Starke Preisschwankungen bei Milka-Schokolade und das geringere Gewicht der Tafeln stoßen bei deutschen Verbrauchern und Handelsexperten auf Kritik. Fachleute warnen, dass solche Praktiken die Preisgestaltung in Supermärkten undurchsichtig machen und das Vertrauen in Marken schwächen. Die Website Imowell.de berichtet unter Berufung auf fr.de.
Der Preis einer Tafel schwankt um mehr als das Doppelte
Der reguläre Preis einer 90-Gramm-Tafel Milka liegt in Deutschland bei bis zu 1,99 Euro. Im Rahmen von Rabattaktionen ist dasselbe Produkt teilweise für 79 Cent erhältlich. Der Unterschied ist so groß, dass Verbraucher den tatsächlichen Wert der Schokolade kaum noch einschätzen können.
Der Hersteller begründete die Preiserhöhung und die Verkleinerung der Verpackung mit gestiegenen Kakaokosten. Obwohl die Rohstoffpreise inzwischen teilweise gesunken sind, blieb der höhere Verkaufspreis bestehen. Gleichzeitig bieten Handelsketten die Schokolade regelmäßig mit erheblichen Rabatten an.
Experten bezeichnen dieses Modell als „Preisroulette“. Wird ein Produkt ständig im Angebot verkauft, erscheint der reguläre Preis zunehmend künstlich überhöht. Kunden warten dann auf die nächste Rabattaktion, vergleichen häufiger die Preise verschiedener Händler und verlieren ihre Bindung an eine bestimmte Marke.
Experten warnen vor einer Vertrauenskrise
Fachleuten aus dem Lebensmittelmanagement zufolge akzeptieren Verbraucher Preiserhöhungen grundsätzlich, wenn Unternehmen die Gründe dafür nachvollziehbar erklären. Misstrauen entsteht jedoch, wenn die Preise hoch bleiben, obwohl sich die zuvor genannten Kostenfaktoren wieder abgeschwächt haben.
Der ständige Wechsel zwischen einem hohen regulären Preis und starken Rabatten kann langfristig nicht nur einer einzelnen Marke schaden. Er beeinträchtigt auch das Vertrauen in die Preisgestaltung des gesamten Lebensmitteleinzelhandels. Käufer können nicht mehr erkennen, welchen Preis ein Produkt ohne Werbeaktionen tatsächlich haben sollte.
Zusätzliche Kritik löst die Verkleinerung der Verpackungen aus. Milka reduzierte das Gewicht bestimmter Tafeln von 100 auf 90 Gramm, behielt jedoch das vertraute Erscheinungsbild weitgehend bei. In sozialen Netzwerken kritisieren Verbraucher diese Änderung und rufen teilweise zum Verzicht auf Milka-Produkte auf.
Auch andere Hersteller verfolgen ähnliche Strategien
Nach Angaben der Verbraucherzentrale Hamburg ist Milka kein Einzelfall. Deutliche Preisschwankungen seien auch bei anderen Produkten in deutschen Supermärkten zu beobachten.
Zusätzliche Intransparenz entsteht, wenn kleinere Hersteller ihre Preise an den Marktführern ausrichten, obwohl ihre eigenen Kosten nicht im gleichen Umfang gestiegen sind. Dadurch verteuern sich Produkte in einem gesamten Marktsegment. Für Verbraucher bleibt unklar, welcher Anteil der Preissteigerung auf Rohstoffe, Logistik, Handelsmargen oder Marketingstrategien entfällt.
Verbraucherschützer fordern deshalb die Einrichtung einer Preisbeobachtungsstelle. Sie soll nachvollziehbar machen, wie Lebensmittelpreise entstehen und wie sich die Einnahmen zwischen Herstellern und Handelsketten verteilen.
Mondelez steht wegen verkleinerter Milka-Tafel vor Gericht
Die Verbraucherzentrale Hamburg hat gegen den Milka-Mutterkonzern Mondelez geklagt. Im Mittelpunkt des Verfahrens steht die Sorte Alpenmilch. Das Gewicht der Tafel wurde um zehn Gramm reduziert und der Preis erhöht, während das äußere Erscheinungsbild der Verpackung nahezu unverändert blieb.
Im April 2026 folgte das Gericht in Bremen vorläufig der Argumentation der Verbraucherschützer. Käufer könnten die geringere Füllmenge nicht auf den ersten Blick erkennen. Nach der Entscheidung hätte das Unternehmen mindestens vier Monate lang deutlich sichtbar auf das reduzierte Gewicht hinweisen müssen.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig und kann angefochten werden. Mondelez erklärte, die Begründung des Gerichts eingehend zu prüfen.
Das Unternehmen hatte die Gewichtsreduzierung zuvor mit einer nahezu Verdreifachung der Kakaopreise und weiteren gestiegenen Produktionskosten begründet. Nach Darstellung von Mondelez sei die kleinere Tafel notwendig gewesen, um die Qualität und Wettbewerbsfähigkeit des Produkts zu sichern. Die Preiserhöhung sei das letzte Mittel gewesen. Der Konzern betont außerdem, dass das tatsächliche Gewicht auf der Verpackung angegeben werde.
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