Großbritannien bereitet sich auf eine groß angelegte Marineoperation in der Straße von Hormus vor, die unmittelbar nach einer Vereinbarung zur Beendigung der Kampfhandlungen mit Iran beginnen könnte. Ziel ist die Minenräumung in diesem strategischen Seeweg, über den vor dem Krieg rund ein Fünftel der weltweiten täglichen Öltransporte abgewickelt wurde. Die Website Imowell.de berichtet unter Berufung auf nytimes.
Die britischen Streitkräfte haben bereits Technik und Schiffe in Bereitschaft versetzt, um die Wiederöffnung der Route für die internationale Schifffahrt zu ermöglichen. Ein zentrales Element der geplanten Mission ist das Landungsschiff RFA Lyme Bay der Royal Fleet Auxiliary, das für den Einsatz autonomer Systeme zur Suche und Neutralisierung von Seeminen umgerüstet wurde.
Großbritannien bündelt Kräfte in Gibraltar
Die Vorbereitungen für einen möglichen Einsatz laufen in Gibraltar, dem britischen Überseegebiet an der Südspitze Spaniens. Dort schließen Militärs derzeit die Ausrüstung des Schiffes mit modernen autonomen Marinedrohnen ab, die zur Untersuchung des Meeresbodens eingesetzt werden sollen.
Nach Angaben des britischen Militärs wird das Schiff als sogenanntes „Mutterschiff“ für unbemannte Systeme dienen. Ein Teil der Drohnen kann direkt vom Schiff aus von kleinen Teams gestartet werden, während größere Systeme mit Unterstützung unbemannter Überwasserfahrzeuge operieren.
Diese Systeme sind mit hochpräzisen Sonaranlagen ausgestattet und können bis in eine Tiefe von 300 Metern tauchen, um den Meeresboden auf Sprengkörper zu untersuchen.
Straße von Hormus bleibt blockiert
Aufgrund der Kampfhandlungen ist die Schifffahrt in der Straße von Hormus faktisch zum Erliegen gekommen. Berichten zufolge sitzen in der Region rund 850 große Schiffe mit etwa 20.000 Seeleuten an Bord fest.
Die Sperrung der Route hat bereits erheblichen Druck auf die globalen Energiemärkte und die internationale Logistik ausgelöst. Die Straße von Hormus zählt zu den wichtigsten maritimen Verkehrsknotenpunkten der Welt und verbindet den Persischen Golf mit dem offenen Ozean.
Sollte die Operation beginnen, wollen britische Kräfte zunächst einen sicheren Schifffahrtskorridor von etwa 1.000 Yards Breite für den Verkehr in eine Richtung schaffen. Anschließend soll ein zweiter Kanal für den Gegenverkehr eingerichtet werden.
Verbündete könnten sich der Mission anschließen
Großbritannien hat bereits den Zerstörer HMS Dragon in den Nahen Osten entsandt. Nach Freigabe soll auch die RFA Lyme Bay in die Region verlegt werden.
Es wird erwartet, dass der Einsatz multinational organisiert wird. Verbündete Londons bereiten sich bereits auf eine mögliche Beteiligung vor.
Frankreich hat seine Flugzeugträgerkampfgruppe bereits als Teil eines möglichen Sicherheitseinsatzes in der Region in Stellung gebracht. Deutschland bereitet seinerseits ein Minenjagdboot für eine mögliche Beteiligung vor.
Die Koordination der Mission dürfte voraussichtlich in den Händen von Paris und London liegen.
London reagiert auf Kritik aus den USA
Die Vorbereitungen laufen vor dem Hintergrund angespannter Diskussionen zwischen Washington und London über die Rolle der Verbündeten im Konflikt mit Iran.
US-Präsident Donald Trump hatte zuvor Unzufriedenheit über den Umfang der britischen Beteiligung am Krieg geäußert. London verweist dagegen auf bereits geleistete Unterstützung.
Nach Angaben des britischen Ministers für die Streitkräfte, Al Carns, absolvierten britische Kampfflugzeuge Tausende Verteidigungseinsätze in der Region und schossen mehr als hundert Drohnen ab.
Zudem erlaubte Großbritannien amerikanischen Bombern, britische Stützpunkte für Einsätze zu nutzen.
Iranische Minen gelten als erhebliche Gefahr
Nach Einschätzung britischer Militärs stellt die Minengefahr eines der größten Risiken der möglichen Operation dar.
Iran soll über verschiedene Arten von Seeminen verfügen, darunter Grundminen, die auf magnetische, akustische und optische Signale reagieren. Einige dieser Systeme können mehrere hundert Kilogramm Sprengstoff enthalten und großen Schiffen schwere Schäden zufügen.
Deshalb setzt die britische Strategie auf den maximalen Einsatz autonomer Systeme, um die direkte Gefährdung von Minenräumkräften so gering wie möglich zu halten.
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