Ein unerwartet hoher Blutdruckwert zu Hause kann verunsichern. Auf Imowell.de finden Sie praktische Gesundheitsinformationen für den Alltag – bei erhöhten Messwerten ist jedoch entscheidend, ruhig vorzugehen, korrekt nachzumessen und Warnzeichen ernst zu nehmen. Wer nach „Blutdruck zu hoch was tun“ sucht, sollte vor allem wissen: Ein einzelner auffälliger Wert beweist noch keinen Bluthochdruck. Entscheidend sind wiederholte, korrekt durchgeführte Messungen und bei dauerhaft erhöhten Werten eine ärztliche Abklärung.
Kurzantwort: Was tun, wenn der Blutdruck zu hoch ist?
Setzen Sie sich zunächst für etwa fünf Minuten ruhig hin und messen Sie anschließend erneut. Sprechen Sie während der Messung nicht, stellen Sie beide Füße auf den Boden und halten Sie den Arm entspannt auf Herzhöhe. Die Deutsche Hochdruckliga empfiehlt bei der Selbstmessung zwei Messungen im Abstand von mindestens einer Minute.
Sind die Werte wiederholt erhöht, sollten sie über mehrere Tage dokumentiert und mit der Hausärztin oder dem Hausarzt besprochen werden. Ein durchschnittlicher Heimblutdruck von 135/85 mmHg oder höher gilt nach den in Deutschland verwendeten Grenzwerten als auffällig.

Treten gleichzeitig starke Beschwerden wie Brustschmerzen, Atemnot, neurologische Ausfälle oder Bewusstseinsstörungen auf, kann dagegen ein medizinischer Notfall vorliegen.
Welche Blutdruckwerte gelten als auffällig?
Die europäischen Empfehlungen wurden 2024 aktualisiert. Die ESC unterscheidet bei Praxismessungen inzwischen zwischen nicht erhöhtem Blutdruck, „elevated blood pressure“ und Hypertonie. Eine arterielle Hypertonie bleibt dabei als Praxisblutdruck von mindestens 140/90 mmHg definiert. Die neue Kategorie „erhöhter Blutdruck“ umfasst in der Praxis systolische Werte von 120 bis 139 mmHg oder diastolische Werte von 70 bis 89 mmHg.
Für Messungen zu Hause gelten andere Grenzwerte. Die Deutsche Hochdruckliga nennt einen Durchschnitt von 135/85 mmHg als Schwelle für die Selbstmessung.
| Messsituation/Kategorie | Systolisch | Diastolisch | Einordnung |
|---|---|---|---|
| ESC: nicht erhöhter Praxisblutdruck | <120 mmHg | <70 mmHg | nicht erhöht |
| ESC: erhöhter Praxisblutdruck | 120–139 mmHg | 70–89 mmHg | erhöht, aber noch keine Hypertonie allein aufgrund dieser Kategorie |
| ESC: Hypertonie in der Praxis | ≥140 mmHg | ≥90 mmHg | Hypertonie-Grenzwert |
| Heimblutdruck, Durchschnitt | <135 mmHg | <85 mmHg | unterhalb der deutschen Heimgrenze |
| Heimblutdruck, Durchschnitt | ≥135 mmHg | ≥85 mmHg | ärztlich abklärungsbedürftig |
Dabei reicht jeweils bereits ein erhöhter systolischer oder diastolischer Wert für die entsprechende Einordnung. Individuelle Therapieziele können davon abweichen, beispielsweise aufgrund von Alter, Begleiterkrankungen oder kardiovaskulärem Risiko. Die ESC nennt für viele behandelte Erwachsene einen systolischen Zielbereich von 120 bis 129 mmHg, sofern dieser gut vertragen wird.
Blutdruck richtig messen
Wer wissen möchte, ob tatsächlich ein Problem besteht, muss zunächst den Blutdruck richtig messen. Kleine Fehler können das Ergebnis deutlich verändern.
Vor der Messung sollten Sie mindestens fünf Minuten ruhig sitzen. Körperliche Anstrengung sollte nicht unmittelbar vorausgehen. Während der Messung nicht sprechen, telefonieren oder fernsehen. Die Deutsche Hochdruckliga empfiehlt eine entspannte Sitzposition mit beiden Füßen auf dem Boden und einer Manschette auf Herzhöhe.
Achten Sie zusätzlich auf folgende Punkte:
- Verwenden Sie möglichst ein validiertes Blutdruckmessgerät mit einer zur Oberarmgröße passenden Manschette.
