Der neue ICE L, den die Deutsche Bahn schrittweise auf Verbindungen zur Insel Sylt einsetzt, sorgt unter Fahrgästen für Diskussionen. Das Unternehmen bewirbt den Zug als barriereärmere und komfortablere Lösung für den Fernverkehr. Einige Nutzer in sozialen Netzwerken bewerten das neue Modell jedoch deutlich kritischer. Website Imowell.de berichtet unter Berufung auf ms-aktuell.
Die wichtigsten Beschwerden betreffen den Fahrkomfort, die tatsächliche Verfügbarkeit freier Sitzplätze und die Frage, ob der Zug den Erwartungen entspricht, die viele Reisende mit der Marke ICE verbinden. Bei den veröffentlichten Kommentaren handelt es sich allerdings um persönliche Erfahrungen einzelner Fahrgäste und nicht um eine umfassende Bewertung des neuen Zugtyps.
ICE L fährt regelmäßig nach Westerland
Seit dem 1. Mai 2026 wird der ICE L auf der Strecke zwischen Hamburg und Westerland auf Sylt eingesetzt. Später erweiterte die Deutsche Bahn das Angebot an direkten Verbindungen.
Am 14. Juni wurde die direkte Bahnverbindung zwischen Berlin und Sylt wieder aufgenommen. Seit dem 11. Juli gibt es außerdem zusätzliche Verbindungen von Frankfurt über Gießen sowie von Köln über Düsseldorf, Münster und weitere Städte in Nordrhein-Westfalen.
Dank der neuen Strecken können Reisende die Nordseeinsel erreichen, ohne zwingend in Hamburg umsteigen zu müssen. Besonders für Fahrgäste aus West- und Mitteldeutschland ist das neue Angebot interessant.
Die Deutsche Bahn plant, den ICE L künftig auch auf weiteren nationalen und internationalen Strecken einzusetzen. Züge dieser Baureihe verkehren bereits auf einzelnen Verbindungen in Richtung Oberstdorf.
Deutsche Bahn setzt auf stufenlosen Einstieg
Eine der wichtigsten Besonderheiten des ICE L ist der weitgehend stufenlose Einstieg. Der Buchstabe „L“ steht für „Low Floor“, also für einen niedrigen Fußboden.
Diese Bauweise soll Menschen mit eingeschränkter Mobilität, älteren Fahrgästen, Eltern mit Kinderwagen, Radreisenden und Passagieren mit schwerem Gepäck den Einstieg erleichtern. An vielen Bahnsteigen ist der Zugang ohne Hublift oder zusätzliche Einstiegshilfe möglich.
Die Deutsche Bahn betont, dass das neue Modell unter Berücksichtigung moderner Anforderungen an Barrierefreiheit entwickelt wurde. Beworben werden außerdem breitere Durchgänge und spezielle Bereiche für Fahrgäste, die mehr Platz benötigen.
Mehr als 560 Sitzplätze im Zug
Der ICE L bietet insgesamt 562 Sitzplätze. An jedem Sitzplatz befinden sich Steckdosen, während neue elektronische Anzeigen Informationen zu Reservierungen liefern.
In die Fenster wurden spezielle Bereiche integriert, die Mobilfunksignale besser durchlassen sollen. Dadurch sollen Telefonate und die Nutzung des mobilen Internets während der Fahrt zuverlässiger werden.
Besondere Aufmerksamkeit gilt Familien mit Kindern. Nach Angaben der Deutschen Bahn verfügt der ICE L über den größten Familienbereich innerhalb der ICE-Flotte. Dieser bietet Platz für 46 Reisende.
Zusätzlich gibt es ein Kleinkindabteil mit neun Sitzplätzen. Die Bahn bewirbt diese Bereiche als Vorteil für Familien, die während der Ferien oder an Wochenenden nach Sylt reisen.
Fahrgäste beklagen fehlende Sitzplätze
Die Kritik nahm nach einem Werbebeitrag der Deutschen Bahn auf Facebook zu. Darin stellte das Unternehmen die neue Direktverbindung nach Sylt vor und verglich die Zugreise mit anderen Formen des Urlaubs.
Einige Nutzer merkten an, dass komfortable Sitze und Familienbereiche wenig nutzen, wenn im Zug keine freien Plätze mehr verfügbar sind. Die Verbindungen nach Sylt sind besonders im Sommer und an Feiertagen stark ausgelastet.
