Die anhaltende Hitzewelle in Deutschland hat zu einem deutlichen Anstieg der Strompreise am europäischen Day-Ahead-Strommarkt geführt. Besonders in den Abendstunden verteuert sich Strom erheblich, da die Solarstromproduktion nach Sonnenuntergang stark zurückgeht, während der Strombedarf aufgrund der intensiven Nutzung von Kühlsystemen hoch bleibt. Website Imowell.de berichtet unter Berufung auf tagesschau.
Warum die Strompreise derzeit stark steigen
Auf dem Day-Ahead-Markt melden Kraftwerksbetreiber stündlich ihre verfügbaren Strommengen und Preisangebote. Gleichzeitig geben Energieversorger und Großverbraucher ihren erwarteten Strombedarf an. Aus dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage ergibt sich der Börsenpreis für jede Stunde des folgenden Tages.
Nach Angaben von Branchenvertretern ist die aktuelle Preisentwicklung vor allem auf die anhaltend hohen Temperaturen zurückzuführen. Während der Hitzewelle steigt der Stromverbrauch deutlich an, weil Klimaanlagen, Kühlhäuser, Rechenzentren, Krankenhäuser sowie Produktionsanlagen mit hohem Kühlbedarf rund um die Uhr betrieben werden müssen.
Besonders hohe Preise nach Sonnenuntergang
Die angespannteste Lage entsteht in den Abendstunden. Tagsüber sorgt die hohe Einspeisung von Solarstrom häufig für sehr niedrige oder sogar negative Börsenpreise. Mit dem Sonnenuntergang fällt diese günstige Stromquelle jedoch weitgehend weg.
Um den weiterhin hohen Strombedarf zu decken, müssen teurere konventionelle Kraftwerke einspringen. In den vergangenen Tagen lag der Börsenpreis zeitweise bei mehr als 70 Cent pro Kilowattstunde.
Hitze schränkt gleichzeitig die Stromerzeugung ein
Die hohen Temperaturen belasten nicht nur die Nachfrage, sondern auch das Stromangebot.
Bei einigen Kern- und konventionellen Kraftwerken steht aufgrund von Wassermangel oder zu hohen Flusstemperaturen weniger Kühlwasser zur Verfügung. Gleichzeitig führt die derzeit schwache Windlage zu einer geringeren Stromproduktion aus Windenergie.
Die fehlenden Strommengen müssen deshalb verstärkt durch Gas- und Kohlekraftwerke erzeugt werden, deren Produktionskosten deutlich höher sind.
Unternehmen mit dynamischen Stromtarifen besonders betroffen
Besonders stark trifft die Entwicklung Unternehmen mit dynamischen Stromtarifen, deren Preise unmittelbar an die Börsenpreise gekoppelt sind.
Vor allem Industriebetriebe im Schichtbetrieb, Rechenzentren, Kühlhäuser, Lebensmittelhersteller sowie Unternehmen aus der Gastronomie- und Hotelbranche müssen mit deutlich höheren Energiekosten rechnen, wenn sie ihren Stromverbrauch nicht in günstigere Tageszeiten verlagern können.
Experten empfehlen eine flexible Stromnutzung
Energieexperten raten Unternehmen dazu, ihren Stromverbrauch möglichst flexibel zu gestalten. Energieintensive Produktionsschritte sollten nach Möglichkeit in die Mittagsstunden verlegt werden, wenn die Solarstromerzeugung hoch und der Börsenpreis häufig niedrig ist.
Auch Energiespeicher können helfen, teure Lastspitzen zu vermeiden. Neben Batteriespeichern kommen dafür beispielsweise auch Wärmespeicher infrage.
Dynamische Stromtarife bieten Chancen und Risiken
Die aktuelle Hitzewelle zeigt erneut die Vor- und Nachteile dynamischer Stromtarife. Während Strom an heißen Sommerabenden deutlich teurer werden kann, profitieren Verbraucher an sonnigen, windreichen oder verbrauchsschwachen Tagen häufig von wesentlich niedrigeren oder sogar negativen Börsenpreisen.
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