaben der ukrainischen Luftstreitkräfte setzte Russland in der Nacht zum 8. August sechs ballistische Raketen vom Typ Iskander-M, Flugabwehrraketen des Systems S-400 sowie 151 Angriffsdrohnen gegen die Ukraine ein. Die ukrainische Luftabwehr konnte demnach 135 Drohnen abschießen oder elektronisch außer Gefecht setzen.

    Ballistische Raketen gehören weiterhin zu den schwierigsten Zielen für die ukrainische Luftverteidigung. Wegen ihrer hohen Geschwindigkeit bleibt zwischen der Erkennung eines Flugkörpers und seinem möglichen Einschlag häufig nur sehr wenig Zeit.

    Zu den wichtigsten Mitteln der Ukraine gegen solche Angriffe gehören die von den USA gelieferten Patriot-Systeme. Die Regierung in Kyjiw weist jedoch seit Monaten darauf hin, dass sowohl zusätzliche Systeme als auch geeignete Abfangraketen fehlen.

    Ukraine meldet Mangel an Abfangraketen

    Der jüngste Angriff lenkt erneut den Blick auf ein Problem, das die ukrainische Führung gegenüber ihren internationalen Partnern zunehmend hervorhebt: Die vorhandenen Mittel zur Abwehr russischer ballistischer Raketen reichen nach Angaben Kyjiws nicht aus.

    Präsident Selenskyj hatte zuvor erklärt, dass die Ukraine im ersten Halbjahr 2026 deutlich weniger Flugabwehrraketen erhalten habe als im entsprechenden Zeitraum des Vorjahres.

    Russland setzt bei seinen Angriffen zunehmend auf eine Kombination verschiedener Waffensysteme. Drohnen werden gemeinsam mit Raketen unterschiedlicher Typen eingesetzt, um die ukrainische Luftverteidigung gleichzeitig mit möglichst vielen Zielen zu belasten.

    Vertreter der internationalen Hilfsorganisation Plan International warnten nach der jüngsten Angriffswelle zudem vor der Gefahr mehrfacher Angriffe auf dieselben Gebiete innerhalb kurzer Zeit.

    Sven Coppens, Leiter des Ukraine-Programms von Plan International, erklärte, dass der gleichzeitige Einsatz zahlreicher Raketen der Zivilbevölkerung immer weniger Zeit lasse, Schutzräume zu erreichen. Gleichzeitig werde die ohnehin stark beanspruchte ukrainische Luftverteidigung zusätzlich belastet.

    Als weiteres Problem nennen Hilfsorganisationen den zunehmenden Einsatz von Drohnen in frontnahen Regionen. Dort sind die Möglichkeiten der Zivilbevölkerung, gefährdete Gebiete schnell zu verlassen, besonders eingeschränkt.

    Ukraine greift zwei russische Ölraffinerien an

    Parallel zu den russischen Angriffen setzte die ukrainische Armee ihre Operationen gegen Ziele auf russischem Staatsgebiet fort.

    Der ukrainische Generalstab bestätigte am 8. August Angriffe auf die Ölraffinerien Ilsky und Sysran. Nach den Attacken wurden auf beiden Anlagen Brände registriert.

    Die Raffinerie Ilsky liegt in der Region Krasnodar, die Anlage in Sysran in der Region Samara. Die Ukraine greift regelmäßig Einrichtungen des russischen Energie- und Treibstoffsektors an, die nach Darstellung Kyjiws zur wirtschaftlichen und logistischen Unterstützung des russischen Militärs beitragen.

    Darüber hinaus gab es Berichte über weitere Angriffe ukrainischer Langstreckendrohnen auf Ziele innerhalb Russlands.

    Die ukrainische Führung betont, dass sich solche Operationen insbesondere gegen militärische, industrielle, energetische und logistische Einrichtungen richten, die für die Versorgung der russischen Streitkräfte genutzt werden.

    US-Senat unterstützt neue Sanktionen gegen Russland

    Der russische Angriff erfolgte nur einen Tag nach einer wichtigen Abstimmung in Washington.

    Am 7. August stimmte der US-Senat dem Gesetzespaket „Lindsey O. Graham Sanctioning Russia and Iran Act of 2026“ zu, das eine Verschärfung des wirtschaftlichen Drucks auf Russland und mit Moskau verbundene Strukturen vorsieht.

    Der Gesetzentwurf enthält unter anderem neue Maßnahmen gegen den russischen Energiesektor, Finanzstrukturen sowie Unternehmen und Staaten, die Russland nach Auffassung der Initiatoren beim Erzielen von Einnahmen oder bei der Umgehung bestehender Sanktionen helfen.

    Bevor die Maßnahmen in Kraft treten können, sind weitere parlamentarische Schritte notwendig. Der Entwurf muss auch das Repräsentantenhaus passieren und anschließend vom US-Präsidenten unterzeichnet werden.

    Die ukrainische Regierung begrüßte die Abstimmung. In Kyjiw werden zusätzliche Sanktionen als Möglichkeit betrachtet, die russischen Einnahmen zu reduzieren, die zur Finanzierung des Krieges eingesetzt werden können.

    Selenskyj reist zu offiziellem Besuch nach Serbien

    Vor dem Hintergrund der neuen russischen Angriffe reiste Wolodymyr Selenskyj zu seinem ersten offiziellen Besuch nach Serbien.

    Die Gespräche finden unter komplizierten politischen Bedingungen statt. Belgrad versucht weiterhin, seine Beziehungen zu Russland, zur Ukraine und zur Europäischen Union gleichzeitig aufrechtzuerhalten.

    Serbiens Präsident Aleksandar Vučić weigert sich seit Beginn des russischen Angriffskrieges, sich den EU-Sanktionen gegen Moskau anzuschließen. Zugleich ist das Land weiterhin stark von russischen Gaslieferungen abhängig.

    Serbien hat der Ukraine allerdings humanitäre und andere nichtmilitärische Unterstützung zur Verfügung gestellt.

    Vor Beginn der offiziellen Gespräche erklärte Selenskyj, zu den wichtigsten Themen gehörten die wirtschaftliche Zusammenarbeit, die Beziehungen zur Europäischen Union sowie Sicherheitsfragen.

    Die Frage der ukrainischen Verteidigungsfähigkeit gewinnt angesichts der zunehmenden Zahl kombinierter russischer Raketen- und Drohnenangriffe weiter an Bedeutung. Besonders problematisch bleibt der Mangel an bestimmten Flugabwehrraketen.

    Nach Einschätzungen, auf die sich ukrainische Regierungsvertreter berufen, verfügt Russland weiterhin über die Möglichkeit, jeden Monat eine erhebliche Zahl ballistischer Raketen einzusetzen. In Kyjiw wird damit gerechnet, dass Moskau seine Raketen- und Drohnenangriffe weiter intensivieren könnte, insbesondere gegen Energieanlagen und andere kritische Infrastruktur.

    Lesen Sie auch: Drohne mit verdächtigem Gegenstand nahe ukrainischem Flugzeug in Leipzig entdeckt

    Angriff auf Kyjiw Patriot Ukraine Region Kyjiw russische Drohnen russischer Raketenangriff
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    Karl Hartmann

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