Am Abend des 23. Juni kam es in Deutschland zu einer beispiellosen Störung der Bahninfrastruktur. Gegen 23 Uhr wurde der Zugverkehr im gesamten Bundesgebiet aufgrund eines Ausfalls des digitalen Funksystems GSM-R vollständig eingestellt. Tausende Reisende saßen an Bahnhöfen fest und konnten ihre Fahrt nicht fortsetzen. Die Website Imowell.de berichtet unter Berufung auf rp-online.
Betroffen waren Fernverkehrszüge des Typs ICE, Regionalverbindungen, S-Bahnen sowie der Güterverkehr. Ein Teil der Reisenden musste in Hotels untergebracht oder mit Taxigutscheinen versorgt werden.
Tausende Reisende strandeten an Bahnhöfen
Besonders angespannt war die Lage an großen Verkehrsknotenpunkten. An den Hauptbahnhöfen in Hamburg, Berlin, Frankfurt am Main, Augsburg und weiteren Städten bildeten sich lange Schlangen vor den Informationsschaltern der Deutschen Bahn.
In vielen Städten waren freie Hotelzimmer innerhalb kurzer Zeit ausgebucht. Reisende berichteten von Schwierigkeiten, alternative Verkehrsmittel oder Ersatzverbindungen zu finden. Mitarbeiter der Bahn verteilten an einigen Bahnhöfen Wasser und informierten über die weitere Reiseplanung.
Vor allem Menschen mit Nachtverbindungen oder internationalen Anschlusszügen waren von den Auswirkungen betroffen.
Ursache der bundesweiten Störung identifiziert
Nach Angaben der Deutschen Bahn stand der Vorfall im Zusammenhang mit dem geplanten Austausch einer technischen Komponente des GSM-R-Systems.
Wie der Vorstandsvorsitzende von DB InfraGo, Philipp Nagl, erklärte, werde derzeit die genaue Ursache des Ausfalls untersucht. Weitere technische Details zu dem ausgetauschten Bauteil wurden bislang nicht veröffentlicht.
Die Deutsche Bahn entschuldigte sich bei den Fahrgästen für die entstandenen Unannehmlichkeiten und kündigte eine umfassende Analyse des Vorfalls an.
Warum das GSM-R-System so wichtig ist
GSM-R (Global System for Mobile Communications – Railway) ist ein spezielles digitales Kommunikationssystem für den Eisenbahnverkehr.
Über dieses Netz erfolgt die Kommunikation zwischen Lokführern und den Betriebszentralen. Es dient der Koordination des Zugverkehrs und ist ein wesentlicher Bestandteil der Sicherheitsinfrastruktur auf dem Schienennetz.
Ohne ein funktionierendes GSM-R-System dürfen Züge in Deutschland nicht verkehren. Deshalb wurde der Bahnverkehr nach dem Ausfall vorsorglich landesweit gestoppt.
Zugverkehr schrittweise wieder aufgenommen
Kurz nach Mitternacht gelang es Technikern, die Störung zu beheben. Die ersten Züge konnten gegen 00:30 Uhr ihre Fahrt fortsetzen. Im Laufe der Nacht normalisierte sich der Betrieb schrittweise.
Am Morgen des 24. Juni teilte die Deutsche Bahn mit, dass alle wichtigen Strecken wieder bedient würden. Allerdings kam es auf einzelnen Verbindungen weiterhin zu Verspätungen infolge der nächtlichen Betriebsunterbrechung.
In Nordrhein-Westfalen lief der Bahnverkehr bereits am Morgen weitgehend wieder regulär. An Bahnhöfen in Köln, Duisburg und Dortmund wurden lediglich kleinere Verzögerungen gemeldet.
Kritik aus Politik und Verkehrsbranche
Der Vorfall löste Kritik bei Politikern und Vertretern der Verkehrsbranche aus. Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Oliver Krischer erklärte, die Störung habe gezeigt, wie stark das gesamte Schienennetz von einzelnen technischen Systemen abhängig sei.
Auch private Güterbahnunternehmen forderten eine unabhängige Untersuchung der Ursachen. Nach ihrer Einschätzung verdeutlicht der Vorfall die Notwendigkeit, die Kontrolle und Überwachung kritischer Bahninfrastruktur weiter zu verbessern.
Trotz der vergleichsweise schnellen Wiederaufnahme des Betriebs zählt die Störung zu den größten technischen Zwischenfällen im deutschen Bahnverkehr der vergangenen Jahre und hatte Auswirkungen auf den Personen- und Güterverkehr im gesamten Bundesgebiet.
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