In den Kommentaren wurde auch über eine mögliche Reservierungspflicht diskutiert. Einige Fahrgäste befürchteten, dass eine hohe Auslastung dazu führen könnte, dass Reisende stehen oder in mehreren Wagen nach einem freien Sitzplatz suchen müssen.
Offizielle Angaben zu einer regelmäßigen Überfüllung des ICE L auf den neuen Verbindungen veröffentlichte die Deutsche Bahn bislang nicht.
Kritik an unruhigem Fahrverhalten
Weitere Beschwerden bezogen sich auf das Fahrverhalten des Zuges. Einige Passagiere beschrieben die Fahrt als wenig ruhig und berichteten von spürbaren Erschütterungen und Schwankungen der Wagen.
Ein Teil der Nutzer erklärte, von einem neuen ICE einen ruhigeren und stabileren Lauf erwartet zu haben. Besonders diskutiert wurden einzelne Streckenabschnitte, auf denen der Zustand der Gleise oder bestehende Geschwindigkeitsbegrenzungen das Fahrgefühl beeinflussen können.
Ein Kommentator bezeichnete den Zug als misslungen und warf der Bahn vor, die Werbeversprechen nicht einzuhalten. Aus dem Beitrag ging jedoch nicht eindeutig hervor, ob sich die Kritik auf den Ticketpreis, die Sitze, die Geschwindigkeit, den Service oder die technischen Eigenschaften bezog.
Solche Einschätzungen bleiben individuelle Erfahrungsberichte. Daraus lässt sich nicht ableiten, wie groß die Zustimmung zu dieser Kritik unter allen Fahrgästen tatsächlich ist.
Entspricht der ICE L dem Niveau anderer ICE-Züge?
Ein weiterer Streitpunkt ist die Verwendung der Marke ICE. Viele Fahrgäste verbinden damit hohe Geschwindigkeiten, moderne Züge und einen gehobenen Komfort.
Der ICE L unterscheidet sich konstruktiv von vielen anderen Zügen dieser Kategorie. Er besteht aus einzelnen Reisezugwagen und wird von einer Lokomotive gezogen. Damit unterscheidet er sich von Triebzügen wie dem ICE 3 oder ICE 4.
Einige Nutzer sind der Ansicht, dass sich der ICE L technisch und beim Fahrgefühl eher wie ein klassischer Intercity-Zug anfühlt. Die Deutsche Bahn ordnet das Modell dagegen der ICE-Flotte zu und verweist auf die moderne Ausstattung, die Barrierefreiheit und die flexible Nutzung mit unterschiedlichen Lokomotiven.
ICE L ist langsamer als einige andere ICE-Modelle
Die Höchstgeschwindigkeit des ICE L liegt bei 230 Kilometern pro Stunde. Damit ist er langsamer als einige andere ICE-Züge, die 250, 300 oder mehr Kilometer pro Stunde erreichen können.
Auf der Strecke nach Sylt ist die maximale Geschwindigkeit jedoch nicht der entscheidende Faktor. Große Teile der Verbindung führen über Strecken, auf denen die Infrastruktur keine dauerhaft hohen Geschwindigkeiten zulässt.
Das Tempo wird außerdem durch den Zustand der Bahnstrecken, den Fahrplan, die Zahl der Halte und die Kapazität einzelner Knotenpunkte begrenzt. Deshalb führt der technische Unterschied zwischen 230 und 300 Kilometern pro Stunde nicht automatisch zu einer deutlich längeren Fahrzeit.
Die Einfahrt nach Sylt erfolgt über den Hindenburgdamm, auf dem ebenfalls infrastrukturelle Beschränkungen gelten.
Direkte Verbindung aus Köln führt über Münster
Für Reisende aus Nordrhein-Westfalen hat die Deutsche Bahn eine direkte Verbindung von Köln nach Westerland eingerichtet. Der Zug fährt unter anderem über Düsseldorf und Münster.
Dadurch können Fahrgäste Sylt erreichen, ohne am Hamburger Hauptbahnhof umsteigen zu müssen. Gerade dieser Umstieg galt bislang für Reisende aus Westdeutschland als einer der umständlichsten Teile der Reise.
Die Direktverbindung richtet sich vor allem an Urlauber mit Gepäck, Kindern oder Fahrrädern. Der Wegfall des Umstiegs reduziert außerdem das Risiko, den Anschlusszug aufgrund einer Verspätung zu verpassen.
Parallel dazu fährt der ICE L auch von Frankfurt über Gießen. Die Deutsche Bahn will das Streckennetz für diesen Zugtyp in den kommenden Jahren schrittweise ausbauen.
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