- Messen Sie morgens und abends ungefähr zur gleichen Zeit.
- Führen Sie jeweils zwei Messungen mit mindestens einer Minute Abstand durch.
- Dokumentieren Sie beide Werte.
- Wenn Sie Blutdruckmedikamente einnehmen, wird für ein standardisiertes Protokoll häufig vor der Einnahme gemessen.
Kaffee, körperliche Belastung, eine volle Blase, Stress oder eine falsche Armposition können die Messung beeinflussen.
Warum ein einzelner hoher Wert nicht immer Bluthochdruck bedeutet
Der Blutdruck ist keine feste Zahl. Er verändert sich innerhalb weniger Minuten und reagiert beispielsweise auf Bewegung, Schmerzen, Stress, Aufregung oder Koffein.
Deshalb sollte eine Hypertonie grundsätzlich nicht anhand einer einzelnen zufälligen Messung diagnostiziert werden. Die aktuellen europäischen Empfehlungen betonen Messungen außerhalb der Arztpraxis, beispielsweise zu Hause oder mittels 24-Stunden-Blutdruckmessung, um eine Diagnose zu bestätigen.
Auch der bekannte „Weißkitteleffekt“ kann eine Rolle spielen: Manche Menschen haben in der Arztpraxis höhere Werte als zu Hause. Umgekehrt gibt es eine maskierte Hypertonie, bei der Praxiswerte unauffällig, Werte im Alltag jedoch erhöht sind.

Wer einmal 150/90 mmHg misst, muss deshalb nicht automatisch von einer dauerhaften Hypertonie ausgehen. Wiederholt sich ein solcher Wert jedoch an mehreren Tagen, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll.
Warnzeichen eines medizinischen Notfalls
Ein sehr hoher Blutdruckwert allein ist nicht automatisch gleichbedeutend mit einem hypertensiven Notfall. Entscheidend ist, ob gleichzeitig Hinweise auf eine akute Organschädigung auftreten. Die aktuellen ESC-Empfehlungen sehen ab etwa 180/110 mmHg Anlass, einen hypertensiven Notfall auszuschließen.
Alarmzeichen sind insbesondere:
- starke oder plötzlich auftretende Brustschmerzen;
- ausgeprägte Atemnot;
- Lähmungen, Sprachstörungen oder andere plötzlich auftretende neurologische Ausfälle;
- Bewusstseinsstörungen;
- schwere Sehstörungen;
- ungewöhnlich starke Beschwerden in Verbindung mit extrem hohen Blutdruckwerten.
Bei solchen Symptomen sollte in Deutschland unverzüglich der Notruf 112 gewählt werden. Die Deutsche Herzstiftung weist darauf hin, dass ein Notfall auch bei niedrigeren Blutdruckwerten auftreten kann, wenn entsprechende Beschwerden bestehen.
Bei Werten über 180/110 mmHg ohne akute Beschwerden empfiehlt die Nationale VersorgungsLeitlinie nicht automatisch eine Krankenhauseinweisung. Die Deutsche Hochdruckliga rät in dieser Situation unter anderem zu Ruhe und einer Kontrollmessung nach etwa 30 Minuten; das weitere Vorgehen sollte ärztlich geklärt werden.
Alltagsschritte zur Blutdruckkontrolle
Wer den Blutdruck natürlich senken möchte, kann mit mehreren gut untersuchten Maßnahmen beginnen. Sie ersetzen eine notwendige medikamentöse Behandlung nicht, können sie aber wirkungsvoll ergänzen.
Nach aktuellen Empfehlungen der Deutschen Hochdruckliga sollte die Kochsalzzufuhr möglichst auf höchstens etwa fünf Gramm täglich begrenzt werden. Fertiggerichte, Wurstwaren, salzige Snacks und viele Backwaren enthalten häufig große Mengen verstecktes Salz.
Ebenfalls empfohlen werden mindestens rund 150 Minuten moderate körperliche Aktivität pro Woche, beispielsweise zügiges Gehen oder Radfahren. Bei Übergewicht kann eine Gewichtsreduktion zusätzlich hilfreich sein. Alkohol sollte möglichst gering gehalten werden, Rauchen und Vaping sind aus kardiovaskulärer Sicht ebenfalls ungünstig.
