Italien durchlebt derzeit eine der schwersten Hitzewellen der vergangenen Jahrzehnte. Nach Einschätzung von Experten handelt es sich um die längste Phase extremer Temperaturen seit dem Sommer 2003. Die Behörden erweitern kontinuierlich die Liste der Städte mit der höchsten Hitzewarnstufe. Website Imowell.de berichtet unter Berufung auf Мerkur.
Am 25. Juni werden Ancona, Venedig und Viterbo in die Liste der Städte mit der höchsten Alarmstufe aufgenommen. Damit steigt die Zahl der Städte mit der roten Hitzewarnung auf insgesamt 15.
Besonders stark betroffen ist das Gesundheitssystem. In Parma wurden mehr als tausend Notfälle in Notaufnahmen und medizinischen Bereitschaftszentren registriert. Nach Angaben der örtlichen Gesundheitsbehörden wurden 1.067 Fälle erfasst, fast 30 Prozent davon betrafen Menschen über 75 Jahre.
Dürre lässt die Wasserreserven drastisch schrumpfen
Die Rekordtemperaturen gehen mit einer anhaltenden Dürre einher, die die Wasserressourcen des Landes erheblich belastet. In der Provinz Cuneo sind die Wasserbestände in den Reservoirs um rund 70 Prozent zurückgegangen.
Vor der kritischen Lage warnte der Landwirtschaftsverband Coldiretti Cuneo unter Berufung auf Daten der regionalen Umweltbehörde Arpa Piemonte. Demnach lagen die Niederschläge im Mai um 44 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt.
Der Wassermangel trifft bereits die Landwirtschaft. In den Reisanbaugebieten der Provinz Pavia erhöhten einige Wasserverbände ihre Tarife um 10 bis 15 Prozent. Gleichzeitig berichten Behörden und Branchenvertreter zunehmend von illegalen Wasserentnahmen, die früher nur vereinzelt vorkamen.
Regionen verhängen Arbeitsverbote während der heißesten Stunden
Angesichts der gefährlichen Temperaturen haben mehrere italienische Regionen erneut Schutzmaßnahmen für Beschäftigte eingeführt, die im Freien arbeiten.
In Kampanien sind seit dem 23. Juni Arbeiten in der Landwirtschaft und auf Baustellen zwischen 12:30 Uhr und 16:00 Uhr untersagt. Ähnliche Regelungen gelten bereits oder werden in der Toskana, den Abruzzen, Apulien sowie in der Emilia-Romagna eingeführt.
Die Maßnahmen sollen das Risiko von Hitzeschlägen und anderen gesundheitlichen Folgen extremer Temperaturen verringern.
Regierung erlaubt Unternehmen verkürzte Arbeitszeiten
Der italienische Ministerrat hat mehrere Maßnahmen beschlossen, um die Folgen der außergewöhnlichen Wetterlage für Unternehmen und Beschäftigte abzufedern.
Unternehmen dürfen ihre Tätigkeit vorübergehend aussetzen und das Kurzarbeitsinstrument „Cassa Integrazione“ nutzen, wenn die Hitze sichere Arbeitsbedingungen unmöglich macht.
Die Regelung schafft eine rechtliche Grundlage, um Produktionsunterbrechungen zu ermöglichen und gleichzeitig den sozialen Schutz der Beschäftigten zu gewährleisten.
Stromnetz gerät unter Druck
Der massive Einsatz von Klimaanlagen und Kühlsystemen hat den Stromverbrauch in vielen Regionen deutlich steigen lassen und die Netze belastet.
In Turin kam es bereits zu lokalen Stromausfällen. Der Energieversorger Ireti musste im Bereich der Piazza Castello einen Notstromgenerator einsetzen, um die Versorgung aufrechtzuerhalten.
Auch Mailand war betroffen. Während einer Stadtratssitzung am 24. Juni führten wiederholte Spannungsschwankungen zum Ausfall der Server, die die IT-Systeme der Sitzung betrieben. Die Versammlung musste daraufhin vorzeitig beendet werden.
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