Die deutsche Entertainerin und Komikerin Hella von Sinnen hat ihren Kollegen Dieter Nuhr wegen dessen Äußerungen zu Femiziden öffentlich kritisiert. In einem Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ) erklärte sie, sie sei über seine Worte empört und schließe nicht aus, dass der Skandal Folgen für seine weitere Tätigkeit beim öffentlich-rechtlichen Sender ARD haben könnte. Website Imowell.de berichtet unter Berufung auf welt.
Nach Ansicht von von Sinnen werden jedes Jahr in Deutschland Hunderte Frauen von ihren Partnern oder Ehemännern getötet. Aussagen, die das Ausmaß dieses Problems relativieren könnten, seien deshalb nicht hinnehmbar. Sie werde mit Interesse verfolgen, ob der Fall Auswirkungen auf Nuhrs Fernsehkarriere haben werde.
Aussagen von Dieter Nuhr lösen öffentliche Debatte aus
Auslöser der Kritik waren Äußerungen von Dieter Nuhr in der Sendung Nuhr im Ersten XXL vom 18. Juni. Der Komiker erklärte, dass es in Deutschland jährlich etwa 300 bis 350 Femizide gebe. Gleichzeitig betonte er, dass die Wahrscheinlichkeit, Opfer einer solchen Tat zu werden, angesichts von mehreren Millionen Männern im Land sehr gering sei.
Darüber hinaus riet er Frauen, ihren Partner besser kennenzulernen, bevor sie eine intime Beziehung eingingen. Gerade dieser Teil seiner Aussage sorgte in Medien und sozialen Netzwerken für Kritik. Viele werteten die Bemerkung als eine Verlagerung der Verantwortung auf mögliche Opfer.
Was von Sinnen über Thomas Gottschalk sagte
Im Interview äußerte sich die Entertainerin auch zu den langjährigen Debatten über Thomas Gottschalks Verhalten gegenüber Frauen in Fernsehshows.
Ihrer Einschätzung nach wollte der populäre Moderator vor allem unterhalten und bewegte sich dabei innerhalb der damaligen gesellschaftlichen und medialen Gepflogenheiten. Niemand beim Fernsehen habe ihn gestoppt oder darauf hingewiesen, dass bestimmte Scherze oder Verhaltensweisen unangemessen sein könnten.
Von Sinnen betonte, dass in den 1980er- und 1990er-Jahren vieles als normal gegolten habe, was heute kritisch betrachtet werde. Sie wolle Gottschalk weder als frauenfeindlich noch pauschal als sexistisch bezeichnen. Zudem verwies sie auf seine langjährige Beziehung mit seiner damaligen Ehefrau Thea.
Komikerin berichtet von Drohungen und Sexismus
Hella von Sinnen sprach außerdem über ihre eigenen Erfahrungen mit Frauenfeindlichkeit und Bedrohungen. Nach eigenen Angaben erhielt sie wiederholt Briefe mit Beleidigungen und aggressiven Botschaften, die sich gegen sie und ihre öffentliche Präsenz richteten.
Sie habe ihre Sexualität bewusst offen thematisiert, was bei Teilen der Gesellschaft immer wieder ablehnende Reaktionen ausgelöst habe. Die Komikerin erklärte, sie habe sich von solchen Angriffen jedoch nie einschüchtern lassen und ihre Identität nicht verborgen.
Appell an Männer
Zum Ende des Interviews rief von Sinnen Männer dazu auf, sich stärker gegen Diskriminierung und Gewalt gegenüber Frauen zu positionieren. Die Verantwortung für gesellschaftliche Veränderungen dürfe nicht allein bei Frauen liegen.
Auch Männer, die Frauenfeindlichkeit und Gewalt ablehnten, müssten öffentlich Haltung zeigen und gegen entsprechende Tendenzen vorgehen.
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