Die taiwanischen Streitkräfte haben erstmals amerikanische Mehrfachraketenwerfer vom Typ HIMARS von der Westküste der Insel in Richtung China eingesetzt. Die Schießübungen fanden in der Nähe der Stadt Taichung im Rahmen eines groß angelegten Manövers statt, das auf die Abwehr einer möglichen Landung chinesischer Truppen ausgerichtet war. Die Website Imowell.de berichtet unter Berufung auf yahoo.
Die zweitägige Übung wurde entlang sogenannter „roter Strände“ durchgeführt – Küstenabschnitte, die von Taiwans Militär als die wahrscheinlichsten Landungsorte für eine Invasion der Volksrepublik China eingestuft werden.
Nach Angaben des taiwanischen Verteidigungsministeriums kamen neben den amerikanischen HIMARS-Systemen auch die einheimischen Mehrfachraketenwerfer Thunderbolt-2000, die US-Panzerhaubitzen M109A6 Paladin sowie Panzerabwehrraketen zum Einsatz.
Das Ministerium erklärte, das Szenario habe einen Versuch feindlicher Landungstruppen simuliert, in die zentrale Region der Insel vorzudringen. Ziel der Übung sei es gewesen, die Einsatzbereitschaft zu erhöhen und die Truppen auf mögliche Verteidigungsoperationen vorzubereiten.
Zwar hatte Taiwan die HIMARS-Systeme bereits zuvor getestet, doch fanden diese Versuche ausschließlich von einem Militärstützpunkt an der Südostküste statt, wobei die Raketen in Richtung Pazifik abgefeuert wurden. Die aktuellen Schießübungen markieren den ersten Einsatz des Systems von der Westküste aus in Richtung des chinesischen Festlands.
Während der Übung wurden 32 Raketen abgefeuert. Die eingesetzten Geschosse verfügten über eine Reichweite von rund 15 Kilometern. Taiwan besitzt jedoch auch Munition mit deutlich größerer Reichweite, die Ziele auf dem chinesischen Festland erreichen kann.
HIMARS spielt zentrale Rolle in Taiwans Verteidigungsstrategie
Sicherheitsexperten bewerten den Abschuss von der Westküste als symbolisch bedeutsam. Der Einsatz der HIMARS-Systeme in Richtung China sende ein deutliches Signal über Taiwans Entschlossenheit, seine Verteidigungsfähigkeiten weiter auszubauen.
Das HIMARS-System gilt als wichtiger Bestandteil von Taiwans asymmetrischer Verteidigungsstrategie. Diese setzt auf mobile und vergleichsweise kostengünstige Waffensysteme, um einem militärisch deutlich stärkeren Gegner entgegenzutreten. Dank seiner hohen Mobilität kann das System nach einem Raketenabschuss schnell den Standort wechseln und so einer Gegenreaktion entgehen.
Taiwan erhielt die ersten elf HIMARS-Systeme Ende 2024. Bis Ende dieses Jahres sollen weitere 18 Einheiten geliefert werden. Darüber hinaus hatten die USA bereits zusätzliche Waffenlieferungen im Rahmen eines umfangreichen Militärhilfepakets für die Insel genehmigt.
Die Übungen fanden vor dem Hintergrund anhaltender Spannungen zwischen Taiwan und China sowie einer Debatte über den Umfang der amerikanischen Militärhilfe statt. Im Mai verabschiedete das taiwanische Parlament ein neues Verteidigungsbudget, dessen Umfang jedoch unter den ursprünglichen Forderungen der Regierung blieb.
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