Praktisch bedeutet das: nicht versuchen, den Blutdruck innerhalb weniger Stunden mit Hausmitteln „herunterzudrücken“. Entscheidend ist eine langfristige Kontrolle.
Medikamente niemals eigenmächtig verändern
Bei bereits behandeltem Bluthochdruck sollten Tabletten weder ausgelassen noch zusätzlich eingenommen oder anders dosiert werden, nur weil eine einzelne Messung ungewöhnlich hoch oder niedrig ausgefallen ist.
Das gilt auch dann, wenn die Werte morgens wiederholt erhöht erscheinen. Die Deutsche Herzstiftung warnt ausdrücklich davor, die Medikamentendosis aufgrund einzelner morgendlicher Werte spontan selbst zu verändern.
Ein Blutdruckprotokoll hilft der Ärztin oder dem Arzt deutlich besser zu beurteilen, ob die Einnahmezeit, Dosierung oder Kombination der Medikamente angepasst werden sollte.
Messprotokoll für sieben Tage
Die Deutsche Hochdruckliga empfiehlt zur strukturierten Selbstkontrolle Messungen über sieben aufeinanderfolgende Tage. Morgens und abends werden jeweils zwei Messungen im Abstand von mindestens einer Minute durchgeführt.
Ein einfaches Protokoll kann so aussehen:
| Tag | Morgens 1 | Morgens 2 | Abends 1 | Abends 2 | Besonderheiten |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Stress, Kaffee, Beschwerden? | ||||
| 2 | |||||
| 3 | |||||
| 4 | |||||
| 5 | |||||
| 6 | |||||
| 7 |
Für eine standardisierte Auswertung empfiehlt die Deutsche Hochdruckliga bei solchen Messreihen, den ersten Tag nicht in die Mittelwertberechnung einzubeziehen, weil die Anfangswerte häufig höher ausfallen.
Liegt der durchschnittliche Heimblutdruck anschließend bei oder über 135/85 mmHg, sollte das Ergebnis ärztlich besprochen werden.
FAQ: Häufige Fragen zu hohem Blutdruck
Welche Bluthochdruck Symptome sind typisch?
Das Problem ist, dass Bluthochdruck Symptome häufig vollständig fehlen. Viele Betroffene bemerken über Jahre nichts. Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Schwindel können auftreten, sind aber nicht spezifisch genug, um allein daraus einen Bluthochdruck abzuleiten.
Ist 150 zu 90 zu hoch?
Als Praxiswert liegt 150/90 mmHg über der Hypertoniegrenze von 140/90 mmHg. Eine einzelne Messung stellt jedoch noch keine gesicherte Diagnose dar.
Welcher Wert gilt zu Hause als zu hoch?
Für die häusliche Selbstmessung gilt in Deutschland ein Durchschnitt von 135/85 mmHg oder höher als auffällig.
Was kann den Blutdruck kurzfristig erhöhen?
Stress, körperliche Anstrengung, Schmerzen, Koffein oder Messfehler können vorübergehend höhere Werte verursachen. Deshalb ist eine standardisierte Messung in Ruhe wichtig.
Wann sollte ich mit erhöhten Werten zum Arzt?
Wenn der Heimblutdruck an mehreren Tagen durchschnittlich bei mindestens 135/85 mmHg liegt, sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen. Bei sehr hohen Werten oder zusätzlichen starken Beschwerden ist eine schnellere medizinische Beurteilung erforderlich.
Hoher Blutdruck sollte kontrolliert, nicht vorschnell interpretiert werden
Wer zu Hause einen erhöhten Blutdruck misst, sollte zunächst ruhig bleiben, nach fünf Minuten korrekt erneut messen und die Entwicklung dokumentieren. Ein einzelner Wert reicht normalerweise nicht für die Diagnose Bluthochdruck. Wiederholt erhöhte Heimwerte ab durchschnittlich 135/85 mmHg gehören jedoch ärztlich abgeklärt. Bei sehr hohen Werten in Kombination mit Brustschmerzen, Atemnot, neurologischen Ausfällen oder Bewusstseinsstörungen ist sofortige medizinische Hilfe erforderlich.
Lebensstilmaßnahmen können langfristig helfen, den Blutdruck zu kontrollieren. Bereits verordnete Medikamente sollten dagegen niemals ohne Rücksprache mit einer Ärztin oder einem Arzt abgesetzt, erhöht oder anders eingenommen werden.
Lesen Sie auch: Eisenmangel erkennen: Symptome, Ferritinwert und Ernährung
